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Schutz gegen Unwetter Elementarschutz gegen den Sturm

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Die Elementarschadenversicherung zahlt auch bei Schäden durch Starkregen, Überschwemmung, Rückstau oder Hochwasser.

(Foto: imago/7aktuell)

Wenn Unwetter schwere Schäden verursachen, kann das zur finanziellen Belastung werden. Denn: Hausrat ist in solchen Fällen nicht immer versichert. Für Schäden durch Naturereignisse ist ein besonderer Schutz nötig.

Stürme, Starkregen oder Hagel - immer wieder verursachen schwere Unwetter größere Schäden in Deutschland. Allein im Jahr 2016 entstanden nach vorläufigen Angaben des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) auf diese Weise Sachschäden in Gesamthöhe von zwei Milliarden Euro.

Welche Wucht Unwetterereignisse entwickeln können, lässt sich allein an den beiden Tiefs Elvira und Friederike ablesen. Sie sorgten nach Angaben des GDV Ende Mai und Anfang Juni 2016 mit Sturm und Starkregen für Schäden in Höhe von fast einer Milliarde Euro. Damit geht die Hälfte der von den Versicherern registrierten Schäden des vergangenen Jahres auf das Konto dieser beiden Tiefs.

Für Betroffene kann das schnell zur finanziellen Belastung werden. Denn durch von Starkregen verursachte Überschwemmungen entstehen laut Versicherungsverband an Einfamilienhäusern schnell Einzelschäden von 100.000 Euro und mehr. "Viele wissen gar nicht, dass sie immer und überall betroffen sein können", sagt GDV-Präsident Alexander Erdland. Das Problem: Verbraucher sind bei solchen Ereignissen nicht immer ausreichend versichert - selbst wenn sie eine Hausratversicherung abgeschlossen haben.

Hausratversicherung zahlt nicht für alles

Denn eine normale Hausratversicherung kommt für Schäden durch Leitungswasser, Feuer, Sturm, Einbruch oder Blitzschlag auf. Läuft aber beispielsweise der Keller nach starken Niederschlägen voll, greift der Schutz einer normalen Police für den dort gelagerten Hausrat nicht. Das gilt auch, wenn eine Lawine ein Dach beschädigt und das Mobiliar im Dachgeschoss kaputt geht.

"In solchen Fällen brauchen Sie eine Elementarschadenversicherung", erklärt Bianca Boss vom Bund der Versicherten in Henstedt-Ulzburg bei Hamburg. Nur diese Versicherung zahlt auch bei Schäden durch Starkregen, Überschwemmung, Rückstau oder Hochwasser. Selbst in seltenen Fällen von Erdsenkung, Erdbeben oder Vulkanausbrüchen springt die Versicherung dann ein. "Den zusätzlichen Schutz kann man in der Regel nur als Zusatzbaustein in Kombination mit einer Wohngebäude- oder einer Hausratversicherung abschließen."

Lohnen kann sich das zum Beispiel für Hausbesitzer, die ihren Keller auch als Wohn- oder Arbeitsraum nutzen. Auch in Gebieten, in denen regelmäßig viel Schnee fällt, ist dieser Zusatzbaustein sinnvoll. Denn nicht nur Schäden durch Lawinen werden von der Elementarschadenversicherung abgedeckt, sondern auch Schäden durch Schneedruck. "Wenn Sie aber im fünften Stock in einem Hochhaus wohnen, ist ein solcher Zusatzschutz nicht unbedingt nötig", sagt Elke Weidenbach, Versicherungsexpertin der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen.

Leistungen der Versicherer unterscheiden sich kaum

Wer Elementarschutz mit einer Hausratversicherung kombiniert, bekommt den Wiederbeschaffungspreis erstattet, wenn der Hausrat vollständig zerstört wurde, erklärt der GDV. Der Versicherer übernimmt dann auch Kosten, die für die Reparatur des beschädigten Inventars anfallen. "Allerdings muss es sich um ein Naturereignis handeln", betont Weidenbach. "Wenn sich zum Beispiel in einem Bergbaugebiet die Erde senkt, greift der Elementarschutz nicht ohne Weiteres."

Das Angebot ist breit: Mehr als 120 Versicherer bieten nach Angaben des GDV auf dem Versicherungsmarkt Naturgefahrendeckungen an. Der zusätzliche Schutz muss dabei nicht unbedingt teuer sein, wie die Stiftung Warentest ermittelt hat. So kostet ein Standardtarif in der günstigen Region München zwischen 34 und 56 Euro im Jahr. In der teuren Gegend Köln werden zwischen 96 und 127 Euro jährlich fällig. Mit Elementarschutz zahlen Versicherte in München zwischen 60 und 68 Euro jährlich, in Köln zwischen 123 und 169 Euro. Getestet wurden insgesamt 108 Hausratversicherungen.

"Die Leistungen der Versicherer unterscheiden sich kaum", sagt Boss. Doch die Beitragshöhe sowie die Selbstbeteiligung können stark variieren. Deshalb rät sie: "Lassen Sie sich immer mehrere Angebote zum Vergleich schicken." Wie viel Versicherte für den Schutz zahlen müssen, hängt auch von der Wohngegend ab - davon, in welcher Risikoklasse das Haus liegt.

"Die Versicherer haben ein System entwickelt, mit dem sie die Hochwassergefahr für Gebäude erkennen können", erklärt Weidenbach. Genannt wird dieses System ZÜRS Geo. Die hier gespeicherten Informationen helfen den Unternehmen bei der Kalkulation des Versicherungsbeitrags der Elementarschadenversicherung. In das System wurden insgesamt mehr als 21 Millionen Adressen eingespeist.

Je nachdem, wie hoch das Überschwemmungsrisiko ist, wird jede Adresse einer der vier Gefährdungsklassen zugeordnet. Versicherungsschutz soll es laut Angaben des GDV aber selbst für stark überschwemmungsgefährdete Gebäude geben. "Hier stellt sich allerdings die Frage, wie hoch dann der Beitrag ist", sagt Weidenbach.

Vor der Unterschrift unter einen Vertrag sollten Verbraucher in die Geschäftsbedingungen schauen. Denn der Versicherer kann den Schutz von Bedingungen abhängig machen. "Manche Unternehmen verlangen zum Beispiel, dass sie Rückstauklappen in ihr Abwassersystem einbauen", erklärt Verbraucherschützerin Weidenbach. "Damit soll verhindert werden, dass Wasser aus der Kanalisation von unten in die Häuser drückt." Fehlt die Klappe, geht der Kunde im Schadenfall unter Umständen leer aus.

Schäden durch einen Sturm sollten Hausbesitzer vorerst nur provisorisch beheben und zuvor eindeutig dokumentieren. Erst nach Absprache mit der Versicherung darf die eigentliche Reparatur starten. Sonst kann der Versicherungsschutz verloren gehen.

Zugleich müssen Versicherte aber die Schäden so gering wie möglich halten - und vor allem Folgeschäden vorbeugen. Man spricht hierbei von der Schadenminderungspflicht.

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Quelle: n-tv.de, Falk Zielke, dpa

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