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Rechtsanwalt erklärt Wann zahlt Versicherung bei Flut und Regen?

Die schweren Regenfälle in Teilen Deutschlands hinterlassen verheerende Verwüstungen. Ganze Häuser stürzen ein, Autos werden mitgerissen oder von Trümmern getroffen, unzählige Keller stehen unter Wasser. Für viele Menschen entstehen immense Sachschäden. Dafür aber die Kosten von der Versicherung erstattet zu bekommen, ist nicht immer ganz einfach. Worauf zu achten ist und wie Betroffene vorgehen sollten, erklärt der Rechtsanwalt Arndt Kempgens im Gespräch mit ntv.

Vier wesentliche Punkte und Schritte sollten Betroffene dabei laut Kempgens unbedingt beachten:

  1. Sofortmaßnahmen ergreifen und den Schaden möglichst gering halten
  2. Fotos machen, um Schäden zu dokumentieren
  3. Versicherung informieren, mindestens per E-Mail
  4. Abwarten, wie Versicherung sich verhält

Welche Versicherung braucht man, und werden Schäden erstattet?

Für Regen- und Flutschäden ist eine sogenannte Elementarschadenversicherung notwendig. Diese braucht ein Hauseigentümer als Teil der Gebäudeversicherung, Mieter müssen eine entsprechende Klausel in der Hausratsversicherung abgeschlossen haben. "Nur wenn diese Zusatzbausteine in der Versicherung enthalten sind, wird es einigermaßen entspannt über die Bühne gehen. Alles andere wird eng," erklärt Kempgens.

Können Handwerker ohne vorherige Klärung mit der Versicherung beauftragt werden?

Die von Betroffenen selbst zu ergreifenden Sofortmaßnahmen sind laut Kempgens ein "zweischneidiges Schwert". Zwar müssten Betroffene sofort selbst tätig werden und Maßnahmen ergreifen, um weitere Schäden zu verhindern. So könne man sich etwa nicht auf die Versicherung zurückziehen und "einfach zugucken", wie der Keller vollläuft. "Das darf man auf keinen Fall machen." Stattdessen müsse man dafür Sorge tragen, dass das eindringende Wasser möglichst geblockt wird und der Schaden nicht noch größer wird. "Man muss zumutbare Maßnahmen ergreifen", ohne sich dabei jedoch selbst in Gefahr zu bringen. Andernfalls droht nachträglich eine Kürzung durch die Versicherung.

Andererseits muss sofort mit dem Versicherer Kontakt aufgenommen werden. Dafür reicht zunächst eine E-Mail aus, erklärt Kempgens, auch, weil die Versicherer selbst aktuell bei Schadensmeldungen aus allen Richtungen alle Hände voll zu tun haben. Die Versicherer selbst sind dann berechtigt, Weisungen für weiteres Handeln zu erteilen, an die sich Betroffene dann halten müssen. Handwerker hingegen sollten Betroffene jedoch "auf keinen Fall" eigenmächtig beauftragen. Das müsse unbedingt erst mit der Versicherung geklärt werden.

Als Sofortmaßnahme lässt sich jedoch auch eine zwingend notwendige Umquartierung in ein Hotel von der Versicherung absetzen. Man dürfe da "natürlich nicht in ein Luxushotel" ziehen, für eine normale, zumutbare Unterkunft kommt jedoch die Hausratsversicherung auf. Auch dafür reicht laut Kempgens eine vorherige Information per E-Mail, da in akuter Notlage Versicherer selbst nicht immer direkt erreichbar sind.

Wie lassen sich böse Überraschungen beim Schadenswert vermeiden?

Um bei Auseinandersetzungen mit Versicherern Probleme zu vermeiden, sieht Kempgens vor allem das Problem, dass Versicherungen oft nicht an die aktuellen Bedingungen angepasst sind. So könne beispielsweise eine vor 20 Jahren geschlossene Versicherung zu einem neuen Haus, einer neuen Lebenspartnerschaft oder dergleichen mehr schlicht nicht mehr passen. Er rät daher dringend, Versicherungen immer aktuell zu halten, "sonst kann es sein, dass Versicherer versuchen, sich da rauszuwinden".

Droht im Schadensfall auch Lohnausfall durch Arbeitsverhinderung?

"Das ist arbeitsrechtlich eigentlich unproblematisch", beruhigt Kempgens. Dieser Aspekt sei jeweils über den Arbeitgeber abgesichert, der im Falle einer Arbeitsverhinderung, für die der Arbeitnehmer nichts kann, diesen freistellen muss und zur Lohnfortzahlung verpflichtet ist. Das gilt jedenfalls für einen kurzen Zeitraum, in dem die ersten Maßnahmen ergriffen werden können - "man sagt etwa fünf Tage". Der Arbeitnehmer ist jedoch verpflichtet, den Arbeitgeber umgehend über die Situation zu informieren.

Sollte man kleine Schäden lieber nicht melden, um Beitragserhöhungen zu verhindern?

Kempgens rät dringend davon ab, selbst zu versuchen, die Schadensgröße zu beurteilen und möglicherweise auf die Meldung vermeintlich kleinerer Schäden zu verzichten. Das sei ein "Vabanque-Spiel", mit dem Versicherte potenziell ein nicht unerhebliches Risiko eingehen. Oft sei ein größerer Schaden nicht auf den ersten Blick als solcher zu erkennen, etwa eine durchfeuchtete Mauer, wie Kempgens beispielhaft anführt. Daher sei es besser, erst einmal alle Schäden zu melden, man könne dann nachträglich noch entscheiden, ob man eine Versicherung in Anspruch nehme oder nicht.

Quelle: ntv.de, mra

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