Ratgeber

Inflationsausgleich ist noch drin Wo parkt man Geld ohne Verluste?

Wer größere Summen auf dem Girokonto herumliegen lässt, verschenkt bares Geld. Solche Beträge gehören aufs Tagesgeldkonto. Aber auf welches? Und ab wann lohnt sich ein Wechsel überhaupt?

Foto: Mascha Brichta

Viele Bankkunden legen Geld einfach aufs Sparbuch. Tagesgeldkonten sind oft lukrativer.

(Foto: dpa)

Mit der Prokon-Pleite dürfte auch dem optimistischsten Anleger klar geworden sein, dass hohe Zinsen auch mit hohen Risiken einhergehen. Wem die Lust an spekulati ven Geldanlagen erst mal vergangen ist, der findet in Festgeld eine Alternative, die zwar wenig lukrativ ist, dafür aber sicher. Für dreijährige Anlagen findet man noch diverse Angebote mit über zwei Prozent Zinsen. Soviel ist bei Tagesgeldkonten schon lange nicht mehr zu holen. Erste Wahl bleiben sie dennoch für alle, die flexibel über ihr Geld verfügen wollen.

Wer sein Erspartes einfach auf dem Tagesgeldkonto der Hausbank oder Sparkasse herumliegen lässt, realisiert dort aber nur Verluste. Nach Berechnungen der FMH Finanzberatung liegt der durchschnittliche Zinssatz für eine 50.000 Euro-Anlage derzeit bei gerade mal 0,64 Prozent, also etwa halb so hoch wie die aktuelle Inflationsrate. Wer wenigstens die Inflation ausgleichen will, muss also gezielt nach Angeboten suchen.

Ein Jahr Sicherheit

Spielt man den Tagesgeld-Vergleich einmal durch, zeigt sich, dass das nicht einfach wird. Wo Anfang Dezember noch Zinsen über 1,6 Prozent möglich waren, sind heute 1,4 Prozent das Höchste der Gefühle. So viel bietet Cortal Consors Neukunden ab dem ersten Euro. Der Vorteil des Angebots: Der Zins gilt garantiert für zwölf Monate. Man hat also erst mal ein Jahr Ruhe und muss nicht fürchten, dass die Bank den Zins unbemerkt wieder kassiert. Danach sollte man sich nach einer Alternative umsehen, denn dann sinkt der Zins auf den gültigen Standardsatz. Aktuell sind das 0,8 Prozent. Auch Beträge über 50.000 Euro werden nur mit 0,8 Prozent verzinst. Wer mehr anlegen will, sollte sich also noch eine zweite Bank suchen.

Zum Beispiel die ING-DiBa, die im Vergleich auf dem zweiten Platz rangiert. Neukunden werden hier derzeit sogar mit 1,5 Prozent auf die ersten 100.000 Euro gelockt. Beträge, die darüber hinaus gehen, werden mit einem Prozent verzinst. Dass die ING-DiBa im Konditionenvergleich nicht ganz oben steht, liegt daran, dass sie die 1,5 Prozent nur für die ersten vier Monate zahlt. Anschließend geht der Zinssatz nach aktuellem Stand auf ein Prozent herunter. Übers Jahr gerechnet springt aber immer noch eine Rendite von 1,33 Prozent heraus – sofern sich am Basiszins nichts ändert.

Angebote nicht nur für Neukunden

Keine Zinsgarantie, aber auch keine Haken gibt es bei der französischen Renault Bank Direkt. Die Autobank bietet 1,3 Prozent ab dem ersten Euro, und das nicht nur für Neukunden, sondern für alle. Festgeschrieben ist der Zins nicht, aber da er erst seit Mitte Januar gilt, ist zumindest anzunehmen, dass er sich nicht sofort wieder ändert. Ein kleiner Pluspunkt ist, dass die Zinsen jeweils zum Monatsende gutgeschrieben werden, so dass der Zinseszinseffekt voll wirken kann. Allerdings sollte man den Vorteil nicht überschätzen: Bei einer Anlage von 10.000 Euro liegt der Unterschied zwischen monatlicher und jährlicher Gutschrift bei nicht einmal einem Euro.

Ein ganz ähnliches Angebot wie die Renault Bank Direkt macht die RaboDirect. Auch die Niederländer bieten 1,3 Prozent und machen dabei keinen Unterschied zwischen Neu- und Bestandskunden. Der Zinssatz gilt gier allerdings nur für die ersten 500.000 Euro. Wer mehr als eine halbe Million parkt, bekommt dafür nur 0,9 Prozent.

Ebenfalls aus den Niederlanden kommt die MoneYou, eine Tochtergesellschaft der ABN Amro. Bis vor Kurzem stand sie noch an einer Spitzenposition im Tagesgeldvergleich, doch wie die Renault Bank hat auch die MoneYou die Zinsen ein gutes Stück nach unten korrigiert. Nun ist sie bei 1,3 Prozent angekommen und rangiert damit ebenfalls auf dem dritten Platz. Zinsen werden jeweils zum Quartalsende gutgeschrieben und gelten unbefristet für alle Kunden – vorausgesetzt, sie legen nicht mehr als eine Million Euro an. Schön für alle, die es besonders eilig haben: Bei der MoneYou können Neukunden sofort nach der Anmeldung Geld auf das neue Konto überweisen und müssen nicht erst das Post-Ident-Verfahren abwarten.

"Fleks Horten" heißt das Tagesgeldkonto der schwedischen Ikano Bank, und wer dabei an Ikea denkt, der liegt richtig: Der Ikea-Gründer Ingvar Kamprad ist Hauptanteilseigner der Bank. Die Konditionen ähneln denen der Konkurrenz: Seit Ende Oktober gibt es 1,3 Prozent für alle Einlagen bis zu 100.000 Euro, die Zinsen werden jeweils zum Jahresende gutgeschrieben.

Langfristig gut

Der frühere Spitzenreiter im Tagesgeldvergleich, die Bank of Scotland, hat ihren Zins im Sommer auf 1,2 Prozent gesenkt und liegt damit nun auf dem vierten Platz, zusammen mit einigen anderen Anbietern, etwa der Deniz Bank. Beide tauchen auch im Langfrist-Ranking der Stiftung Warentest auf, weil sie in den letzten beiden Jahren dauerhaft gute Zinsen geboten haben. Am besten schneidet hier die MoneYou ab. Anleger, die ihr Konto nicht so schnell wieder wechseln wollen, tun gut daran, sich eine Bank zu suchen, die solide gut abschneidet.

Wer sechsstellige Summen Euro unterbringen will, sollte auch die Einlagensicherung im Blick behalten. Bis zu 100.000 Euro sind über die gesetzliche Einlagensicherung der jeweiligen Länder geschützt. Zum Teil greift darüber hinaus der Sicherungsfonds des Bundesverbands deutscher Banken. Wenn nicht, sollte man das Geld besser auf mehrere Institute verteilen.

Alle Banken im Vergleich sind über die gesetzliche EInlagensicherung der jeweiligen Länder sind durch die

 

Wann lohnt sich der Wechsel?

Nun ist ein Kontowechsel unkompliziert, macht aber auch ein bisschen Arbeit. Wer wissen möchte, ob sich der Aufwand lohnt, der kann das mit dem Wechsel-Rechner der FMH überprüfen. Hat man aktuell beispielsweise 10.000 Euro zu einem Zinssatz von einem Prozent angelegt, kann man die Jahresrendite um bis zu 38 Euro steigern, wenn man zu Cortal Consors wechselt. Bei einer Anlagesumme von 50.000 Euro bedeutet das ein Plus von 190 Euro.

Nun sind die Tagesgeld-Konditionen der meisten Großbanken, Volksbanken und Sparkassen im Moment noch deutlich schlechter – und damit steigt der Anreiz: Liegt der Hausbank-Zins bei 0,5 Prozent, bringt ein Wechsel zum Spitzenreiter Cortal Consors bei 10.000 Euro übers Jahr gerechnet fast 90 Euro ein. Wer einen Anbieter bevorzugt, der nicht zwischen Neu- und Bestandskundern unterscheidet, bekommt etwa bei MoneYou oder der Renault Bank Direkt fast 80 Euro mehr heraus – vorausgesetzt, die Zinsen bleiben konstant. Bei geringeren Anlagesummen ist der Wechsel natürlich nicht ganz so lukrativ: Bei 1000 Euro kann man in den nächsten zwölf Monaten etwa acht bis neun Euro mehr herausholen. Da werden einige Kunden vermutlich doch eher abwarten und einfach auf bessere Zeiten hoffen.

Tagesgeld im Vergleich

Quelle: ntv.de

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