Ratgeber

Teure Scheidung Muss der Lottogewinn geteilt werden?

Pech in der Liebe, Glück im Spiel: Wer sich scheiden lassen möchte, muss zuvor das Trennungsjahr abwarten. Klopft in dieser Zeit bei einem der nunmehr getrennt lebenden Eheleuten das Glück in Form eines Lottogewinns an, ist die Sache klar, oder?

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Hoffentlich nicht zu früh gefreut.

Die Liebe kommt, die Liebe geht. Und selbst wenn sie gegangen ist, haben die nun getrennten Eheleute nicht selten noch etwas länger etwas von der einstigen Verbindung - etwa in Form von Kindern, Unterhaltszahlungen oder, bei einer geplanten Scheidung, einen Zugewinnausgleich.

Dieser ist immer dann beim Scheitern einer Ehe angezeigt, wenn nichts anderes vertraglich vereinbart wurde und damit die Ehepartner im Güterstand der Zugewinngemeinschaft leben - was bei rund 95 Prozent aller Ehen der Fall ist. Zudem muss überhaupt Vermögen vorhanden sein.

Der Zugewinn ist der Unterschied zwischen dem Vermögen bei der Heirat und bei der Scheidung. Dieser wird am Ende der Ehe für jeden Partner einzeln ermittelt und dann gegeneinander gerechnet. Derjenige, der weniger erwirtschaftet hat, erhält vom anderen die Differenz. 

Doch bevor es so weit ist, müssen scheidungswillige Eheleute zunächst das Trennungsjahr hinter sich bringen. Nunmehr getrennt von Bett und Tisch, soll jeder für sich überprüfen, ob die Ehegemeinschaft wirklich gescheitert ist.

Doch auch wenn sich mancher Ex-Partner währenddessen schon frei und ungebunden fühlt: Er oder sie ist es nicht. Rechtlich gesehen besteht die Ehe auch während des Trennungsjahres fort. Gewinnt einer der Eheleute in dieser Zeit im Lotto, zählt der Gewinn zum innerhalb der Ehe erzielten Vermögen und unterliegt somit auch dem Zugewinnausgleich. Dies hat der Bundesgerichtshof höchstrichterlich entschieden (Az.: XII ZB277/12).

Im Gegensatz zu Erbschaften oder Schenkungen. Diese werden auf eine persönlichen Beziehung des Erben beziehungsweise des Beschenkten mit den entsprechenden Personen zurückgeführt, so dass diese Werte nicht dem Zugewinn zugeordnet werden.  

Allerdings ist der Zugewinnausgleich nicht zwingend. Den entliebten Eheleuten steht es grundsätzlich vollkommen frei, wie sie die erwirtschafteten Güter bei einer Scheidung verteilen. Erst bei einem Streit über die Aufteilung der Vermögenswerte wird der Zugewinnausgleich juristisch vollzogen. 

Wer zu Beginn seiner Ehe hingegen Gütertrennung vereinbart hat, kann sich während dieser ohne Wenn und Aber an seinem Lottogewinn allein erfreuen, auch ohne auf das Wohlwollen des Ex-Partners angewiesen zu sein. 

Aber auch wer sich trotz jahrelanger Trennung und möglicher Gütertrennung nicht scheiden lassen möchte, sollte beachten, dass der Fortbestand der Ehe mit Konsequenzen verbunden sein kann - Stichwort Erbrecht und Unterhalt.   

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Quelle: ntv.de