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Schadenfreiheitsklasse übertragen Billig fahren als Versicherungseinsteiger

Da hilft auch keine jahrelange Fahrpraxis: Wer zum ersten Mal ein Auto versichert, zahlt hohe Prämien. Wenn man es clever anstellt, kann man aber auch deutlich günstiger einsteigen. Man muss nur jemanden finden, der einem seinen Schadenfreiheitsrabatt vererbt.

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Wer jahrelang ein Auto fährt, das auf jemand anderen versichert ist, kann dessen SF-Klasse übernehmen.

(Foto: imago/Westend61)

Für Fahranfänger ist die Autoversicherung ein echter Geldfresser. Wer seinen Wagen auf den eigenen Namen anmeldet, zahlt üblicherweise mindestens das Doppelte des regulären Basiswerts für die Versicherung. Doch selbst wenn man schon jahrelang Fahrpraxis gesammelt hat, bevor man zum ersten Mal selbst ein Auto versichert, wird's nicht billig. Es gibt aber eine Möglichkeit, die Prämie zu drücken. Dafür muss man einen Verwandten finden, der einem die eigene Schadenfreiheitsklasse überträgt.

Fahranfänger beginnen normalerweise in der Schadenfreiheitsklasse (SF) 0. Besitzt man den Führerschein schon mindestens drei Jahre oder länger, überspringt man dieses Stadium und fängt in der Haftpflichtklasse ½ an.  Das entspricht etwa 70 bis 75 Prozent des Basisbeitrags. Danach gibt es Jahr für Jahr ein paar Prozent Rabatt – vorausgesetzt, man hat in dieser Zeit keinen Schaden gemeldet. Was nicht jeder weiß: Unter bestimmten Voraussetzungen kann man den Rabatt von anderen, langjährig Versicherten übernehmen.

Das geht nicht bei allen Versicherungen, aber bei vielen. Sie ermöglichen es ihren Kunden, die eigene Schadenfreiheitsklasse für die Haftpflicht- und Vollkaskoversicherung an eine nahestehende Person weiterzugeben, wenn diese das jeweilige Auto weiter fährt. Standard ist eine Übertragung auf die nächsten Verwandten, also Kinder, Ehepartner oder auch auf die Eltern. Viele Versicherer fassen den Begriff der Verwandtschaft aber noch etwas weiter und lassen beispielsweise auch unverheiratete Partner, Enkel oder nicht leibliche Kinder zu.

Für Fahranfänger lohnt sich's nicht

Kann also ein Fahranfänger, der das Auto seiner Oma bekommt, auch gleich ihren Rabatt übernehmen? So einfach ist es dann doch nicht. Für die Übertragung gibt es Bedingungen. Zum einen muss man glaubhaft machen, dass man das Auto, um das es geht, zuvor auch selbst regelmäßig gefahren ist. Der Empfänger kann den Rabatt also nicht für ein Auto nutzen, das er sich neu zulegt.

Zum anderen kommt es darauf an, wie lange man selbst schon den Führerschein hat. Man kann nur so viele Schadenfreiheitsklassen übernehmen, wie man auch selbst hätte einfahren können. Sprich: Hat der Enkel seine Fahrerlaubnis erst vor fünf Jahren erworben, kann er auch nur einen Schadenfreiheitsrabatt für fünf Jahre erben – auch wenn seine Oma in Klasse 35 gefahren ist. Es macht also keinen Sinn, den eigenen Rabatt an einen Fahranfänger weiterzugeben.

Es gibt aber auch Fälle, die sind für eine Rabattübertragung geradezu prädestiniert. Der Klassiker: Ein Kind nutzt den Zweitwagen der Eltern. Wenn der Nachwuchs einige Jahre Fahrpraxis gesammelt hat, kann er den Vertrag der Eltern übernehmen. Der Rabatt für das andere Familienauto wird dadurch nicht beeinträchtigt. Ein weiterer gängiger Fall: Ein Ehepaar trennt sich, bislang liefen aber beide Fahrzeuge auf einen der beiden Partner. Dieser kann den Rabatt nun an den oder die künftige Ex weitergeben. Auch bei geerbten Autos lässt sich die Schadenfreiheitsklasse auf Kinder oder Enkel übertragen. Das gleiche gilt, wenn die Großeltern oder Eltern aus Altersgründen das Autofahren aufgeben.

Was weg ist, ist weg

Um den Rabatt abzutreten, bleiben in der Regel sechs bis zwölf Monate Zeit, wenn das Auto erstmal bei der Versicherung abgemeldet ist. Man sollte sich seiner Sache auf jeden Fall sehr sicher sein, denn wenn der Rabatt erstmal weg ist, bekommt man ihn nicht wieder zurück.

Die Oma fährt zwar in einer günstigen Schadenfreiheitsklasse, aber leider bei einer teuren Versicherung? Kein Problem: Oft kann man die Schadenfreiheitsklasse auch zu einem anderen Anbieter mitnehmen. Hat man einen günstigen Tarif gefunden, stellt man bei der alten Versicherung einen Antrag auf Rabattübertragung. Der neue Anbieter fragt dann die SF-Klasse vom Vorversicherer ab und wendet diese für den neuen Vertrag an. Wichtig dabei: Die Versicherungen ordnen den Schadenfreiheitsklassen unterschiedliche Rabatte zu.  Während SF 15 bei der Debeka einem Haftpflicht-Beitragssatz von 28 Prozent des Basisbeitrags entspricht, sind es bei der HUK-Coburg 30 Prozent und bei der Direct Line 25 Prozent. Man kann zwar die Schadenfreiheitsklasse mitnehmen, aber nicht unbedingt den alten Rabatt.

Haftpflicht- und Kaskoschutz: Jetzt vergleichen, 2016 billiger fahren

Quelle: n-tv.de

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