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Wenn es kracht und scheppert Rechte nach Unfall durchsetzen

Statistisch gesehen gibt es in Deutschland über 6300 Verkehrsunfälle pro Tag. Der größte Teil davon geht ohne größere Personenschäden aus. Dafür wird hinterher umso heftiger gestritten, wer schuld und wie hoch der entstandene Schaden ist. Die Versicherer versuchen oft, die Schadensumme zu drücken.

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Nach einem Unfall geht oft der Ärger mit der Versicherung los. Da ist es gut, seine Rechte zu kennen.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

3657 Menschen sind nach Angaben des Statistischen Bundesamtes in vergangenen Jahr in Deutschland in Folge eines Verkehrsunfalls gestorben. Das sind weniger als je zuvor seit Beginn der Erfassung im Jahr 1950. Der Höhepunkt lag in den 1970er Jahren mit jährlich über 20.000 Verkehrstoten.

Das bedeutet allerdings nicht zwangsläufig, dass es immer weniger Verkehrsunfälle gibt. Die Zahl der polizeilich erfassten Unfälle ist im gleichen Zeitraum sogar stark gestiegen – von 260.761 im Jahr 1950 auf über 2,3 Millionen im Jahr 2009. Sachschäden kommen wesentlich häufiger vor. Nur bei rund jedem siebten Unfall werden Menschen verletzt.

Versicherungsbetrug in Milliardenhöhe

Gegen das Alltagsrisiko jedes Autofahrers schützt die Kfz-Versicherung. Die Haftpflicht-Versicherung muss für jedes Fahrzeug abgeschlossen werden. Sie ersetzt den Schaden des Unfallgegners, wenn dieser unschuldig ist oder begleicht einen Teil des Schadens, falls eine Teilschuld festgestellt wird. Allerdings sind hier auch viele Betrüger unterwegs. Nach Schätzungen des Gesamtverbands Deutscher Versicherer (GDV) wird bei jedem zehnten Unfall geschummelt. Dabei werden die Unfallfolgen so manipuliert, dass der Schaden höher ist oder es werden sogar bewusst Verkehrsunfälle provoziert.

Der GDV geht für die deutsche Versicherungswirtschaft auf Grund dieser Betrügereien von einem jährlichen Schaden in Milliardenhöhe aus. Da verwundert es kaum, dass die Versicherer teilweise mit harten Bandagen kämpfen, worunter auch die ehrlichen Versicherungskunden zu leiden haben.

Lange Wartezeiten auf Entschädigung

Viele Geschädigte müssen wochenlang auf die Zahlung der Versicherung warten. Diese müssen laut Verkehrsrechtlern einen Anspruch innerhalb von vier bis sechs Wochen prüfen. Bis zu neun Wochen darf sich ein Versicherer Zeit nehmen, wenn Ermittlungsakten der Polizei angefordert werden.

Außerdem versuchen die Versicherungsgesellschaften Einfluss zu nehmen, um die Schadenshöhe zu minimieren. Anders als bei bestimmten Versicherungstarifen in der Vollkaskoversicherung muss sich ein Geschädigter keine Werkstatt vorschreiben lassen und darf auch den Gutachter selbst bestimmen, wenn ein Gutachten verlangt wird. Das ist in der Regel dann der Fall, wenn die Werkstatt nach Erstellung des Kostenvoranschlags einen Schaden über 1800 Euro feststellt und der Unfallhergang nicht völlig klar ist. Sollte dies der Fall sein, muss der Geschädigte unbedingt das Gutachten abwarten. Lässt er das Fahrzeug vorher reparieren, könnte er auf einem Teil der Kosten sitzen bleiben.

Unfallhergang schriftlich festhalten

Wenn es kracht, ist nach der Versorgung der Verletzten der Austausch der persönlichen Daten oberstes Gebot. Um nichts zu vergessen, sollte man immer Vordrucke eines Verkehrsunfallberichts im Auto deponieren, die beispielsweise der AvD kostenlos zum Download anbietet. Mit Hilfe des Unfallberichts wird auch der Unfallhergang relativ ausführlich dokumentiert. Dieser stellt allerdings keine Anerkennung der Haftung dar. Bricht Streit über den Unfallhergang aus, sollte die Polizei eingeschaltet werden. Fotos vor der Räumung der Unfallstelle können ebenfalls hilfreich sein.

Während der Reparatur in der Werkstatt hat der Geschädigte Anspruch auf ein Ersatzfahrzeug. Dieses darf allerdings nicht unter dem Aspekt gewählt werden, "die Zeche zahlt die Versicherung", sondern muss der Fahrzeugklasse des eigenen Fahrzeugs entsprechen. Zudem muss der Geschädigte auch hier bei der Wahl des Autovermieters wirtschaftliche Vernunft walten lassen und darf keine überteuerten Angebote akzeptieren. Verzichtet der Geschädigte auf einen Ersatzwagen, steht ihm eine finanzielle Entschädigung für jeden Ausfalltag zu.

Geld statt Reparatur

Diese entfällt, wenn sich der Geschädigte dazu entschließt, den Wagen nicht reparieren zu lassen und sich die festgestellte Schadenssumme auszahlen zu lassen. Manch einer nimmt lieber das Geld und verzichtet auf den teuren Austausch einer lackierten Stoßstange oder das Ausbeulen und Lackieren einer kleinen Delle. In diesem Fall kürzt der Versicherer die Entschädigungssumme allerdings um die im Gutachten oder Kostenvoranschlag enthaltene Mehrwertsteuer. Wer den Schaden also nachträglich doch von einer anderen Werkstatt beseitigen lassen will, muss daran denken, dass er dort über 19 Prozent günstiger wegkommen muss, um nicht draufzulegen.

Egal ob das Auto repariert wird oder nicht – der Geschädigte hat darüber hinaus Anspruch auf eine Wertminderungszahlung, da ein Verkauf eines "Unfallwagens" mit finanziellen Einbußen verbunden ist. Auch die Kosten für den Gutachter muss der Versicherer zahlen, wenn dieser ein Gutachten verlangt hat.

Schmerzensgeld und Schadensersatz

Außerdem muss die Versicherung auch Schmerzensgeld zahlen, wenn dem Geschädigten ein körperlicher Schaden entstanden ist. Häufig kommt es bei einem Unfall zu einem Schleudertrauma. Kopf- und Nackenschmerzen sowie eingeschränkte Beweglichkeit der Halswirbelsäule sind hierbei typische Krankheitssymptome. Oft treten die Schmerzen erst am Tag nach dem Unfall auf. Spätestens dann muss ein Arzt aufgesucht werden, um Ansprüche geltend machen zu können. Je schwerer die Verletzung, desto höher fällt das Schmerzensgeld aus. Gerichte haben Geschädigten in solchen Fällen in der Vergangenheit Entschädigungen zwischen 150 und 725 Euro zugesprochen. Abfindungserklärungen, die die Versicherer zur Verfahrensvereinfachung bei Schmerzensgeldansprüchen anbieten, sollte man lieber nicht unterschreiben, da man den Versicherer von eventuell später auftretenden Schäden freistellt.

Darüber hinaus steht Geschädigten noch eine Kostenpauschale in Höhe von 25 Euro zu. Die Pauschale soll die Kosten decken, die für den Schriftverkehr, Telefonate und sonstige Aufwendung in Zusammenhang mit der Schadensbeseitigung stehen.

In selteneren Fällen kommt auch eine Entschädigung des Verdienstausfalls in Betracht. Bei unselbständiger Beschäftigung ist dies nur bei besonders schweren Unfällen der Fall, wenn der Geschädigte nach Ende der sechswöchigen Lohnfortzahlung seinen Beruf noch nicht oder nicht voll ausüben kann. Bei Selbständigen greift der Anspruch sofort, wenn ein entsprechender Schaden nachweisbar ist. Die Schadensbezifferung setzt den Nachweis konkret entgangener Geschäfte oder eine Gewinnminderung voraus. Auch die Kosten einer durch den Unfall bedingt eingestellten Ersatzkraft kommen hier in Betracht.

Anwalt einschalten

Kommt es zum Streit mit dem Versicherer, weil dieser die Unfallkosten nicht oder nur teilweise übernehmen will, kann es sinnvoll sein, einen Anwalt einzuschalten. Auf der sicheren Seite ist, wer eine Verkehrsrechtsschutzversicherung abgeschlossen hat. Damit ist relativ sicher, dass man nicht auf den Anwaltskosten sitzen bleibt.

Erzielt der Anwalt die vollständige Schadensregulierung mit dem Versicherer, muss dieser auch die Anwaltskosten übernehmen. Bleibt der Anwalt allerdings erfolglos und eine Rechtsschutzversicherung existiert nicht, muss der Geschädigte die Anwaltskosten selbst tragen.

Vergleichsrechner – Kfz-Versicherung

Quelle: n-tv.de

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