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Kontaktverbot zum Enkelkind Oma kann Umgangsrecht notfalls einklagen

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Ein gutes Verhältnis zu den Großeltern beeinflusst Kinder positiv in ihrer Entwicklung.

(Foto: www.imago-images.de)

Eine Scheidung oder ein schlechtes Verhältnis zu den Kindern kann dazu führen, dass Großeltern den Kontakt zu den Enkelkindern verlieren. Doch Oma und Opa müssen sich den Eltern nicht unterordnen. Ihnen steht in vielen Fällen ein Umgangsrecht mit den Enkeln zu.

Lassen sich die Eltern scheiden, ist das für die Kinder schon belastend genug. Da wollen sie nicht auch noch den Kontakt zu den Großeltern verlieren. Leider ist dies häufig der Fall, wenn Mutter und Vater plötzlich komplett getrennte Wege gehen. Ebenso kann ein Familienstreit ungeahnte Ausmaße annehmen. Plötzlich sind dann die gemeinsamen Spieleabende mit der Oma Geschichte. Das müssen Großeltern jedoch nicht ohne Weiteres hinnehmen.

Damit Kinder und deren Großeltern in solchen Fällen nicht den Verboten der Eltern ausgeliefert sind, gibt es seit 1998 in Deutschland ein Umgangsrecht für Großeltern. Demnach haben sie einen Anspruch darauf, ihre Enkelkinder zu sehen. Dies ist jedoch nur dann der Fall, wenn zu diesen ein harmonisches, liebevolles Verhältnis existiert und anzunehmen ist, dass der Kontakt dem Kindeswohl dient.

Das Gesetz geht davon aus, dass ein gutes Verhältnis zu den Großeltern die Entwicklung der Kinder positiv beeinflusst. Ein Kontaktverbot seitens der Eltern ohne jeglichen Grund ist daher nicht gestattet. Das Umgangsrecht gilt auch, wenn die Großeltern im Ausland leben. Jedoch stellt sich die Umsetzung häufig komplizierter dar. Wie oft und wie lange Großeltern ihre Enkelkinder sehen dürfen, ist allerdings nicht gesetzlich geregelt. Ein Kammergericht in Berlin hielt fünf Stunden im Monat für eine angemessene Umgangszeit.

Notfalls zum Familiengericht

Beide Parteien sollten sich um eine außergerichtliche Einigung bemühen. Es stellt für die Kinder eine große Belastung dar und kann zu Entwicklungsstörungen führen, wenn sie in die Streitigkeiten mit hineingezogen werden. Um friedlich eine Lösung zu finden, kann auch das Jugendamt um Mithilfe gebeten werden. Können sich Eltern und Großeltern absolut nicht einigen, steht der Weg zum Gericht offen.

Manchmal entscheiden Richter auch gegen die Großeltern. Dies ist dann der Fall, wenn ein Umgang mit den Enkelkindern dem Kindeswohl nicht dienlich wäre. Auch bei einem komplett zerrütteten Familienverhältnis wäre es für das Kind eine zu große Zumutung, ständig in einem Loyalitätskonflikt zu stecken und den Streitigkeiten der Erwachsenen ausgesetzt zu sein. Ebenso entscheiden Gerichte gegen ein Umgangsrecht der Großeltern, wenn diese den Erziehungsvorrang der Eltern missachten. "Nach diesen Grundsätzen hat der Bundesgerichtshof (BGH) in einer aktuellen Entscheidung (vom 12.07.2017 – Az. XII ZB 350/16) einen Umgang mit den Großeltern als nicht kindeswohldienlich angesehen, wenn diese die Erziehungskompetenz der Eltern dadurch infrage stellen, dass sie gegenüber dem Jugendamt die Eltern der seelischen Misshandlung der Kinder bezichtigen", erklärt der Präsident des Oberlandesgerichts Dresden Gilbert Häfner gegenüber dem MDR.

Quelle: n-tv.de, imi

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