Ratgeber

Radler ohne Helm verletzt Keine Mitschuld bei "oben ohne"

3cbp5335.jpg790074474669713935.jpg

Noch gibt es keine Helmpflicht für Radler ...

(Foto: dpa)

Eine bei einem Unfall verletzte Radlerin hat Anspruch auf Schmerzensgeld und Schadensersatz wegen einer Kopfverletzung - obwohl sie keinen Helm trug. Denn wer diesen nicht trägt, verstößt nicht gegen geltendes Recht, sondern nimmt freiwillig ein größeres Risiko auf sich.

Müssen Radfahrer mithaften, wenn sie bei einem unverschuldeten Unfall ohne Fahrradhelm unterwegs waren? Darüber sind Gerichte sich bisweilen uneins. Das Oberlandesgericht Nürnberg (OLG) hat ein radlerfreundliches Urteil getroffen und orientierte sich dabei an einem bereits im Jahr 2014 ergangenes BGH-Urteil.

In dem Prozess ging es um die Frage, ob der Helmverzicht im Falle eines Unfalls Folgen für den Schadensersatz hat, wie wie Steuertipps.de berichtet. Die Schuldfrage war eindeutig. Ein Autofahrer hatte einer Radlerin trotz bester Sicht tagsüber im Bereich einer Kreuzung die Vorfahrt genommen. Strittig war nur die Höhe des Schadensersatzes für die Radfahrerin, die gestürzt war und dabei schwere Kopfverletzungen erlitten hatte. Die Versicherung des Autofahrers war der Meinung, dass die Verletzungen deshalb so schwerwiegend ausgefallen seien, weil die Verunglückte keinen Helm getragen hatte. Sie habe deshalb zwar nicht am Unfall, jedoch an dessen Folgen eine Mitschuld, deshalb müsse der Schadensersatz entsprechend gekürzt werden.

Nichttragen eines Helms begründet kein Mitverschulden

Das OLG wies die Forderung der Versicherung jedoch genau wie die Vorinstanz zurück. Es verwies zum einen darauf, dass ein solcher Ansatz dazu führen würde, dass "bei jeder Tätigkeit mit ähnlichem oder höherem Kopfverletzungsrisiko ein Mitverschulden bejaht werden (müsste), wenn der durch einen Sturz Geschädigte keinen Helm getragen hätte. Dies würde dann beispielsweise auch für das Besteigen von Haushaltsleitern gelten". Denn derzeit gelte noch immer: "Zumindest im Alltagsradverkehr begründet das Nichttragen eines Helms nach wie vor kein Mitverschulden des verletzten Radfahrers". Der Radlerin wurde infolgedessen ein Schmerzensgeld in Höhe von 20.000 Euro zugesprochen.

Mehr zum Thema

Ändern könnte sich dies erst, wenn sich das allgemeine Verkehrsbewusstsein dahin gehend ändere, dass "das Tragen eines Helms beim Fahrradfahren zum eigenen Schutz erforderlich ist". Sprich, der Helm beim Radfahren Pflicht wird. Das OLG verwies in diesem Zusammenhang auf eigene Erhebungen, nach denen zuletzt in der Nürnberger Innenstadt lediglich 21,46 Prozent der Radfahrer einen Helm getragen hätten.

"Etwas anderes mag für bestimmte Formen des sogenannten sportlichen Radfahrens gelten, die mit erheblich gesteigertem (Kopf-)Verletzungsrisiko verbunden sind, etwa beim Rennradfahren mit tiefer Kopfhaltung und Fixierung der Schuhe an den Pedalen oder beim Mountainbike-Fahren im freien Gelände", so das Gericht weiter.

Quelle: ntv.de, awi

ntv.de Dienste
Software
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.