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Tenhagens Tipps Braucht man eine Rechtsschutzversicherung?

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Ohne Versicherung im Rücken schrecken viele Menschen davor zurück, sich durch die Instanzen zu klagen.

(Foto: imago stock&people)

An der Rechtsschutzversicherung scheiden sich die Geister. Der eine hält sie für unverzichtbar, der andere für überflüssigen Luxus. Hilfreich ist die Police nicht nur für notorische Prozesshansel, sagt Finanztip-Chefredakteur Tenhagen. Doch die Versicherungen bezahlen längst nicht alles.

n-tv.de: Wie hoch ist das Risiko, dass man eine Rechtsschutzversicherung braucht?

Hermann-Josef Tenhagen ist Chefredakteur der unabhängigen Verbraucher-Webseite Finanztip.

Hermann-Josef Tenhagen ist Chefredakteur des Online-Verbrauchermagazins Finanztip.

Hermann-Josef Tenhagen: Das Risiko, dass es zu einem Rechtsstreit kommt, ist relativ hoch. Ob man dann auch eine Rechtsschutzversicherung braucht, hängt davon ab, wie teuer die Sache wird. Viele kleine Geschichten kann man auch ohne Versicherung abwickeln. Aber wenn man sich beispielsweise mit seinem Arbeitgeber streitet, weil man den Job verloren hat, dann hat man die 10.000 Euro für eine Kündigungsschutzklage wahrscheinlich gerade nicht übrig. Auch einen Prozess gegen die Versicherung wegen einer nicht anerkannten Berufsunfähigkeit oder gegen einen Arzt wegen eines Kunstfehlers kann man sich ohne Versicherung womöglich gar nicht leisten.

Eine Rechtsschutzversicherung ist also kein Luxus?

Nein. Wer das Geld über hat, sollte ruhig eine abschließen, damit schläft man dann viel ruhiger. Aber wenn man noch keine Haftpflicht- und keine Berufsunfähigkeitsversicherung hat, sollte man sich erst darum kümmern.

Was kostet der Schutz und was bekommt man dafür?

Familien zahlen für eine vernünftige Police rund 200 Euro, haben wir in unserem Vergleich ermittelt. Dafür gibt es das Komplettpaket aus Privat-, Berufs-, Verkehrs- und Mietrecht. Die Versicherung bezahlt im Ernstfall die anwaltliche Beratung, die Gerichtskosten und - wenn man verliert - auch den gegnerischen Anwalt.

Kann die Versicherung auch Fälle ablehnen?

Ja. Nach den Bedingungen sollten die Versicherer aber alle Fälle übernehmen, bei denen es Aussicht auf Erfolg gibt. Wer Versicherungsschutz hat, sucht sich einen Anwalt – den kann man sich übrigens frei aussuchen - und der nimmt dann Kontakt mit der Versicherung auf und trägt die Risikoabwägung vor. Bei komplett aussichtslosen Fällen wird einem wohl schon der vernünftige Jurist abraten. Wenn die Versicherung Deckung gewährt, ist er fein raus, denn durch die Police ist sichergestellt, dass er auch bezahlt wird.

Stellt sich die Versicherung quer, kann auch noch ein Schiedsverfahren helfen. Notorische Prozesshansel laufen allerdings Gefahr, dass der Versicherer sie früher oder später nicht mehr haben will. Wenn sich ein Rauswurf abzeichnet, kündigen sie besser selbst, denn sonst werden sie schwer eine andere Versicherung finden. Die Versicherer führen eine gemeinsame Liste über Kunden, die sie gekündigt haben.

Welche Streitigkeiten sind vom Versicherungsschutz ausgenommen?

Grundsätzlich zahlt keine Versicherung für Konflikte, die schon vor dem Abschluss bestanden haben. Außerdem gibt es keine Unterstützung, wenn man vorsätzlich eine Straftat begangen hat. Der Bankraub ist also nicht abgesichert und der Ladendiebstahl auch nicht.

Es sind aber noch ein paar andere Gebiete ausgeschlossen. Klassisch betrifft das Scheidungen, außerdem alles, was mit Immobilien zu tun hat, insbesondere Planung, Bau oder Verkauf. Nach dem Platzen der Dotcom-Blase haben die Versicherer auch versucht, Kapitalmarktstreitigkeiten außen vor zu lassen. Interessant ist, dass auch Urheberrecht ausgeschlossen ist. Wenn man also eine Abmahnung wegen illegaler Downloads bekommt, hilft die Rechtsschutzpolice nicht weiter. Ist man unschuldig, hilft die Haftpflicht bei der Abwehr unberechtigter Ansprüche. Ansonsten muss man das Geld für den Anwalt selbst bezahlen.

Auf welche Extras sollte man sonst noch achten?

Wenn man Geldanlagen hat, sollte man darauf achten, dass Kapitalmarktthemen nicht ausgeschlossen sind. Außerdem sollten Steuer- und Verwaltungsgerichtssachen schon im vorgerichtlichen Widerspruchsverfahren abgedeckt sein, nicht erst dann, wenn es zu einer Klage kommt. Hilfreich ist auf jeden Fall ein Blick in die Allgemeinen Versicherungsbedingungen. Was versichert ist und was nicht, steht in den Paragrafen zwei und drei. Ab Paragraf 21 findet man dann die Leistungen des Tarifs im Detail.

Bei Finanztip haben wir auch aufgeschrieben, wie und wo man zu einem guten Tarif kommt. Ich empfehle auf jeden Fall, die Versicherung nicht in erster Linie nach dem Preis auszuwählen, sondern nach der Leistung. Wenn man schon in eine Rechtsschutzversicherung investieren will, sollte man die 200 Euro in die Hand nehmen und sich eine umfassende Deckung sichern.

Mit Hermann-Josef Tenhagen sprach Isabell Noé

Rechtsschutzversicherungen im Vergleich

Quelle: n-tv.de