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Wie sag ich's dem Arbeitgeber? Wenn der Job depressiv macht

Konflikte am Arbeitsplatz drücken auf die Stimmung, das ist nichts Neues. Kommen aber noch andere Faktoren hinzu, kann aus dem Arbeitsstress eine Depression werden. Laut einer Studie waren rund 20 Prozent aller Arbeitnehmer schon einmal davon betroffen. Bleibt die Frage: Sage ich es dem Arbeitgeber?

Warnzeichen ernst nehmen und rechtzeitig reagieren: So kann man einem drohenden Burnout noch entgehen. (Foto: Franziska Koark)

Überlastung im Job kann Depressionen begünstigen.

Hohe Belastungen in der Arbeit oder ein schlechtes Arbeitsklima können eine Depression begünstigen. "Alleinige Ursache sind sie in der Regel aber nicht", sagt Detlef Dietrich, Repräsentant der European Depression Association (EDA). Oft kommen mehrere Aspekte zusammen: eine genetische Prädisposition, somatische Faktoren - und dann noch die Konflikte auf der Arbeit.

Die Kernsymptome einer Depression sind depressive Stimmung, Antriebslosigkeit, Verlust von Interesse und Freude sowie Anhedonie, also die Unfähigkeit, die eigenen Gefühle wahrzunehmen. Hinzu können weitere Symptome kommen, beispielsweise Schlafstörungen und Appetitlosigkeit. Und was auf der Arbeit besonders auffällt: verminderte Konzentration und Aufmerksamkeit. Halten die Symptome länger als zwei Wochen an, sollte der Betroffene einen Arzt aufsuchen. Ob der Gang zum Haus- oder zum Betriebsarzt führt, sollte danach entschieden werden, welcher Arzt früher verfügbar ist.

Glaubt man einer DEA-Studie (Impact of depression at work in Europe Audit) aus dem letzten Jahr, ist Depression fast schon eine Volkskrankheit: 7000 Arbeiter und Angestellten aus sieben europäischen Ländern wurden dazu befragt, 20 Prozent gaben an, dass bei ihnen bereits eine Depression diagnostiziert worden sei. Die Arbeitsunfähigkeit aufgrund einer Depression umfasste im Schnitt 35,9 Arbeitstage.

Offenheit kann hilfreich sein

Der offene Umgang mit der Depression am Arbeitsplatz ist ein zweischneidiges Schwert. Zum einen kann Offenheit gut sein: So ist es möglich, schon kurz nach der Krankschreibung unter anderen Bedingungen wieder in den Job einzusteigen, vielleicht statt acht Stunden nur vier Stunden täglich zu arbeiten. Denn: "Arbeit kann auch ein Anti-Depressivum sein", sagt Dietrich. Sie hilft zum Beispiel, dem Tag Struktur zu geben.

Außerdem gibt man dem Arbeitgeber so Gelegenheit, entsprechend reagieren und sich für eine bessere Arbeitsatmosphäre einsetzen, die allen Mitarbeitern zu Gute kommt. Dazu kann beispielsweise gehören, mehr Entscheidungsspielraum zu gewähren, mehr Ruhepausen einzuführen und die Arbeit stärker wertzuschätzen.

Das Problem ist nur, dass viele Arbeitnehmer Angst um ihren Arbeitsplatz haben, wenn sie ihrem Chef von ihrer Depression erzählen. Solch eine Angst sei nicht völlig unbegründet, weiß Dietrich. Zwar nehme die Stigmatisierung psychischer Erkrankungen in der Gesellschaft ab, sie existiere aber noch. Ob sich ein Betroffener also dafür entscheidet, am Arbeitsplatz offen mit seiner Krankheit umzugehen, kommt auf den Einzelfall an.

Kollegen einweihen

Wer dem Chef lieber nicht von der Depression erzählt, sollte sich überlegen, ob er nicht Kollegen einweiht, denen er vertraut. Denn sie können sich einschalten, wenn sie glauben, dass sich eine neue depressive Episode anbahnt. Die Betroffenen selbst erkennen die Anzeichen nämlich häufig sehr spät, erklärt Dietrich.

Zusätzlich sollten sich die Betroffenen Regeln setzen, damit sie nach dem Wiedereinstieg in den Job nicht direkt in alte Muster verfallen und sich bald erneut überlastet fühlen. Dazu können feste Pausenzeiten und das Einhalten der Arbeitszeiten ohne Überstunden gehören. Und: "Auch mal lernen, nein zu sagen", empfiehlt Dietrich. Sonst halst man sich eventuell schnell wieder zu viele Aufgaben auf.

Daneben ist wichtig, sich Ausgleich zu schaffen, also Hobbys nachzugehen oder Sport zu treiben. Und sich mit seiner Familie und mit Freunden auszutauschen: Denn all diese Bereiche können viel zu einem positiven Selbstwertgefühl des Betroffenen beitragen. Sein Selbstwertgefühl ausschließlich auf der Arbeit zu gründen, davon rät Dietrich ab.

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Quelle: ntv.de, ino/dpa

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