Ratgeber
(Foto: imago/blickwinkel)
Freitag, 15. Dezember 2017

Fristlose Kündigung?: Wenn der Nachbar ausrastet

Seine Nachbarn kann man sich als Mieter nicht aussuchen. Was bisweilen ärgerlich ist. Besonders, wenn man als eigentlich Unbeteiligter in einen Streit gerät, der in Beschimpfungen und Bedrohungen endet. Kann der Aggressor dann wenigstens rausgeworfen werden?

Meist beschränkt sich das Miteinander in einem Mietshaus auf ein "Guten Tag" oder "Hallo". Manchmal ist auch ein kleiner Plausch an der Haustür drin. Ansonsten möchten die meisten Mieter nur ihre Ruhe haben. Was nicht immer gelingt.

Doch manchmal sind es nicht nur laute Musik, Türenschlagen & Co., die für Ärger sorgen. Wenn es ganz hart kommt, fliegen in der Wohnung nebenan die Fetzen und man gerät mitten hinein den Streit. So war es auch in einem vor dem Amtsgericht (AG) München verhandelten Fall (Az.: 474 C 18956/16).

Hier hatte ein Mieter in seiner Wohnung seine Freundin geschlagen und lauthals beschimpft. Zudem gingen Teile der Einrichtung in die Brüche. Das Opfer der häuslichen Gewalt floh daraufhin aus der Wohnung und suchte Schutz beim Nachbarn. Als dieser nach mehrmaligem Sturmklingeln seine Tür öffnete und den Aggressor aufforderte, innezuhalten, wurde auch er zur Zielscheibe. Unter anderem wurde er bis zum Eintreffen der Polizei massiv beschimpft und bedroht. Dabei fielen Sätze wie "Lass mich in Ruhe, sonst stirbst du" und "Ich ficke deine Mutter, deine Frau, dein Kind, komm' raus, du Feigling, du wirst rauskommen müssen, ich mache dich und deine Familie fertig, ich bringe euch alle um".

Beim Einsatz beschlagnahmte die Polizei in der Wohnung des Schlägers eine Axt, Kampfmesser und andere gefährliche Gegenstände. Als die Vermieterin von dem Vorfall erfuhr, kündigte sie das Mietverhältnis des Täters fristlos, wogegen sich dieser vor dem AG wehrte. Er gab an, dass er bedroht und beleidigt wurde und nicht umgekehrt. Die misshandelte Frau verweigerte die Aussage.

Das Gericht hielt die Darstellung des Gekündigten nicht für glaubhaft und verurteilte ihn zur sofortigen Räumung der Wohnung. Denn laut Artikel 1 Absatz 1 Satz 1 des Grundgesetzes ist die Würde des Menschen unantastbar. Was unabhängig vom konkreten Wohnumfeld oder sonstigen Umständen gilt. Deshalb muss der Vermieterin auch zum Schutz der bedrohten Mieter in diesem Fall die Möglichkeit gegeben werden, das Mietverhältnis mit dem störenden Mieter durch eine sofortige Kündigung zu beenden.

Quelle: n-tv.de