Ratgeber

Miese Lebensversicherung? Wann Weitermachen lohnt

Sinkende Garantiezinsen, maue Überschussbeteiligungen, kaum noch Steuervorteile - Lebensversicherungen an den Mann zu bringen, ist heute nicht ganz einfach. Weil Neukunden ausbleiben, setzen Vermittler verstärkt auf jene Versicherten, die von ihrer bisherigen Police enttäuscht sind. Doch ein Wechsel lohnt sich selten.

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Viele Sparer merken zu spät, dass ihre Police ein Fehlgriff war.

(Foto: dpa)

Am Anfang steht meist ein Beratungsgespräch und am Ende mitunter die Erkenntnis, dass man es dabei besser belassen hätte: Viele Lebens- und Rentenversicherungen haben sich in den letzten Jahren nicht so rosig entwickelt wie erhofft. Nicht einmal die Hälfte aller Verträge wird bis zum Ende fortgeführt. Kunden stellen die Policen stattdessen beitragsfrei oder kündigen einfach. Manchmal nicht von sich aus, sondern weil ihnen ein Berater eine neue, vermeintlich bessere Versicherung ans Herz gelegt hat. Doch auch wenn die bisherige Police eine Niete ist und die Alternative tatsächlich brauchbarer erscheint, lohnt sich ein Wechsel in vielen Fällen nicht.

Wer schon am Anfang merkt, dass der Abschluss ein Irrtum war, hat noch gute Chancen, den Fehler auszubügeln und bei einem neuen Anbieter weiterzumachen. Doch nach spätestens fünf Jahren lohnt sich der Wechsel nicht mehr, hat "Finanztest" ausgerechnet. Dann nämlich sind die Abschlusskosten komplett bezahlt, das Geld bekommt man aber nicht zurück. Am Wechsel verdient dann nur einer: Der Verkäufer, der erneut Provision kassiert. Oft werden Versicherte auch erst von Beratern darauf gestoßen, dass ihr bisheriger Vertrag suboptimal ist. Die Bestandskunden sind ins Visier der Vermittler geraten, denen es zunehmend schwerer fällt, neue Kunden zu gewinnen. Seit Jahren sind die Zahlen der Neuabschlüsse der Lebensversicherung rückläufig. Das einstige Steuersparmodell hat deutlich an Attraktivität eingebüßt und dürfte nicht interessanter werden, wenn der Garantiezins für Neuverträge im nächsten Jahr auf 1,75 Prozent sinkt.

Garantiezins im Sinkflug

Schon in den vergangenen Jahren haben sich die Bedingungen für Lebensversicherungen verschlechtert. Der Garantiezins, der bis einschließlich 2003 noch bei 3,25 Prozent lag, sackte erst auf 2,75 Prozent und dann auf die aktuell noch gültigen 2,25 Prozent. Auch wenn die Rendite letztlich durch die Überschussbeteiligung bestimmt wird, sollte man sich gut überlegen, ob man die Sicherheit eines Altvertrages mit höherem Garantiezins aufgibt. Zumal Verträge, die vor 2005 abgeschlossen wurden, auch noch mit ihrem Steuervorteil punkten.

Ein Geschäft mit Tücken: Verbraucher sollten sich gut informieren, bevor sie ihre Lebensversicherung verkaufen. (Bild: Remmers/dpa/tmn)

Wenn die Abschlusskosten erstmal abbezahlt sind, sollte man nicht mehr wechseln.

Wer mindestens 60 Jahre alt ist und sich einen Vertrag nach zwölf Jahren Laufzeit als Einmalbetrag auszahlen lässt, zahlt keine Steuern. Heute will der Fiskus an der Hälfte der Erträge beteiligt werden. Werden die Kriterien nicht erfüllt, muss alles besteuert werden. Bei Beratern, die einem die Kündigung von Altverträgen von vor 2005 nahelegen, sollte man also stutzig werden. Kein Neuvertrag dürfte es wert sein, den Steuervorteil in den Wind zu schreiben. Zudem sollte man auch bei der Kündigung von jüngeren Verträgen das Finanzamt mit einkalkulieren. Das verlangt 25 Prozent Abgeltungssteuer auf den Rückkaufswert – auch wenn dieser sofort in einen neuen Vertrag reinvestiert wird. 

Kein Produkt ist wie das andere

Mitunter argumentieren Berater, indem sie Äpfel mit Birnen vergleichen. Klassische Renten- oder Lebensversicherungen sind keine Fondspolicen und Fondspolicen sind keine Fondssparpläne. Alle Produkte haben unterschiedliche Vor- und Nachteile. Rät ein Vermittler beispielsweise, eine klassische Rentenversicherung durch eine Fondspolice zu ersetzen, sollte er auch erwähnen, dass letztere keine garantierte Verzinsung bietet und im schlechtesten Fall auch mit Verlust enden kann. Besonders skeptisch sollten Kunden werden, wenn ihnen nahegelegt wird, aus dem Riester-Sparen auszusteigen und in einen ungeförderten Vertrag zu wechseln. Zwar hält sich der Verlust bei einer Kündigung innerhalb der ersten Jahre in Grenzen, weil die Abschlusskosten bei Riester-Produkten auf fünf Jahre verteilt werden müssen. Zulagen, die bisher gewährt wurden, sind allerdings weg. Und ob eine ungeförderte Altersvorsorge diesen Renditenachteil wieder aufholen kann, ist fraglich.

Soll man von einem Riester-Vertrag in einen anderen wechseln, bleiben die Zulagen erhalten. Männer, die schon lange riestern, fahren in neuen Policen aber oft schlechter. Bei Riester-Policen gilt nämlich schon seit 2006 das, was ab Ende 2012 für die gesamte Versicherungsbranche Pflicht wird: Unisex-Tarife. Bei Riester-Verträgen, die vor 2006 geschlossen wurden, werden Männern dagegen noch höhere Renten garantiert als Frauen.

Rendite ausrechnen leicht gemacht

Wer sich über seinen alten Vertrag ärgert, kann relativ einfach prüfen, ob sich die Alternative lohnt. Die Stiftung Warentest hat einen Rechner programmiert, mit dem sich die jeweiligen Renditen vergleichen lassen. Dafür braucht man den aktuellen Rückkaufswert und die Ablaufleistung der bisherigen Police. Rechnet sich der Wechsel nicht mehr, sollte man versuchen, aus dem vorhandenen Vertrag das Beste zu machen, sprich: die Kosten zu senken. Bei Lebensversicherungen lassen sich beispielsweise teure Zusatzvereinbarungen wie die Extraleistung bei Unfalltod streichen. Ist vereinbart, dass der Beitrag regelmäßig steigt, sollte man damit Schluss machen. Denn jede Stufe der Beitragsdynamik verursacht neue Kosten.

Quelle: ntv.de