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Verein zahlt nicht immer Sportunfall: Was ist versichert und was nicht?

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Profis lassen sich schnell gesund spritzen. Doch bei Freizeitsportlern ist die Saison nach einem Unfall oft gelaufen. Und wenn man Pech hat, heilen Schäden nie ganz aus.

(Foto: imago/Jürgen Schwarz)

Ein Muskelfaserriss beim Fußballtraining, ein gebrochenes Schlüsselbein bei der Rennradausfahrt - anders als Profis doktern Freizeitsportler oft lange an Verletzungen herum. Und längst nicht immer sind sie über den Sportverein abgesichert.

"Treibe Sport oder bleibe gesund" kann nicht nur eine Ausrede für Sportmuffel sein, sondern auch eine bittere Erkenntnis. Jeder neunte Unfall, der den Unfallversicherern gemeldet wird, passiert beim Sport. Fußballer sind besonders gefährdet, sie machen mehr als ein Drittel der Verunfallten aus. Auch Skifahrer landen häufig im Krankenhaus. Die Behandlungskosten übernimmt die Krankenversicherung. Doch was, wenn es damit nicht getan ist? Wer haftet für Folgeschäden oder Verdienstausfall? Ist man durch den Verein ausreichend abgesichert? Was ist mit Wettkämpfen? Viele Sportler machen sich erst schlau, wenn es schon zu spät ist.

Was zahlt die gesetzliche Unfallversicherung?

Die gesetzliche Unfallversicherung übernimmt eine ganze Reihe von Leistungen, unter anderem Reha, Pflegegeld und Verletztengeld – aber all das nur bei Unfällen, die im Zusammenhang mit der Berufsausübung stehen. Wer sich beim Betriebssport verausgabt, ist also versichert. Wer dagegen privat trainiert oder an Wettkämpfen teilnimmt, nicht.

Bei Firmenläufen ist die Rechtsprechung uneinheitlich. Weil normalerweise nur ein geringer Teil der Belegschaft teilnimmt, sehen manche Gerichte den Wettbewerb nicht als Betriebsveranstaltung. Zuletzt hat das Sozialgericht Detmold aber einer Arbeitnehmerin recht gegeben, die sich auf dem Heimweg vom Firmenlauf verletzt hatte (Az.: S 1 U 99/14).  

Was deckt die Vereinsversicherung ab?

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Skifahren ist nach Fußball die Sportart mit den häufigsten Verletzungen.

(Foto: imago/Frank Sorge)

Egal, ob Fußballverein, Radsportverein oder Tennisclub – Vereinsmitglieder profitieren von der "Sportversicherung". Das ist eine Gruppenversicherung, die der jeweilige Landessportbund für alle Mitgliedsvereine abschließt. Dabei gibt es Pakete mit unterschiedlichem Leistungsumfang. Standard sind die Unfallpolice, die meist auch Reha-Maßnahmen umfasst, sowie eine Haftpflichtversicherung. Zum Teil sind auch Rechtsschutz- und Reisegepäckversicherungen enthalten.

Wichtig: Der Schutz gilt für alle sportlichen und anderen satzungsgemäßen Vereinsaktivitäten, also auch für Training und Wettkämpfe sowie Hin- und Rückwege. Einzeltraining ist dagegen nur versichert, wenn es vom Verein angeordnet ist oder wenn der Trainer zumindest Bescheid weiß. Bricht sich ein Torwart beim Training im Verein die Hand, zahlt also die Sportversicherung. Beim Bolzen mit Kumpels dagegen nicht.

Nicht nur deshalb sollten sich Vereinsmitglieder zusätzlich privat absichern. "Die Sportversicherung ist nur als Grundversorgung gedacht", erklärt Rudolf Kayser, der Unfallexperte der Ergo-Versicherung. Manche Risiken sind von vornherein ausgeschlossen, außerdem sind die Versicherungssummen sind meist gering und man kann sie auch nicht durch Extrabeiträge erhöhen. Für alle Mitglieder gelten pauschal die gleichen Leistungen. 

Was zahlt die private Unfallversicherung?

Nicht alle Verletzungen heilen komplett aus. Bleiben dauerhafte Schäden zurück, kommt die private Unfallversicherung ins Spiel. Wichtigstes Element ist die Einmalsumme, die sich nach dem jeweiligen Invaliditätsgrad richtet. Der Invaliditätsgrad wird durch die sogenannte Gliedertaxe festgelegt. Ein Beispiel: Eine Volleyballerin kann nach einem Muskelfaserriss ihren Daumen nur noch eingeschränkt bewegen. Die Standard-Gliedertaxe für einen Daumen liegt bei 20 Prozent. Weil die Funktionalität aber nur zu 50 Prozent verloren ist, bekommt die Sportlerin 10 Prozent der Deckungssumme.

Zusätzlich kann man eine Unfallrente vereinbaren oder auch ein Krankenhaustagegeld und ein Genesungsgeld, das die Extrakosten während und nach einem Krankenhausaufenthalt kompensieren soll. Tarife mit großem Leistungsspektrum übernehmen oft auch die Kosten für kosmetische Operationen, die nicht immer von der Krankenkasse getragen werden.

Wann zahlt auch die private Unfallversicherung nicht?

Die private Unfallversicherung zahlt für die meisten Sportunfälle, aber nicht für alle. Ausdrücklich ausgeklammert sind Flugunfälle. Wer seine Freizeit beispielsweise mit Paragliding oder auf dem Segelflugplatz verbringt, braucht eine spezielle Luftfahrt-Unfallversicherung. Ausschlüsse gibt es häufig auch bei Rennveranstaltungen, insbesondere mit motorisierten Fahrzeugen. In älteren Verträgen sind manchmal auch Radrennen ausgeschlossen. Auch Risikosportarten wie Eishockey oder Klettern sind nicht immer automatisch mitversichert. Wer Derartiges vorhat, sollte auf jeden Fall einen Blick ins Kleingedruckte werfen.   

Welche Versicherungen sind sonst noch sinnvoll für Sportler?

Die gesetzliche Krankenversicherung kommt für alle direkten Behandlungskosten auf, auch für die Reha. Ab der siebten Krankheitswoche übernimmt sie auch die eingeschränkte Lohnfortzahlung. Selbständige, die sich wochenlangen Verdienstausfall nicht leisten können, sollten eine Krankengeld-Police abschließen. 

Hat ein Unfall so schwere Folgen, dass man – zumindest auf absehbare Zeit – gar nicht mehr im alten Beruf arbeiten kann, hilft nur noch eine Berufsunfähigkeitsversicherung. Sie ist allerdings nicht ganz billig und mit zunehmendem Alter auch immer schwerer zu bekommen. Wenn möglich, sollte man sich den Schutz dennoch sichern, denn die staatlichen Leistungen bei Erwerbsunfähigkeit sind minimal. Der große Vorteil der Berufsunfähigkeitsversicherung: Sie zahlt unabhängig von der Ursache der Erwerbsunfähigkeit, also nicht nur bei Unfällen.

Eine private Haftpflichtversicherung sollte ohnehin selbstverständlich sein, nicht nur für Sportler. Wenn ein Fußballer beim Feierabend-Kicken einen gegnerischen Spieler krankenhausreif foult oder ein Radsportler bei der Gruppenausfahrt einen Sturz verursacht, kann es teuer werden, zumindest dann, wenn man nicht ausreichend über den Verein abgesichert ist. Wer schon eine Haftpflichtersicherung hat, sollte sich die Bedingungen im Zweifelsfall nochmal genauer durchlesen. Denn bei Wasser-, Rad- oder Motorsport bieten nicht alle Policen ausreichend Schutz.

Quelle: ntv.de

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