Ratgeber
Tenhagen glaubt an die Bullen - langfristig.
Tenhagen glaubt an die Bullen - langfristig.(Foto: imago stock&people)
Mittwoch, 01. November 2017

Tenhagens Tipps: Jetzt noch bei Aktien einsteigen?

Es scheint, als gäbe es für die Aktienkurse nur noch einen Weg: nach oben. Und dies, obwohl es einiges in der Welt gibt, was Grund zur Sorge bereitet. Ob man den Börsen zum jetzigen Zeitpunkt besser fernbleibt oder doch noch bei Aktien zuschlagen sollte, erklärt Finanztip-Chef Tenhagen 

n-tv.de: Was spricht denn derzeit noch für ein Aktieninvestment?

Hermann-Josef Tenhagen: Das, was immer dafür spricht: dass man über einen langen Zeitraum mit Aktien eine sehr vernünftige Rendite erwirtschaften kann. Was mit vielen anderen Anlagen nicht möglich ist. Vor allen Dingen nicht mit Tages- oder Festgeld, die im Augenblick ja nun überhaupt keine Zinsen einbringen.

Und was dagegen – bei den jetzigen Höchstständen?

Hermann-Josef Tenhagen ist Chefredakteur der unabhängigen Verbraucher-Webseite Finanztip.
Hermann-Josef Tenhagen ist Chefredakteur der unabhängigen Verbraucher-Webseite Finanztip.

Wenn das Geld nur für zwei, drei oder vier Jahre angelegt werden soll, kann es natürlich sein, dass der Markt in dieser Zeit nach unten geht. Und dann kann es ein Problem sein, eine  Rendite zu erzielen oder aber,  überhaupt mein investiertes Kapital komplett wieder rauszubekommen.

Also noch einsteigen?

Ja, aber eben nur langfristig. Es sei denn, man ist Zocker. Aber über einen Zeitraum von 10 bis 15 Jahren sehe ich kein Problem. Auch nicht bei den derzeitigen Höchstständen. Wir haben uns das kürzlich bei Finanztip mal angeschaut. Hätte man im 2007 10.000 Euro in einem globalen Aktienfonds angelegt, wären daraus zum jetzigen Zeitpunkt 17.000 Euro geworden. Wer 2009 - bei deutlich niedrigeren Kursen – gekauft hat, kann sich heute über 27.000 Euro freuen.

Und wie sollte das Geld investiert werden?

Das einfachste und günstigste ist es, einen weltweit anlegenden Indexfonds (ETF) zu erwerben. Wem dort zu viele US-Werte stecken, der kann diesen auch mit einem ETF auf die europäischen Aktienmärkte kombinieren. Bei Finanztip haben wir eine Liste mit guten und preiswerten Fonds zusammengestellt. Sind die ETFs einmal im Depot, braucht man sich die nächsten 10, 15 Jahren nicht weiter darum zu kümmern, um sich dann irgendwann über eine schöne Rendite zu freuen. Hingeschaut werden muss eigentlich nur wieder dann, wenn absehbar ist, dass das Geld für andere Zwecke benötigt wird.

Physische oder replizierte Indexfonds?

Meine Kollegen, Wissenschaftler, Tester und Experten sagen, ist egal. Ich würde physische Produkte bevorzugen.

Würde? Besitzen Sie selbst keine?

Ich selbst habe zwar ETFs, allerdings nur in sehr geringem Umfang - zum Testen. Mehr geht gerade nicht, da ich noch eine große Baufinanzierung zu Ende bringen muss. Und am rentabelsten ist es in aller Regel zunächst einmal, seine Schulden loszuwerden.

Und zur Depotabsicherung: Festgeld oder Rentenfonds?

Ich plädiere ja für Festgeld. Viele der Rentenfonds haben Anleihen mit sehr langen Laufzeiten im Bestand. Denn nur hier gibt es überhaupt (mickrige) Zinsen. Steigen die Zinsen am Markt, sinken die Kurse der Fonds, da sich Anleger mit attraktiveren Papieren eindecken und die Anleihen im Bestand nicht mehr mithalten können. Das heißt, hier lauern Verluste. Insofern ist es in Zeiten wie diesen nicht angeraten, Rentenfonds zu kaufen.

Mit Hermann-Josef Tenhagen sprach Axel Witte

Quelle: n-tv.de

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