Ratgeber

Nicht sicher, aber gut Welche Aktienfonds sich lohnen

Kleinanleger flüchten sich aus Aktienfonds - und lassen sich dabei ordentliche Renditen durch die Lappen gehen. Die gibt es nämlich durchaus, man muss nur wissen, wo. "Finanztest" trennt die Spreu vom Weizen und zeigt, welche Fonds gute Chancen mit möglichst wenig Risiko vereinen.

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Gute Fonds liegen über der Indexentwicklung.

(Foto: Rainer Sturm, pixelio.de)

Privatanleger suchen dieser Tage vor allem eines: Sicherheit. Aktien scheinen da nicht ins Konzept zu passen. Im letzten Jahr verzeichneten die deutschen Publikumsfonds Abflüsse von gut 16 Milliarden Euro. Die Skepsis ist nachvollziehbar, aber nicht unbedingt begründet, findet zumindest die Stiftung Warentest, die für die März-Ausgabe von "Finanztest" ihren überarbeiteten Fondsvergleich präsentiert. Ohne Aktien im Depot sei ein attraktiver Wertzuwachs kaum machbar. Und der scheint auch in unsicheren Zeiten machbar: Selbst in den vergangenen 20 Jahren, die von mehreren Börsenkrisen erschüttert waren, habe es der Weltaktienindex auf durchschnittlich 6,3 Prozent Rendite im Jahr gebracht. 

Mit einzelnen Aktien lässt sich die nötige Risikostreuung kaum erreichen. Aktienfonds sind da eine vernünftige Alternative - "keine sichere Geldanlage, aber eine gute", schreiben die Fondstester. Gerade in Krisenzeiten können sie einem Depot Stabilität verleihen, denn anders als bei den üblichen Sparanalgen investiert man in echte Sachwerte, nicht in Zahlungsversprechen.

Die Nadeln im Heuhaufen

Potenzielle Anleger stehen allerdings vor einem Problem: Die Auswahl an Fonds ist kaum überschaubar. Allein in Deutschland sind mehr als 10.000 Investmentfonds zugelassen. Nur ein Bruchteil davon ist empfehlenswert. Von den rund 2.850 Fonds aus den wichtigsten Fondsgruppen schaffen es nur etwa 170 auf die Liste von Finanztest, darunter sowohl aktiv gemanagte Fonds als auch ETFs, die einen Index abbilden. Dabei haben die Tester ihre Methodik überarbeitet. Das bisherige Punkte-Ranking ist abgelöst – auch, weil es sich Anleger damit zu einfach machten: Zu groß erschien die Verlockung, einfach den Fonds mit der höchsten Punktzahl zu kaufen, ohne sich mit dessen Anlagestrategie auseinanderzusetzen.

Das neue System ist vielseitiger. Als empfehlenswert gelten nun Fonds, die bessere Renditechancen als alle anderen Fonds mit geringeren Risiko bieten oder die den für sie maßgeblichen Referenzfonds in Punkto Risiko und Chance übertreffen. Ersteres gelingt etwa dem UniGlobal, einem alten Bekannten aus den Finanztest-Bestenlisten. Seit Jahren liefert der Fonds ordentliche Ergebnisse. Dabei orientiert sich das Management am MSCI World, einem der wichtigsten Aktienindices der Welt, weicht aber in einigen Punkten ab. Bislang sei das Konzept "Ein wenig anders als der Index" gut aufgegangen, lobt "Finanztest".

Auch mit den beiden Aktienfonds von Flossbach von Storch (FvS) sind Anleger bislang gut gefahren. In den vergangenen fünf Jahren lag die Wertentwicklung des FvS Fundament um rund vier Prozent über der des MSCI World - und das bei geringerem Risiko. Der Fonds setzt vor allem auf defensive Titel aus weniger anfälligen Branchen wie Konsum, Pharma und Telekommunikation. Allerdings finden sich auch Rüstungskonzerne im Portfolio. Für ethisch-ökologisch orientierte Anleger ist das nichts. Ein gutes Gewissen scheint mit guten Renditen derzeit aber ohnehin schwer zu vereinbaren zu sein. Keiner der global anlegenden grünen Fonds hat in den letzten Jahren gut abgeschnitten – die Talfahrt der Solaraktien macht sich bemerkbar.   

Auch teuer kann gut sein

Bessere Renditechancen haben Fonds ohne solche Eingrenzungen, zumal, wenn sie gänzlich von den Indices abgekoppelt sind. So lag etwa der Carmignac Patrimoine A von Carmignac Investment in den letzten fünf Jahren im Schnitt jeweils fast sieben Prozent über dem Weltaktienindex. Das gelingt mit der Konzentration auf zukunftsträchtige Branchen oder Investmentideen. Der Anteil von Anleihen liegt hier bei mindestens 50 Prozent. Der CS EF (Lux) global Security R setzt dagegen ganz auf das Thema globale Sicherheit und investiert beispielsweise in EDV-Firmen. Bislang geht das Konzept auf.

Anleger, die lieber so breit wie möglich streuen, dürften mit einem Indexfonds besser bedient sein. "Finanztest" empfiehlt insbesondere Fonds, die den MSCI World abbilden. Der große Vorteil der ETFs: Sie sind sehr preiswert. Oft profitieren Anleger eins zu eins von der Indexentwicklung.

Ob man sich für einen klassisch gemanagten Fonds entscheidet oder für einen Indexfonds, ist Geschmackssache. "Finanztest" empfiehlt, beide Varianten zu kombinieren. Selbst die oft als zu teuer geschmähten Dachfonds kommen in Frage. So läuft etwa der Sauren Global Opportunities so gut, dass die doppelten Gebühren für Dachfondsmanagement und Unterfonds locker kompensiert werden.

Weniger Platz an der Spitze

Viele Fonds, die in den vergangenen "Finanztest"-Rankings unter den Top 20 rangierten, findet man im neuen Heft nicht mehr auf den Spitzenplätzen. Das liegt daran, dass die Auswahl nun noch enger gefasst wird. Verkaufen muss man Fonds deshalb noch lange nicht. So gelten etwa der DWS Global Growth oder der ING Global Opportunities P weiter als empfehlenswert, denn auch sie schneiden bei höheren Renditechancen und geringerem Risiko besser ab als der Referenzfonds, der den MSCI World abbildet. Bei Fonds, die unter diesen Referenzfonds rutschen, sollte man dagegen über eine Trennung nachdenken. Wer wissen möchte, wie der eigene Fonds dasteht, findet die nötigen Angaben im Fondsfinder der Stiftung Warentest.

Quelle: n-tv.de, ino