Ratgeber

Tenhagens Tipps Was tun, wenn die Reise storniert wurde?

imago0102398319h.jpg

Damit Urlauber im Stornierungsfall nicht auf den Reisekosten sitzenbleiben, sollten sie einiges beachten.

(Foto: imago images/Lehtikuva)

Urlaub in Corona-Zeiten ist mitunter schwierig. Immer wieder geben einzelne Länder veränderte Reisebedingungen bekannt. Kunden werden daher mit Stornierungen von Flügen, Hotels und Reisen konfrontiert. Auch wer selbst seine Reise stornieren möchte, sollte laut Finanztip-Chef Tenhagen einiges beachten.

Reisen in Corona-Zeiten sind mitunter ein waghalsiges Unterfangen. Immer wieder geben die einzelnen Länder veränderte Reisebedingungen aufgrund der Pandemie bekannt. Kunden werden daher mit Stornierungen von Flügen, Hotels und sogar kompletten Pauschalreisen konfrontiert. Doch auch wer selbst seine Reise stornieren möchte, sollte laut Finanztip-Chef Hermann-Josef Tenhagen einige Dinge beachten.

ntv.de: Viele Flüge werden derzeit gestrichen. Haben Kunden einen Anspruch auf die Rückzahlung des Flugpreises?

Hermann-Josef Tenhagen: Wenn eine Reise storniert wird, muss man das Geld zurückbekommen. Bei einer Flugreise ist die rechtliche Lage eindeutig, nämlich innerhalb von 7 Tagen. Das hat sich nicht geändert. Wenn die Flugreise gar nicht stattgefunden hat, werden den Kunden oft Gutscheine angeboten, aber das müssen Kunden nicht hinnehmen. Sie haben Anspruch auf das Geld.

Doch auch wenn die Kunden Anspruch auf die Rückerstattung des Geldes haben, kommen die Fluggesellschaften dem oft nicht nach. Was können sie in so einem Fall tun?

Hermann-Josef-Tenhagen-ist-Chefredakteur-der-unabhangigen-Verbraucher-Webseite-Finanztip (1).jpg

Hermann-Josef Tenhagen ist Chefredakteur der unabhängigen Verbraucher-Webseite Finanztip.

Zuerst schreibt man der Fluggesellschaft, dass man sein Geld innerhalb der Frist zurückhaben will. Kommt keine Antwort, kann man das Ganze an die Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr geben oder man beauftragt einen Dienstleister, der das für einen erledigen soll, oder man nimmt sich einen Anwalt. Im Zweifel muss die Fluggesellschaft den dann auch noch bezahlen. Das birgt aber Risiken. Zum einen könnte sich der Prozess lange hinziehen, da die ganze Sache doch nicht so eindeutig ist, wie es auf den ersten Blick schien. Das zweite Risiko ist, dass dann die Fluggesellschaft pleitegeht. Wenn Sie einen Anspruch haben gegen eine Fluggesellschaft, die Insolvenz angemeldet hat, sind Sie einer von vielen Millionen Gläubigern. Wahrscheinlich bekommen Sie dann vom Insolvenzverwalter keinen Cent.

Was können Kunden tun, wenn die Zugreise mit der Deutschen Bahn oder die Busreise storniert wurde?

Wenn der Zug nicht fährt, dann bekommt man sein Geld zurück. Bisher funktioniert das problemlos. Wurde die Busreise bereits im Voraus gezahlt - was ich nicht empfehlen würde - dann hat man den Anspruch, sein Geld zurückzubekommen, weil die Leistung nicht erbracht worden ist. Da kann man auch eine Frist, zum Beispiel von 14 Tagen, setzen.

Haben Sie Tipps für Kunden, um die Gefahr finanzieller Einbußen bei Reisebuchungen zu reduzieren?

Ich rate den Leuten immer, auf Reiseangebote zurückzugreifen, bei denen sie möglichst nichts anzahlen müssen und sehr spät stornieren können. Manchmal ist es möglich, die Kreditkartennummer zu hinterlegen und erst zu bezahlen, wenn man vor Ort ist. Bei der Kreditkarte gibt es die Chargeback-Regel. Das heißt: Werden die Leistungen nicht erbracht, können Sie sich in manchen Fällen über eine Chargeback-Rückbuchung das Geld zurückholen. Zum Beispiel, wenn die Fluggesellschaft die Erstattung verweigert. Sie müssen aber vorher versucht haben, die Airline zu kontaktieren. Bei Paypal gibt es auch einen Käuferschutz, der ähnlich funktioniert.

Kann eine gebuchte Pauschalreise ins Ausland wegen der Corona-Krise kostenlos storniert werden? Zum Beispiel bei der Einführung der Maskenpflicht auf Mallorca, Schließung von Bars et cetera?

Pauschalreisen können Sie kostenlos stornieren, wenn im Zielland zu Reisebeginn noch eine Reisewarnung des Auswärtigen Amtes gilt. Die Sorge, sich am Urlaubsort anzustecken, reicht dagegen nicht aus, um kostenlos stornieren zu können. Können zentrale Reiseleistungen nicht erbracht werden, zum Beispiel mehrere Stationen einer Rundreise nicht angesteuert werden, kann das auch ein Stornierungsgrund sein. Sind Pool oder Sauna geschlossen, die Ihnen als Reiseleistung versprochen waren, können Sie diese als Reisemängel anzeigen und eine Preisminderung verlangen. Das geht nicht, wenn Sie der Veranstalter vorher darauf hingewiesen hat. Klären Sie am besten vorher ab, mit welchen Corona-Einschränkungen Sie zu rechnen haben.

Das ist ein weiterer Grund, warum man solche Buchungen zurzeit möglichst kurzfristig und ohne Anzahlungen macht, weil sich die Regeln ständig ändern können. Es kann jederzeit passieren, dass dann irgendwas nicht so abläuft wie geplant. Wenn man eine Pauschalreise bucht, muss sich der Veranstalter kümmern, wenn irgendwas nicht klappt. Hat man den Flug gebucht und darf aber - weil man vielleicht aus Gütersloh kommt - nicht einreisen, hat die Fluggesellschaft trotzdem Anspruch auf das Geld. Das Gleiche gilt für die Unterkunft.

An wen sollte man sich wenden, wenn der Flug oder das Hotel über ein Internetreiseportal gebucht wurde?

Die Frage ist, wer der Geschäftspartner ist. Das Portal macht in der Regel nur die Vermittlung. Wenn Sie bei einer gebuchten Pauschalreise nicht reisen können, ist der Reiseveranstalter dafür verantwortlich, Sie dahin zu bringen. Wenn er das nicht kann, können Sie sich das Geld von dem zurückholen. Bei einer Flugreise muss sich die Airline kümmern. Bei Unterkünften gelten die jeweiligen Geschäftsbedingungen.

Was sollten Kunden tun, wenn in deren Region ein Corona-Ausbruch stattfand und Reisen aus ihrem Gebiet seitens der Regierung eingeschränkt worden sind?

Dann muss ich gucken, wo ich mein Geld herbekomme. Sie müssen dann im Zweifel mit den Behörden oder dem Hotel verhandeln, wie mit dem Schaden umgegangen wird. Wenn das Hotel Sie nicht beherbergen darf, dann sind Sie nicht dafür verantwortlich. Wenn Sie nicht reisen dürfen, ist aber auch der Hotelier nicht dafür verantwortlich. Vielleicht gibt er Ihnen das Geld zurück, vielleicht bekommen Sie einen Gutschein, aber im Zweifel müssen Sie damit rechnen, auf den Kosten sitzenzubleiben.

Nun gibt es viele Menschen, die Angst haben, dass eine geplante Reise zu einem späteren Zeitpunkt nicht stattfinden kann, weil der Anbieter zwischenzeitlich pleitegegangen ist. Die Kunden möchten die Reise nun deshalb doch stornieren. Bekommen sie in so einem Fall das Geld zurück?

Dann gelten die Stornobedingungen der Fluggesellschaft oder der Unterkunft. Im Falle einer Pauschalreise sind die Veranstalter gesetzlich dazu verpflichtet, Kundengelder für den Insolvenzfall zu versichern. Städtereisen mit eigener Anreise oder reine Flug­reisen sind jedoch nicht gegen eine eventuelle Insolvenz abgesichert. Da muss man sich dann im Zweifel an den Insolvenzverwalter wenden.

Haben Kunden Anspruch auf eine anteilige Rückzahlung des Reisepreises, wenn die Reise wegen Corona vorzeitig abgebrochen werden musste?

Wenn es eine Pauschalreise ist, muss sich der Veranstalter darum kümmern. Da sollte man das Geld für die nicht in Anspruch genommen Urlaubstage und den Rückflug zurückbekommen. Auch wer individuell eine Unterkunft gebucht hat und diese vorzeitig verlassen muss, zum Beispiel aufgrund einer behördlichen Anweisung, sollte nur für die in Anspruch genommenen Tage bezahlen. Dies gilt zumindest für in Deutschland gebuchte Hotels und Ferienwohnung. Für Verträge, die direkt mit Unterkünften im Ausland geschlossen wurden, können dagegen andere Regelungen gelten.

Mit Hermann-Joseph Tenhagen sprach Isabel Michael

Quelle: ntv.de