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Kartellverfahren gegen Deutsche Bahn "Wieso gehören Bahnhöfe noch der Bahn?"

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Sei es an den bahneigenen Automaten oder im Internetverkauf - seit Jahren werden immer wieder Vermutungen laut, dass die Bahn ihre Konkurrenten benachteiligt. Doch die Vormachtstellung der Bahn trifft nicht nur die Wettbewerber im Schienenverkehr, sondern auch die Verbraucher. Jetzt schaltet sich das Kartellamt ein, um den Ticket-Verkauf genauer unter die Lupe zu nehmen. Die meisten Kommentatoren der deutschen Tageszeitungen halten eine Überprüfung für richtig.

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"Es liege der Verdacht auf Missbrauch einer marktbeherrschenden Stellung vor", so das Kartellamt.

"Es wird Zeit für ein einheitliches Ticketing. Es soll mehr Wettbewerb auf die Schiene kommen. Also müssen die neuen Anbieter auch die gleichen Chancen erhalten wie der Platzhirsch DB", findet die Badische Tageszeitung aus Freiburg. Dazu gehöre selbstverständlich ein Raum zum Verkauf von Fahrscheinen an den Stationen, ein einheitliches Buchungssystem und der Verkauf von Fremdtickets in den Reisezentren. Wenn die Bahn zu dieser "kundenfreundlichen Praxis nicht bereit ist, sind die Regulierungsbehörden gefragt."

Die Frankfurter Rundschau sieht das genauso. Die Bahn unternehme alles, "um der eigentlich unliebsamen Konkurrenz das Leben schwer zu machen. So bezahlen Wettbewerber nicht selten höhere Trassengebühren, mehr Geld für Bahnhofsaufenthalte, höhere Strompreise." Für den Kunden sei es "mitunter ein Abenteuer, ein Ticket zu ergattern." Die Zeitung findet, der Bahn "muss das Vertriebsmonopol entrissen werden."

Die Westdeutsche Zeitung glaubt, dass nur ein echter Wettbewerb mehr Menschen auf die Schiene bringen könne. Außerdem spreche es "nicht für das Vertrauen in die eigene Leistungskraft.", sich nicht direkt mit der Konkurrenz zu messen, urteilt das Blatt aus Düsseldorf.

Die Westfälischen  Nachrichten aus Münster geht sogar so weit zu fragen: "Wieso gehören Schienen und Bahnhöfe noch der Bahn?" Flughäfen - gleich, ob in Frankfurt oder in Münster - würden auch nicht von der Lufthansa betrieben. Der Passagier wünsche sich vornehmlich eins: fixen und guten Service. Dazu gehöre das problemlos am Bahnhof erhältliche Ticket - egal für welchen Zug.

Anders sieht das die Saarbrücker Zeitung. Sie hält den Eingriff des Kartellamts für falsch: "Es ist nicht einzusehen, dass die Bahn den Vertrieb für die Privaten mehr oder minder kostenlos mit übernehmen soll." Womöglich wollten sich die Privatbahnen die Kosten für Automaten und Schalter sparen, mutmaßt die Zeitung: "Die Beschwerden beim Kartellamt hätten dann das Ziel, sich Vorteile zu verschaffen."

Die Badischen Neuesten Nachrichten aus Karlsruhe erkennt im Vorgehen der Bahn, selbst wenn es Konkurrenten benachteiligen sollte, noch kein Problem für den Verbraucher: "Was hält den mündigen Verbraucher eigentlich davon ab, dies einfach zu umgehen, wenn er sein Ticket direkt beim Anbieter im Internet bucht? Das geht schließlich per Smartphone ohne Probleme über den Hot-Spot der Bahn in den Bahnhöfen."

Zusammengestellt von Sarah Köhler

Quelle: n-tv.de

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