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Parkwelt im Wandel Die Parkuhr ist smart geworden

So ist es richtig: Damit eine Parkscheibe gültig ist, darf der Zeiger nicht zwischen zwei Markierungsstreifen liegen. Sonst droht ein Bußgeld. Foto: Franziska Gabbert

So ist es richtig: Damit eine Parkscheibe gültig ist, darf der Zeiger nicht zwischen zwei Markierungsstreifen liegen. Sonst droht ein Bußgeld.

(Foto: dpa-tmn)

Wo früher der Parkgroschen fiel, ist heute mitunter schon das Smartphone gefragt. Denn in immer mehr Städten lassen sich Parkplätze inzwischen auch bargeldlos buchen und bezahlen.

Mit Spezialschlüssel und Geld-Staubsauger zogen die Ordnungsämter in den 1960er Jahren durch die Innenstädte, um die Parkuhren zu leeren. Seither hat sich in der Parkwelt einiges getan. Einzelparkuhren sind selten. Heute decken Parkscheinautomaten gleich größere Flächen ab. Dank der Vernetzung setzen sich zudem App-basierte Parkraumlösungen durch, bei denen der Autofahrer alles online regeln kann.

Die Mutter aller Parkautomaten aber ist die Münz-Parkuhr "Parkograph". "1954 wurde das erste Modell von Kienzle aufgestellt", sagt Stefan Forster von Hectronic, dem Nachfolgeunternehmen. Die erste Parkuhr PU 1 war dabei ein reiner Nachbau eines US-Modells und wurde mit 10 Pfennig gefüttert. Dafür konnten Autofahrer ihr Fahrzeug eine Stunde lang parken. Um die Zeituhr zu starten, mussten sie einen Knebel nach rechts drehen, mit dem der Mechanismus gestartet wurde.

In der Folge entwickelte Kienzle die Parkuhren weiter und verfeinerte die Technik. Bei den späteren, von Kienzle selbst entwickelten Modellen genügte es dann, einen Groschen einzuwerfen, um die Parkuhr zu starten. "Zudem konnte durch den Einwurf gleich mehrerer Münzen die Parkzeit erhöht werden." Das Aus für die klassische Einzelparkuhr kam vielerorts mit der Euro-Einführung. Weil die Münzumstellung teils kostspielige Anpassungen in den Uhren zur Folge hatte. Heute lohnen sich einzelne Parkuhren nur noch, wenn die Zahl der Parkplätze so gering ist, dass ein Parkscheinautomat zu teuer wäre.

2500 Parkscheinautomaten pro Jahr

Die meisten Parkplätze werden inzwischen mit Parkscheinautomaten abgedeckt. "Für Städte und Kommunen ist das die effektivste Möglichkeit, denn die Automaten können auf die jeweilige Parksituation genau zugeschnitten werden", sagt Forster. Dies gelte für die optionale Stromversorgung mit einem Solarpanel ebenso wie für die verschiedenen Bezahlmöglichkeiten. "Insgesamt werden in Deutschland pro Jahr etwa 2500 Parkscheinautomaten aufgestellt." Die Anforderungen an die Systeme sind hoch, denn die Apparate sind Ticketautomat, Bezahlterminal und Tresor in einem. Da die Automaten in der Regel im Freien stehen, müssen sie zudem robust sein, starke Temperaturschwankungen aushalten können und mitunter auch Einbruchversuchen standhalten.

Ein verstärkter Stahlunterbau sichere die Einnahmen gegen Einbruch und schütze vor Vandalismus. "Zudem gewährleisten selbstsichernde Geldwechselkassetten den sicheren Transport der Einnahmen", sagt Forster. Wenn gleichwohl vieles inzwischen mit Bankkarten bezahlt werde, sei der "Parkgroschen" nach wie vor am beliebtesten. "Die Münze hat sich seit der ersten Parkuhr bis heute bewährt. Später kamen dann regionale Prepaid-Karten wie Stadtkarten hinzu und seit Ende der 1990er Jahre auch vereinzelt EC-Karten." Die Mehrzahl der Parkscheinautomaten liefere Hectronic jedoch ohne Kreditkartenzahlung aus. Beliebter werde hingegen das kontaktlose NFC-Verfahren, das sowohl mit Karten und vielfach auch mit Smartphones möglich ist.

Deutschland bilde hier im europäischen Vergleich auch noch eine Ausnahme, sagt Forster. "In anderen Ländern sind die Münzen längst gänzlich aus den Parkautomaten verschwunden." Die Zukunft gehe in Richtung komplett digitalisierter und vernetzter Parkraumlösungen.

Wer seine Parkzeit überschreitet, riskiert von der ersten Minute an ein Bußgeld. Denn einen Toleranzbereich wie beim Tempolimit gibt es hier nicht. "Das ist zunächst einmal eine Ordnungswidrigkeit, die bei einer Überschreitung von bis zu 30 Minuten mit 10 Euro geahndet wird", sagt Tobias Goldkamp, Fachanwalt für Verkehrsrecht. Überziehe der Autofahrer um mehr als eine Stunde, dürfe das Ordnungsamt den Wagen auch abschleppen lassen. "Wenn ein Auto grundsätzlich falsch geparkt wird und beispielsweise andere Verkehrsteilnehmer behindert oder gefährdet, kann auch sofort abgeschleppt werden."

Gänzlich ohne Parkschein kommen Systeme wie ParkNow aus. Hier bezahlt der Autofahrer den Parkplatz über eine App, über die der Parkvorgang auch mit einem Fingerdruck gestartet und beendet wird. Der Vorteil liegt hier in der minutengenauen Abrechnung. Bezahlt wird dann am Monatsende per Bankeinzug. "An der speziellen Parkplakette hinter der Windschutzscheibe erkennt der Kontrolleur, dass dieses System genutzt wird", sagt Julia Frank von ParkNow. Der digitale Parkschein werde dann anhand des Kennzeichens überprüft. Voraussetzung jedoch ist, dass es für die Parkflächen eine Kooperation zwischen ParkNow und den Kommunen oder Parkhausbetreibern gibt. Die App zeigt dem Autofahrer auch den Weg zu diesen Parkzonen. Ob dort jedoch noch ein Platz frei ist oder nicht, kann nicht vorher abgefragt werden.

Das System erfasst die geparkte Zeit

Diese Möglichkeit jedoch werde es schon bald immer öfter geben, ist der Digitalisierungsberater Sven Kramer von der Firma Liquam überzeugt. "Immer mehr Parkplätze werden beispielsweise mit Bodensensoren ausgestattet, die erkennen, ob ein Fahrzeug auf der Fläche steht oder nicht." Eine weitere clevere Idee könnte mit Hilfe von Radarsensoren umgesetzt werden, die an erhöhten Punkten befestigt werden und somit freie Parkplätze über eine App kommunizieren.

Einen anderen Weg geht die Firma TomTom. Sie bietet mit On-Street-Parking in derzeit 75 Städten einen GPS-basierten Dienst an, der freie Parkplätze über das Navigationssystem anzeigt. Hierbei werde auf Basis der GPS-Daten errechnet, wie hoch die Wahrscheinlichkeit sei, am Zielort einen freien Parkplatz zu finden, erläutert Ralf-Peter Schäfer von TomTom. Der Anbieter will seinen neuen Dienst zukünftig noch mit Infos zu Parkgebühren und zu eventuellen Park-Einschränkungen ergänzen.

Ganz individuelle Parklösungen bieten Parkhäuser an. "Registrierte Kunden können dort einfach hereinfahren, parken und ohne lange am Kassenautomat stehen zu müssen wieder herausfahren", sagt eine Sprecherin des Parkhausbetreibers Apcoa. Das System erfasse die geparkte Zeit beispielsweise über einen Funk-Chip. Online sei dann genau einsehbar, wann und wo wie lange geparkt wurde.

Um etwa zu verhindern, dass einige kostenlose Parkplätze als Dauerparkplatz missverstanden werden, kann eine Parkscheibe verlangt werden. In der Regel ist die erlaubte Parkzeit hier auf zwei Stunden begrenzt. Wichtig ist dabei, eine zugelassene Parkscheibe zu nutzen. "Die Parkscheibe ist im Katalog der Verkehrszeichen enthalten, womit ihr Aussehen gesetzlich geregelt ist, einschließlich der blauen Farbe", sagt der Rechtsanwalt Tobias Goldkamp. Entsprechend ist auch ihre Größe mit 110 x 150 Millimeter festgelegt. Wenn das Ergebnis den gesetzlichen Vorgaben entspreche, könne sich jeder seine Parkscheibe sogar selber basteln. Auch elektronische Parkscheiben seien erlaubt, wenn sie eine entsprechende Typengenehmigung hätten. "Elektronische Parkscheiben müssen gegen Eingriffe gesichert sein. Verboten sind daher mitlaufende Modelle, bei denen die Ankunftszeit manipuliert werden kann", sagt Goldkamp.

Quelle: ntv.de, Claudius Lüder, dpa

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