Ratgeber

Steuererklärung lohnt sich Finanzamt sorgt für satte Rendite

Es gibt sie noch, die guten Zinsen: Sechs Prozent zahlt Vater Staat jenen, die ungebührlich lange auf eine Steuererstattung warten müssen. Davon können vor allem jene profitieren, die sich in den letzten Jahren vor der Steuererklärung gedrückt haben.

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Bei freiwilliger Veranlagung sind Steuererstattungen häufig.

(Foto: imago stock&people)

Beim Gedanken an sechs Prozent Zinsen bekommen Sparer feuchte Augen. Dass man mit sicheren Investments derartige Renditen erwirtschaften konnte, ist lange her. Es gibt einen zuverlässigen Schuldner, der solche Zinsen noch bezahlt: Der Fiskus. Lässt sich das Finanzamt mit der Bearbeitung der Steuererklärung zu lange Zeit, muss es Erstattungsszinsen überweisen.

Geld gibt es, wenn zwei Bedingungen erfüllt sind: Zum einen muss der Steuerbescheid natürlich positiv sein. Ohne Rückerstattung gibt es auch keine Zinsen. Zum anderen startet der Verzug 15 Monate nach Ablauf des Kalenderjahrs, für das die Steuererklärung gilt. Wer für die Steuererklärung 2013  noch keinen Bescheid bekommen hat, bekommt also Zinsen seit April 2015. Für die Steuererklärung für 2014 werden frühestens im April 2016 Verzugszinsen fällig. Ab dann fallen für jeden Monat ohne Steuerbescheid 0,5 Prozent Zinsen an – also sechs Prozent im Jahr. Einfordern muss man das Geld nicht, es wird automatisch mit der Rückerstattung überwiesen.

Wenn sich langes Zögern lohnt

Allzu große Hoffnung auf satte Renditen vom Fiskus sollte man aber nicht hegen - zumindest dann, wenn man pflichtveranlagt ist, also die Steuererklärung bis zu einem bestimmten Termin abgeben muss. Selbst in Stoßzeiten sind Steuererklärungen selten länger als zehn Wochen in Bearbeitung, wer das Elster-Verfahren nutzt, hat den Bescheid oft deutlich schneller. Gute Aussichten gibt es hingegen, wenn es Streit mit dem Finanzamt gibt und der Fall vor Gericht landet. Dann kann sich die Steuererstattung auch schon mal um mehrere Jahre verzögern – vorausgesetzt, man hat vorher erfolgreich die Aussetzung der Vollziehung beantragt. Gewinnt man den Fall, kann man sich über eine gut verzinste Rückerstattung freuen.

"Richtig interessant ist die Sache für alle, die keine Steuererklärung abgeben müssen“, sagt Christina Georgiadis, Sprecherin der Vereinigten Lohnsteuerhilfe (VLH). Freiwillig Veranlagte könnten nämlich bis zu vier Jahre rückwirkend die Steuererklärung einreichen. Auch dann würden 15 Monate nach Ablauf des Steuerjahres Zinsen auf die Rückerstattung gezahlt. Sprich: Wer jetzt erst seine Steuererklärung für 2011 abgegeben hat, bekommt die Zeit ab 1. April 2013 verzinst. Bei einer Rückzahlung von 700 Euro wären das in Summe fast 90 Euro extra.

Nachzahlungen werden teuer

Die Kehrseite der Medaille: Die Verzugszinsen sind keine einseitige Sache. Wer keine Rückzahlung erwartet, sondern Steuerschulden hat, wird ebenfalls mit sechs Prozent p.a. zur Kasse gebeten, wenn das Steuerjahr seit mehr als 15 Monaten abgelaufen ist. Dabei ist es übrigens egal, ob die Ursache der Verzögerung beim Steuerzahler oder beim Finanzamt liegt. Lässt sich das Amt mit dem Steuerbescheid bedenklich lange Zeit, hakt man besser nach. Im Extremfall kommt eine Untätigkeitsklage in Betracht. Falls man sich mit dem Fiskus um eine Steuernachzahlung streitet, überweist man die fragliche Summe besser erstmal, sonst könnte es teuer werden, wenn man den Fall verliert.

Mit dem Zinsen vom Finanzamt verhält es sich übrigens wie mit allen anderen Kapitaleinnahmen: Man muss sie versteuern. Sofern man den Sparerfreibetrag von 801 Euro (Verheiratete: 1602 Euro) nicht schon anderweitig ausgeschöpft hat, ist das kein Problem. Dann sollte man lediglich die Zinseinnahmen in der nächsten Steuererklärung in Anlage KAP eintragen. Versäumt man das, berechnet das Finanzamt automatisch 25 Prozent Abgeltungssteuer.

Ärgerlich: Wer selbst Verzugszinsen auf eine Nachzahlung berappen muss, kann sie bei der nächsten Steuererklärung nicht geltend machen. Das Bundesverfassungsgericht muss noch prüfen, ob diese Ungleichbehandlung rechtmäßig ist – sprich, ob die Zinseinnahmen besteuert werden können. Wer tatsächlich Abgeltungssteuer überwiesen hat, kann Einspruch gegen den Steuerbescheid einlegen und sich so eventuelle Ansprüche sichern. 

Quelle: ntv.de

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