Ratgeber

Zwei Tasten für den Laptop So kommen Geldgeschenke gut an

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Konfirmationsunterricht nur des Geldes wegen?

(Foto: imago stock&people)

Wer Konfirmanden, Firmlinge oder Jugendweihlinge zu beschenken hat, kommt oft ins Grübeln: Was ist das passende Geschenk? Dabei ist Bargeld zu Unrecht verschrien, meinen Experten - aber das Besondere sei meist eh etwas anderes.

Einfach nur Bargeld als Geschenk zur Konfirmation? Inge Rümmele war lange dagegen. "Aber meine zwei erwachsenen Söhne haben mich eines anderen belehrt und ich habe meine Meinung völlig revidiert", sagt die Ratgeber-Autorin aus Crailsheim. "Ich habe mich an meine eigene Konfirmation erinnert und wusste, dass ich 20 Taschentücher gekriegt habe, die ich nicht brauchte, und Sammeltassen und all so Zeug."

Über das richtige Geschenk rätseln in jedem Frühjahr viele Menschen, wenn im Familien- und Freundeskreis Anlässe wie Kommunion, Firmung, Jugendweihe oder eben Konfirmation anstehen. Über Geld freuen sich wohl alle Jugendlichen - doch mancher Schenkende fragt sich: Ist das sinnvoll? Oder vermittele ich damit vielleicht sogar das Falsche?

"Dass ich denjenigen lieb habe und er mir wertvoll ist, das ist für mich die wichtigste Nachricht bei der ganzen Schenkerei", sagt Konfirmations-Expertin Rümmele. Denn schon lange geht es nicht mehr um die Tradition, die sie selbst noch erlebt hat: den jungen Leuten praktische Dinge als Aussteuer mitzugeben, da sie bald danach bereits ihren Dienst oder ihre Lehre antraten und auszogen.

In Lebenswelt hineinversetzen

Heute sollen die Geschenke auf eine andere Art zum Heranwachsen beitragen: Wenn Konfirmanden oder Weihlinge sich langgehegte Wünsche wie Reisen, Laptop, Smartphone oder Fahrrad erfüllen könnten, sei auch das ein wichtiger Teil des Erwachsenwerdens. "Wenn ich da mit meinen 10, 50 oder 200 Euro einen Beitrag leisten kann, dann finde ich das super und ein ganz wertvolles Geschenk", sagt Rümmele.

"Als Schenkender ist es gut, sich ein bisschen in die Lebenswelt dieser jungen Leute hineinzuversetzen", ergänzt die Freiburger Knigge-Expertin Elisabeth Bonneau. Ihr schenkte damals ein Onkel silberne Kuchengabeln mit eingraviertem Monogramm. "Das fand ich schon Mitte der 60er-Jahre nicht prickelnd."

Wer sich nicht auskennt, könne sich bei den Eltern erkundigen, was der Nachwuchs braucht. Denn auch Geldgeschenke sollten laut Bonneau nicht einfach zusammenhangslos in einer Glückwunschkarte überreicht werden. Sie empfiehlt, zu erklären, warum man das Geld schenkt - das Geld in Worte einzupacken, wie man ein Geschenk in Papier einpackt.

Etwa so: "Ich weiß, du sparst auf einen Laptop - hier zwei Tasten dazu". So könne der Jugendliche sich später gezielt bedanken. Oder: "Ich weiß, du willst in zwei Jahren per Interrail durch Europa, hier schon mal ein kleiner Grundstock dafür". Dann müsse der Benimm-Expertin zufolge aber auch später aus Paris oder Bratislava eine Karte kommen - oder wenigstens ein Foto per Mail.

Elterliche Beratung und Vertrauen

Den Jugendlichen etwas Freiraum zu geben, sei aber auch wichtig, gibt Anja Gladkich vom Verein Jugendweihe Berlin/Brandenburg zu bedenken. "Das Geschenk soll aussagen: Du wirst jetzt groß und wir trauen dir mehr Verantwortung zu", meint sie. Es sei oft das erste Mal, dass Jugendliche in dem Alter über eine größere Summe verfügen könnten.

Elterliche Beratung sei da ebenso wichtig wie ein gewisses Maß an Vertrauen, meint Gladkich. "Dass man sagt: Du kannst dir einen Traum erfüllen, ohne dass jemand sagt, ob das sinnvoll ist oder nicht - das impliziert Respekt für den Jugendlichen."

Über eines sind sich alle drei Expertinnen einig: Entscheidend ist die Kommunikation vorab. So können sich etwa die Kinder mit den Eltern zusammensetzen und über die Wünsche sprechen. Für die Jugendlichen ist das eine gute Gelegenheit, ihre Interessen zu äußern, damit Eltern nachher andere Familienmitglieder beraten können. Aber für die Familien könnte es auch eine Chance sein, über mögliche finanzielle Grenzen zu sprechen.

In Familien, die knapp bei Kasse sind, sei schon die Feier selbst etwa das Geschenk, zu dem alle zusammenlegen, sagt Gladkich. Oft nennen viele Jugendliche ohnehin im Nachhinein als das schönste Geschenk, im Mittelpunkt gestanden und von allen gefeiert worden zu sein.

Gerade die digitalen Medien eröffneten kreative Möglichkeiten für wenig Geld: Powerpoint-Präsentationen oder Fotobücher mit Familienbildern etwa. Eine Mutter habe ihr Schwangerschaftstagebuch abgetippt, als Buch gestaltet und ihrem Kind geschenkt, berichtet Gladkich. "Diese Dinge, die gar nicht so geldintensiv sind, sind oft das wirklich Besondere und Einzigartige."

Inge Rümmele erinnert sich auch an die Konfirmation ihrer mittlerweile erwachsenen Nichten: Sie besuchten zusammen eine Veranstaltung, die sich die Mädchen gewünscht hatten. "Da sprechen wir bis heute drüber", erzählt die Autorin. Gemeinsame Unternehmungen, die sich die Kinder und Teenager wünschten, ob ein Konzertbesuch oder ein Fußballspiel, seien immer eine gute Alternative zu Bargeld: "Es ist ein ganz tolles Geschenk, etwas zusammen zu erleben, wo man dann noch später lange drüber spricht."

Quelle: n-tv.de, Christina Peters, dpa

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