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Tenhagens Tipps Haftpflichtpolice: 60 Euro reichen

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Schäden von weniger als 150 Euro bezahlt man laut Tenhagen besser selbst.

(Foto: imago stock&people)

Jeder braucht eine Haftpflichtversicherung, doch nicht jeder hat eine. Finanztip-Chef Tenhagen erklärt, was gute Policen kosten und welche Schäden man trotz Versicherung lieber selbst bezahlt.

Jeder braucht eine Haftpflichtversicherung, doch nicht jeder hat eine. Wie nützlich die Police ist, wird spätestens dann klar, wenn man den Generalschlüssel für die Firma verliert oder als Radfahrer einen Unfall verschuldet. Finanztip-Chef Tenhagen erklärt, worauf es ankommt. 

n-tv.de: Eine Haftpflichtversicherung braucht jeder, oder?

Hermann-Josef Tenhagen: Ja. Entweder als Einzelperson oder als Paar oder Familie. Paare müssen übrigens nicht verheiratet sein, da reicht es, den anderen namentlich in den Vertrag aufzunehmen, wenn man zusammenzieht.

Was zahlt die Haftpflichtversicherung alles?

Hermann-Josef Tenhagen ist Chefredakteur der unabhängigen Verbraucher-Webseite Finanztip.

Hermann-Josef Tenhagen ist Chefredakteur der unabhängigen Verbraucher-Webseite Finanztip.

Verkürzt gesagt: Alle Schäden, die man unabsichtlich oder grob fahrlässig verursacht und für die man haften muss. Klassisches Beispiel: Ein Blumentopf fällt vom Fensterbrett und trifft jemanden am Kopf. Oder: Ein Kind läuft unvermittelt auf die Straße und nötigt einen Lkw zur Vollbremsung, ein Bus rauscht hinten rein, ein paar Fahrgäste verletzen sich. Oder: Ein Radfahrer fährt versehentlich einen Fußgänger über den Haufen. Trägt dieser bleibende Schäden davon, bezahlt die Haftpflicht auch die. Oder: Ein Mitarbeiter verliert den Schlüssel seiner Firma, daraufhin muss die komplette Schließanlage erneuert werden.

Solche Schlüsselschäden übernimmt aber nicht jede Versicherung, oder?

Nein, das kommt auf den Tarif an. Auch sogenannte Gefälligkeitsschäden sind nicht immer inklusive. Wenn man zum Beispiel einem Freund beim Umzug hilft und dann den teuren Fernseher fallen lässt, ist das nur in den besseren Tarifen mit abgedeckt. Das Gleiche gilt für Schäden an Mietsachen. Bei Finanztip haben wir uns gerade Tarife mit besonders guten Konditionen angeschaut, viele haben eine sogenannte Best-Leistungs-Garantie. Für 60 bis 70 Euro bekommt man schon einen umfassenden Versicherungsschutz, wenn man eine kleine Selbstbeteiligung in Kauf nimmt. Das sind fünf oder sechs Euro im Monat, die einen ruhiger schlafen lassen.

Was hat es denn mit der Best-Leistungs-Garantie auf sich?

Bei der Best-Leistungs-Garantie zahlt die Versicherung, wenn der Kunde nachweisen kann, dass ein anderer Anbieter für den Schaden aufkommen würde. Da muss man aber auch aufs Kleingedruckte achten.

Wann zahlt die Haftpflicht denn grundsätzlich nicht?

Wenn ein Schaden mit Absicht verursacht wurde. Dafür ist man dann selbst verantwortlich. Außerdem zahlt die Versicherung natürlich nicht, wenn man rechtlich gar nicht haften muss. Kinder unter sieben Jahren sind zum Beispiel grundsätzlich nicht schuldfähig. Da können die Eltern nur zur Verantwortung gezogen werden, wenn sie ihre Aufsichtspflicht verletzt haben.

Unberechtigte Ansprüche versucht die Versicherung abzuwehren, notfalls auch auf dem Rechtsweg. Ein Beispiel: Angenommen, ein Mieter verliert seine Wohnungsschlüssel und der Vermieter lässt daraufhin die komplette Schließanlage des Hauses austauschen. Dann wird die Versicherung vermutlich skeptisch und verlangt Beweise, warum das nötig ist. Als Privatperson ist es natürlich schwieriger, sich solchen Ansprüchen entgegenzustellen, zumal wenn man keine Rechtsschutzversicherung hat.

Gibt es Haftpflichtversicherer, die Sie besonders empfehlen würden?

Wir haben einen Metatest gemacht, also andere Tests ausgewertet und auf bestimmte Klausel hin untersucht. Ganz vorne dabei war die Haftpflichtkasse Darmstadt, Familien mit Kindern zahlen hier 70 Euro. Die Interrisk XXL ist sogar ein Ticken besser, allerdings mit 129 Euro deutlich teurer. Für preisbewusste Singles empfehlen wir noch die Bayerische Prestige. Die Interrisk verlangt für diesen Vertrag keine Selbstbeteiligung, bei den anderen beiden liegt sie bei 125 beziehungsweise 150 Euro.

Sind Selbstbeteiligungen bei der Privathaftpflicht überhaupt sinnvoll?

Ja, die sollte man wahrnehmen. Die Versicherungen haben im Schadensfall nämlich ein Sonderkündigungsrecht. Und man will nicht unbedingt riskieren, wegen eines Schadens von 150 Euro gekündigt zu werden. Was man ja nicht sieht: Für die Versicherung bleibt es nicht bei den 150 Euro. Die ganze Abwicklung ist viel teurer, da kommen dann vielleicht nochmal 300 Euro zusammen. Das ergibt für die Versicherung nicht viel Sinn. Wenn sie den Eindruck hat, dass ein Kunde besonders schluffig ist, wird sie ihn wahrscheinlich früher oder später rauswerfen wollen. Kleinschäden bezahlt man deshalb besser aus eigener Tasche. Im Übrigen gilt die Regel: Niemals rauswerfen lassen, sondern im Zweifel lieber mit der Versicherung reden und selbst kündigen. Sonst wird es nämlich schwierig, eine Versicherung zu finden, die einen überhaupt noch nimmt. 

Mit Hermann-Josef Tenhagen sprach Isabell Noé

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Quelle: n-tv.de

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