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Tenhagens Tipps Uniprofirente: Sollen Riester-Sparer wechseln?

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Der Uniglobal-Fonds bietet Riester-Sparern relativ hohe Renditechancen.

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Die Uniprofirente von Union Investment ist der Verkaufsschlager unter den Riester-Verträgen. Jetzt werden über eine Million Sparer auf einen anderen Fonds umgestellt. Die Reditechancen sind hier niedriger. Finanztip-Chefredakteur Tenhagen sagt, nicht alle Kunden sollten den Wechsel mitmachen.

Riester-Produkte sind auf Sicherheit ausgelegt, weniger auf Rendite. Der Riester-Fondssparplan von Union Investment ist da eine Ausnahme, denn er investiert zu 100 Prozent in Aktien. Zumindest war das bisher so. Jetzt werden die Sparer auf einen anderen Fonds umgestellt. Finanztip-Chefredakteur Tenhagen sagt, nicht alle Kunden sollten den Wechsel mitmachen.

n-tv.de: Union Investment stellt seine Uni Profi Rente auf einen neuen Fonds um. Wen betrifft das?

Hermann-Josef Tenhagen: Die Uniprofirente ist der meistverkaufte Riester-Vertrag überhaupt. Insgesamt 1,9 Millionen Menschen haben ihn abgeschlossen, allerdings in unterschiedlichen Varianten. 1,1 Millionen von ihnen sind heute noch im Wesentlichen in einem Aktienfonds investiert, nämlich im Uniglobal. Und die sollen nun auf einen neuen Fonds umgestellt werden, den Uniglobal Vorsorge.

Wieso?

Die Grundidee von Union war, zu 100 Prozent in den Aktienfonds zu investieren. Nur in schwierigen Börsenzeiten soll in sichere Rentenfonds umgeschichtet werden. Dazu muss man wissen, dass Geld, das einmal im Rentenfonds ist, da nicht wieder rausgeholt werden kann. "Cash-Lock" nennt man das. Das Problem ist nun, dass Euro-Rentenfonds zur Zeit überhaupt keine Rendite mehr abwerfen, man muss sogar damit rechnen, dass sie womöglich kurzzeitig Verluste bringen. Umschichten hilft also nichts. Und deshalb ist es auch ganz nachvollziehbar, dass die Union Investment da nun etwas anders machen will.     

Und was spricht gegen die neue Variante?  

Die Uniprofirente war bislang der einzige Riester-Fondssparplan, in dem man komplett in Aktie investieren konnte, jedenfalls so lange wie möglich. Dieses Alleinstellungsmerkmal, den  Unique Selling Point, schneidet die Union Investment sich nun ab. Denn der neue Fonds investiert eben nicht mehr so aggressiv in Aktien, ein vorsichtigeres Riester-Fonds-Anlegen bieten aber auch andere. Und dann kommt zum Tragen, dass Union Investment doch relativ teuer ist.

Das war aber schon vorher so, oder?

Ja, auch der Uniglobal hatte verhältnismäßig hohe Gebühren. Als Altersvorsorge-Sparer hat man aber darüber weggesehen, weil es eben der einzige Riester-Fondssparplan mit 100 Prozent Aktienquote war. Diese Kombination aus Renditechancen und Riester-Sicherheiten war für die Leute besonders attraktiv, trotz der hohen Kosten.  

Und was heißt das jetzt für die Union Investment-Kunden?

Die betroffenen 1,1 Millionen Riester-Sparer müssen die Änderung nicht mitmachen. Sie können widersprechen und bleiben dann im alten Fonds. Wir haben bei Finanztip mal ausgerechnet, für wen sich das lohnt. Also für wen das Risiko gering ist, in den unrentablen Rentenfonds umgeschichtet zu werden. Unser Fazit: Je mehr Zeit bis zur Rente bleibt und je weniger man bislang eingezahlt hat, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass man langfristig zu 100 Prozent im Aktienfonds investiert ist. Konkret: Wenn Sie zum Beispiel noch keine fünf Jahre eingezahlt haben und noch mehr als 20 Jahre bis zur Rente bleiben, widersprechen Sie besser und behalten den Uniglobal.

Für die anderen, die besser nicht im alten Fonds bleiben sollten, könnte auch ein Wechsel zu einem günstigeren Anbieter interessant sein. Wir empfehlen den relativ neuen Fondssparplan von Fairriester. Er setzt hauptsächlich auf ETFs, also börsengehandelte Indexfonds. Hier gibt es kein aktives Management und entsprechend günstig sind die Verwaltungsgebühren, Provisionen fallen auch nicht an. Auf 30 Jahre kann das schon 10.000 Euro Unterschied ausmachen, wenn man viel einzahlt.

Kurz gesagt raten wir den Leuten also, entweder zu widersprechen oder sich – wenn sich der Wechsel nicht vermeiden lässt – eine preiswertere Alternative zu suchen.

Preiswert ist ja gut und schön, aber ist der Fairriester denn auch gut?

Fairriester setzt ja auf Indexfonds. Die schneiden selten schlechter ab als aktiv gemanagte Fonds. Man muss sich also wenig Sorgen machen, dass die Qualität da im Vergleich abfällt. Und die Kosten fallen eben deutlich geringer aus, was sich am Ende auch in der Rendite niederschlägt.

Wer steckt hinter Fairriester?

Fairriester wird von der Sutor Bank vertrieben, das ist eine mittelständische Bank aus Hamburg. Wir haben recherchiert und natürlich auch mit der Finanzaufsicht Kontakt gehabt und geklärt, dass Struktur und Anbieter vertrauenswürdig sind.

Gibt es noch mehr Möglichkeiten, mit ETFs zu riestern?

Momentan ist Fairriester der einzige Riester-Fondssparplan, der auf ETFs setzt. Wir hoffen dringlich, dass da noch andere Anbieter nachziehen.  Ansonsten gibt es derzeit nur Fondspolicen, die zum Teil auch in ETFs investieren. Fondspolicen sind im Normalfall aber zu teuer und deshalb auch nicht konkurrenzfähig.

Mit Hermann-Josef Tenhagen sprach Isabell Noé

Quelle: n-tv.de

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