Pressestimmen

Russlands Reaktion auf MH17-Bericht "Willkommen in der Welt Putins"

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Internationale Ermittler belegen im jüngsten MH17-Bericht, dass Russland den Absturz von Flug MH17 zu verantworten hat. Moskau dagegen dementiert und verstrickt sich dabei in Widersprüche. Die Presse kritisiert aber nicht nur den russischen Präsidenten Putin, sondern auch Menschen, die der Propaganda mehr Glauben schenken als den Fakten.

Was hier vorgeführt werde, sei dasselbe zynische Spiel, dass der Kreml auch im Falle Syriens betreibe, schreibt die "Welt" aus Berlin. Der Kommentator zeigt angesichts des MH17-Berichtes Unverständnis für die Annährungsversuche Europas an Russland. "Die offensichtliche Verantwortung für die Eskalation der Lage wird bestritten. Schuld sind immer die anderen. Willkommen in der postfaktischen Welt Putins. Die Realität ist eine andere. Nämlich diese: Ohne Russlands hybride Kriegsführung gäbe es längst keine Ukraine-Krise mehr. Ohne Russlands militärische Unterstützung wäre das Assad-Regime mittlerweile Geschichte. Russlands Außenpolitik hat zwei Ziele: Die Ausdehnung seiner strategischen Einflusszone und die Destabilisierung des Westens. Wieso es in dieser Lage mehr und mehr Stimmen gibt, die Sanktionen aufheben möchten und vom Wiederaufbau eines 'Vertrauensverhältnisses' träumen, bleibt deren Geheimnis."

Die Lüneburger "Landeszeitung" schreibt, die "Kreml-Propagandamaschine konnte noch so viele Potemkinsche Dörfer entwerfen, die Arbeit der internationalen Ermittlergruppe bestätigte doch den Verdacht, der von Anfang an am plausibelsten erschien: Die von Russland unterstützten Separatisten verantworten den Abschuss des Ferienfliegers MH17." Das Blatt sieht in Wladimir Putin den Verantwortlichen: "Als Büchsenspanner diente der Kreml selbst. Ohne Putins gewaltsame Verwirklichung des Traums von Katharina der Großen von einem Neurussland inklusive der Krim wäre es nicht zu der Tragödie gekommen. Der Abschuss und die fortgesetzte Wahrheitsverschleierung als Teil einer hybriden Kriegsführung könnten für das europäisch-russische Verhältnis das werden, was 9/11 für das Verhältnis zwischen den USA und der muslimischen Welt war: die Wurzel eines irreparablen Zerwürfnisses."

Der Kommentator der "Märkischen Allgemeinen" aus Potsdam dagegen nimmt Russland  in Schutz und beruft sich auf einen militärischen Fehler. "Sämtliche Fragen rund um den Abschuss der malaysischen Passagiermaschine werden wahrscheinlich nie geklärt werden. Aber es gilt mittlerweile als gesicherte Erkenntnis, dass den Soldaten auf dem Raketenwagen aus militärischer Sicht ein fataler Fehler unterlief. Sie wollten ukrainische Kampfjets ins Visier nehmen - und kein Flugzeug voll besetzt mit Urlaubern und Geschäftsleuten." Es sei ein Fehler gewesen, der eine bis heute unselige Fehlerkette in Gang gesetzt hätte und die internationale Gemeinschaft vor eine ungewöhnliche Herausforderung stelle: "Wie soll die Diplomatie damit umgehen, dass die Regierung in Moskau alle Erkenntnisse der Ermittler schlichtweg leugnet?"

Der "Trierische Volksfreund" kritisiert all jene, die Russland nach diesen Ergebnissen in Schutz nehmen und sich auf eine Verschwörung berufen. "Dass sich Moskaus Darstellungen des MH17-Abschusses gegenseitig widersprechen, dass sie ganz offensichtlich an den Haaren herbeigezogen sind - wen stört es?" Weltweit, auch hierzulande, gebe es genug Menschen, die der Propaganda mehr glauben als den jetzt veröffentlichten Ergebnissen der akribischen Ermittlungen durch ein internationales Expertenteam aus den Opferstaaten Niederlande, Malaysia und Belgien sowie der Ukraine. "Man braucht dazu noch nicht einmal gelenkte Medien wie in Putins Reich - in der 'postfaktischen Zeit' reicht die richtige Einstellung, um Verschwörungstheorien zu folgen."

Ungeachtet der Absichten verweist die "Augsburger Allgemeine" auf die Verantwortung: "Das Ergebnis des Untersuchungsberichts ist keine Überraschung. Dennoch ist es gut, dass die offensichtlichen Lügen aus Moskau nicht unwidersprochen bleiben. Mag sein, dass es einer der Rebellen war, der letztlich den Knopf gedrückt hat. Gut möglich auch, dass es gar nicht beabsichtigt war, das Passagierflugzeug abzuschießen. Doch wer, wie Russland, den unberechenbaren Milizen in der Ostukraine Waffen wie die Buk-Flugabwehrraketen zur Verfügung stellt, der ist mitverantwortlich für den Tod der 298 Passagiere des Fluges MH 17."

Zusammengestellt von Stefanie Rosenthal

Quelle: n-tv.de

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