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Gleitgele bei Öko-Test Nicht mit allen flutscht es sauber

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Wenn Sex zur trockenen Angelegenheit wird, kann das pyschische, aber auch hormonelle Ursachen haben. Gleitmittel helfen.

(Foto: imago/Westend61)

Sex wird keine trockene Angelegenheit, wenn man mit Gleitgel nachhilft. Ein Produkt, das auf sensiblen Schleimhäuten verwendet wird, sollte natürlich frei sein von bedenklichen Inhaltsstoffen. Die meisten sind das auch - aber eben längst nicht alle.

Es gibt Gleitmittel, die nach Erbeer-, Bananen- oder Vanillearoma schmecken, es gibt welche, die ihre Temperatur wechseln und andere, die beim Kinderkriegen helfen sollen. Vor allem sollen die Schmiermittel aber dafür sorgen, dass bei den verschiedenen Spielarten des Geschlechtsverkehrs alles geschmeidig bleibt. Viele versprechen, das ohne Schadstoffe und Parfums zu tun. Das Verbrauchermagazin "Öko-Test" wollte wissen, ob das stimmt, und hat 20 Produkte – vom Klassiker bis hin zum Kinderwunsch-Gleitgel – ins Testlabor geschickt. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Fast drei Viertel der Kandidaten schnitten "gut" oder "sehr gut" ab.

Die Anwendung blieb im Test allerdings außen vor. Ob ein Gel ausdauerndes Liebesspiel ermöglicht oder schon nach wenigen Minuten verdunstet ist, prüfte "Öko-Test" nicht. Auch Textur und Konsistenz spielten keine Rolle. Der Fokus lag ganz auf den Inhaltsstoffen. Und die waren bei den meisten wasserbasierten Gels unbedenklich.

Auch teure Kandidaten mit patzen

Doch natürlich gab es Ausnahmen. Vier Produkte wurden abgewertet, weil sie PEG-Derivate enthalten. Sie können die Haut durchlässiger machen. In Salben kann das sinnvoll sein, bei Gleitmittel weniger. Gerade an den empfindlichen Schleimhäuten müsse das nicht sein, findet "Öko-Test". Auffällig wurden übrigens gerade teurere Produkte, etwa von Dr. Wolff oder das Durex K-Y Jelly.

Kaum ein Gleitmittel kommt ohne Konservierungsmittel aus. Das ist okay, schließlich will man die Produkte auch nach ein paar Wochen noch verwenden können. Doch nicht alle der eingesetzten Stoffe waren unbedenklich. Im Prefert Vaginal Gel, das die Empfängnis begünstigen soll, fand Öko-Test geringe Mengen Polyhexamed. Das ist in Kosmetika und Medizinprodukten zwar erlaubt, wird von der EU aber als Gefahrstoff eingestuft. Das teure Kinderwundsch-Gel fiel im Test deshalb durch. "Daumen runter" auch für Flutschi Professional von Orion. Hier tauchte Methylisothiazolion auf. In Kosmetik, die auf der Haut bleibt, ist das verboten, doch Flutschi ist ein Medizinprodukt.

Das Orion-Gel ist zwar auf Wasserbasis, enthält aber Silikon. Auch das bewertete "Öko-Test" negativ, denn Silikon kann das Gleichwicht der Haut stören. Deshalb sollte es nur eingesetzt werden, wenn es wirklich nötig ist, finden die Tester. Das kann zum Beispiel bei speziellen Lubrikaten für Analverkehr der Fall sein. Hier sorgt Silikon dafür, dass es besonders leicht und lange flutscht. Auch das Kinderwunsch Gleitgel von Ritex schnitt schlechter ab, weil es Silikon verwendet.

Normale Gels sind Spermienkiller

Mit einem Preis von rund 23 Euro pro 50 Milliliter war das Ritex-Gel schon sehr teuer, aber immer noch ein Schnäppchen, verglichen mit dem Prefert Vaginal Gel für über 50 Euro. Paare zahlen den hohen Preis, weil sie sich bessere Chancen auf eine Schwangerschaft ausrechnen. Zurecht? Zumindest schmälern sie ihre Aussichten nicht, so wie mit vielen anderen Gelen. Meist haben diese einen ziemlich sauren pH-Wert und schaden so den Spermien. "Öko-Test" berichtet von Untersuchungen, wonach selbst kleinste Mengen Gleitgel die Spermienbeweglichkeit erheblich einschränken.

Bei den Kinderwunsch-Gels ist der pH-Wert auf den der fruchtbaren Tage abgestimmt. Das macht die Spermien zwar nicht schneller, aber eben auch nicht langsamer. Und damit ist schonmal viel gewonnen. Dass die Spezialgele ihr Versprechen erfüllen und aktiv beim Schwangerwerden helfen, ist aber eine recht gewagte Behauptung.

Alle, denen Fertilitätsfragen egal sind, finden in der Drogerie oder im Fachhandel eine ganze Reihe von unbedenklichen und empfehlenswerten Produkten für wenig Geld. Das billigste unter den "sehr guten" im Test war das Preventivo-Geld von Rossmann. Für 50 Milliliter zahlt man 1,50. Günstig und ebenfalls "sehr gut" waren unter anderem auch Condomi Lu:b (2 Euro/50 ml), Billy Boy White (2,25 Euro/50 ml) oder Fromms FF (1,50/50 ml). Ein immerhin "gutes" Produkt auf Silikonbasis war Original Bodyglide von Pjur.

Tut's denn nicht auch einfach Vaseline? Nein, zumindest nicht, wenn ein Kondom zum Einsatz kommt. Fett greift Latex an und ein sicherer Schutz ist damit nicht mehr gewährleistet.

Quelle: n-tv.de, ino

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