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Wenn beide Eltern gesetzlich versichert sind, gibt es nicht viel zu entscheiden.
Wenn beide Eltern gesetzlich versichert sind, gibt es nicht viel zu entscheiden.(Foto: imago/Westend61)
Freitag, 08. Juni 2018

Eltern vor der Wahl : Wann kommt das Kind in die PKV?

Von Isabell Noé

Ein Paar bekommt ein Kind. Die Mutter ist in der gesetzlichen Krankenkasse, der Vater ist privatversichert. Kann das Neugeborene nun beitragsfrei bei der Mutter mitversichert werden? Nicht unbedingt.

Jung, gutverdienend, kinderlos – unter diesen Voraussetzungen kann die private Krankenversicherung eine attraktive Option sein. Damit ist es aber meist vorbei, wenn sich Nachwuchs ankündigt. In der gesetzlichen Krankenkasse werden Kinder beitragsfrei in die Familienversicherung aufgenommen. Privatversicherte müssen für den Familienzuwachs hingegen extra bezahlen. Manchmal ist das auch sinnvoll, etwa dann, wenn ein Kind mit Geburtsschäden auf die Welt kommt und ein umfassender Leistungskatalog eine bessere Versorgung verspricht.

Wo also wird das Neugeborene versichert? Zwei Monate nach der Geburt sollten die Eltern diese Frage entschieden haben.

Beide Eltern sind in der gesetzlichen Krankenversicherung

Hier ist die Sache klar: Das Kind wird beitragsfrei in die Familienversicherung aufgenommen – zumindest solange es nicht selbständig tätig ist oder Einkünfte über der Geringsfügigkeitsgrenze von 425 Euro erzielt. Das dürfte bei Babys die Ausnahme sein. Außerdem muss das Kind in Deutschland leben.

Wenn beide Elternteile arbeiten und Krankenkassenbeiträge bezahlen, können sie sich aussuchen, wer das Kind in die eigene Krankenkasse aufnimmt. Hier empfiehlt es sich, die Extraleistungen genauer anzusehen, manche Kassen bieten für Familien mit Kindern mehr als andere. Wenn die gesetzlich versicherten Eltern unbedingt wollen, können sie auch draufzahlen und ihr Kind privat versichern. Dann wird allerdings eine Gesundheitsprüfung fällig. Gibt es von Anfang an Auffälligkeiten, hat das Baby in der PKV kaum eine Chance.

Beide Eltern sind privat versichert

Wenn beide Eltern privatversichert sind, können sie das Kind nicht in der gesetzlichen Krankenversicherung unterbringen. Sie müssen aber auch nicht in jedem Fall die volle Monatsprämie für den Nachwuchs bezahlen. Privat versicherte Beamte bekommen eine Beihilfe von 80 Prozent von Vater Staat. Und Angestellte haben einen Anspruch darauf, dass der Arbeitgeber die Hälfte ihrer Kosten übernimmt, das gilt auch für die Beiträge fürs Kind. Der Arbeitgeberanteil ist aber – wie in der GKV - auf rund 318 Euro gedeckelt. Alles, was darüber hinausgeht, zahlen privatversicherte Mitarbeiter selbst.

Privatversicherte Selbständige und Freiberufler können dagegen nicht auf Unterstützung zählen: Sie müssen die Versicherung ihrer Kinder in voller Höhe selbst bezahlen. Wie viel, das hängt vom Tarif ab. Grundsätzlich sind die Beiträge für Kinder aber deutlich niedriger als die für Erwachsene, schließlich sind die Risiken geringer. Bei Tarifen, die nach dem Bausteinmodell funktionieren, haben die Eltern zudem Spielraum, indem sie Leistungen variieren und beispielsweise Zahnerkrankungen außen vor lassen.  

Ein Elternteil ist gesetzlich versichert, eins privat

Wenn die Eltern nicht verheiratet sind, ist die Sache einfach: Solange ein Elternteil gesetzlich krankenversichert ist, darf das Kind in die Familienversicherung. Was Mutter und Vater jeweils verdienen, spielt dabei keine Rolle. Natürlich liegt es nahe, den Nachwuchs beitragsfrei in der GKV mitlaufen zu lassen. Wenn abzusehen ist, dass das Kind mit einer Behinderung auf die Welt kommen könnte, mag die PKV als bessere Option erscheinen. Im Rahmen der Nachversicherungsgarantie kann das Kind dann auch ohne Gesundheitsprüfung in die private Krankenversicherung aufgenommen werden. Sinnvoll ist das aber nur, wenn der Elternteil schon einen hochwertigen Tarif hat, denn die Leistungen für das Kind lassen sich nicht ohne Risikoprüfung aufstocken. Außerdem müssen sich die Eltern fragen, ob ihr Kind später jemals in die gesetzliche Krankenkasse wechseln kann. Im schlimmsten Fall wird es nie einen Beruf lernen, aber die steigenden PKV-Beiträge finanzieren müssen.

Verheiratete Eltern haben weniger Wahlfreiheit. Hier ist die Versicherung des Sprösslings eine Frage des Einkommens. Normalerweise kommt das Kind in die Privatversicherung, wenn zwei Bedingungen erfüllt sind:

  • Der privatversicherte Elternteil verdient oberhalb der Jahresarbeitsentgeltgrenze. Die liegt 2017 bei 57.600 Euro im Jahr (4800 Euro/Monat) und steigt im nächsten Jahr auf 59.400 Euro (4950 Euro/Monat).
  • Der privatversicherte Elternteil verdient mehr als der gesetzlich versicherte Partner.

Kommt eine privatversicherte Mutter beispielsweise auf 60.000 Euro brutto im Jahr, ist das Einkommen des gesetzlich versicherten Ehemanns entscheidend. Verdient er mehr, ist der Weg in die GKV frei. Verdient er weniger, ist die Mitversicherung Option – zumindest nicht beitragsfrei.

Das heißt aber nicht, dass der Sprössling unbedingt Privatpatient werden muss. In der gesetzlichen Krankenversicherung können Kinder auch gegen eigenen Beitrag freiwillig versichert werden. Billig ist das aber nicht, zuletzt lagen die Beiträge grob zwischen 170 und 180 Euro.  Die PKV kann da deutlich günstiger sein.

Wie auch immer die Eltern sich entscheiden: Sie haben bis zu zwei Monate nach der Geburt Zeit, die Versicherungsfrage zu klären. Bis dahin ist das Baby rückwirkend krankenversichert, so dass keine Lücke entsteht. Wenn das Kind ohne Gesundheitsuntersuchung in die Privatversicherung aufgenommen werden soll, muss ein Elternteil schon mindestens drei Monate versichert sein.  

Quelle: n-tv.de