Ratgeber

Bewertungsportal für IGeL startet Wann selber zahlen sinnvoll ist

Nach zahlreichen Gesundheitsreformen ist der Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung zusammengeschrumpft. Da wundert es Kassenpatienten nicht, wenn der Arzt eine Behandlung vorschlägt, die zwar angebracht wäre, aber - leider - nicht übernommen wird. Doch ist die Maßnahme sinnvoll? Ein neues Portal hilft weiter.

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Rund 1,5 Milliarden Euro blättern Kassenpatienten jedes Jahr für ärztliche Extras hin.

(Foto: picture alliance / dpa)

Wenn der Hautarzt Botox spritzt oder Tätowierungen entfernt, tut er das nicht auf Kassenkosten. Für kosmetische Eingriffe müssen Patienten selbst in die Tasche greifen. Doch auch bei vielen Vorsorgeuntersuchungen und therapeutischen Maßnahmen geht es an den eigenen Geldbeutel. Mit diesen Individuellen Gesundheitsleistungen – kurz IGeL – verdienen sich Ärzte ein hübsches Zubrot. Rund 1,5 Milliarden Euro geben die Versicherten jedes Jahr für die medizinischen Extras aus. Manchmal aus freien Stücken, oft aber auch, weil der Arzt dazu geraten hat.

Viele Patienten sind dann erstmal verunsichert. Ist die Maßnahme wirklich notwendig? Und wenn ja, warum wird sie dann nicht von der Versicherung übernommen? Ab sofort bekommen Krankenversicherte Entscheidungshilfe aus dem Netz: Unter igel-monitor.de sind verschiedene IGeL und ihre empirisch-medizinischen Bewertungen abrufbar. Entwickelt wurde die Plattform vom Medizinischen Dienst des GKV-Spitzenverbandes (MDS). Wer Entscheidungshilfen sucht, bekommt dort Infos zur jeweiligen Leistung, auf Wunsch kurz und knapp oder aber ausführlich.

Oft ein "großes Ärgernis"

Die Bewertungen des IGeL-Monitors basieren auf den Methoden der Evidenzbasierten Medizin (EbM). Für die Bewertung von Nutzen und Schaden einer IGeL-Leistung werden medizinische Datenbanken durchforstet und ausgewertet. Darauf basiert dann die Empfehlung im IGeL-Monitor. "Wir bewerten die einzelnen IGeL nach einem festgelegten Schema in fünf Kategorien: von "positiv", "tendenziell positiv" und "unklar" bis zu "tendenziell negativ" und "negativ". Dabei war uns wichtig, dass für jedermann nachvollziehbar ist, wie wir zu unserer Nutzen-Schaden-Bilanz kommen", so die Projektleiterin Monika Lelgemann.

24 Leistungen sind bislang im Netz abrufbar, darunter etwa die bei Augenärzten beliebte Glaukom-Früherkennung, aber auch alternative Heilmethoden wie Akupunktur zur Spannungskopfschmerz-Prophylaxe oder Bach-Blütentherapie. Manchmal sind die Bewertungen nicht eindeutig, häufig aber auch tendenziell negativ oder richtig schlecht. "In vielen Fällen sind diese Leistungen ein großes Ärgernis und leider, das muss man sagen, in vielen Fällen sogar medizinisch bedenklich", erklärte die Vorstandsvorsitzende des GKV-Spitzenverbandes, Doris Pfeiffer, zum Start der Plattform.

Bedenkzeit sollte sein

Befragungen hätten gezeigt, dass inzwischen etwa jedem vierten GKV-Versicherten beim Arztbesuch eine IGeL-Leistung angeboten werde und Patienten sich nicht ausreichend darüber informiert fühlten. Ein formeller Behandlungsvertrag ist keineswegs die Regel. Mitunter verlangten Ärzte auch eine Vorabzahlung, so die Erfahrung der gesetzlichen Krankenkassen. "Die Versicherten beklagen sich darüber, dass Zeitdruck aufgebaut wird, dass keine fundierte Entscheidung möglich ist", sagte Pfeiffer. Dieser Druck müsse genommen werden, am besten durch eine 24-stündige Einwilligungssperrfrist. So hätten Patienten auf jeden Fall ausreichend Zeit, sich Informationen zu verschaffen und die Sache zu überschlafen. Denn – so viel ist klar – wenn eine Maßnahme wirklich dringend nötig ist, dann wird sie auch von der Krankenkasse übernommen.

Quelle: n-tv.de, ino/dpa