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Sachsen-Anhalt Nachwuchsparteien in Sachsen-Anhalt melden Zulauf

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Im Jahr 2019 protestierten Jugendliche für mehr Klimaschutz oder gegen automatische Inhalte-Filter im Internet. Doch merken auch die Nachwuchsparteien in Sachsen-Anhalt etwas von der politischen Jugend?

Magdeburg (dpa/sa) - Mehrere Nachwuchsparteien in Sachsen-Anhalt haben im vergangenen Jahr Zulauf verzeichnet. Prozentual das größte Plus meldete die Grüne Jugend, wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur ergab. Nach eigenen Angaben zählten die Nachwuchs-Grünen zum Jahresanfang 2020 mehr als 130 Mitglieder. Das waren fast doppelt so viele wie Ende 2018, als 74 Sachsen-Anhalter dort aktiv waren. Die Jungen Liberalen konnten ein Plus von 20 Mitgliedern auf mehr als 120 verzeichnen. Bei der Jungen Alternative ging es nach eigenen Angaben um zehn Prozent auf 130 Mitglieder nach oben.

Die Junge Union (JU) konnte mehr als 30 Neumitglieder begrüßen, wie JU-Chefin Anna Kreye sagte. Das seien deutlich mehr als in früheren Jahren. Insgesamt sinke die Mitgliederzahl leicht, weil langjährige Engagierte aus Altersgründen ausscheiden müssten. Das Höchstalter liegt bei der JU bei 35 Jahren. Derzeit gebe es rund 600 Mitglieder, sagte Kreye. Vor einigen Jahren seien es um die 700 gewesen. Wenige Austritte habe es auch wegen der Haltung der CDU zu den EU-Plänen für Uploadfilter im Internet gegeben. - Die Linksjugend und die Jusos meldeten keine Zahlen.

Damit folgen die Trends bei den Nachwuchsorganisationen den Entwicklungen der großen Mutterparteien in Sachsen-Anhalt. Auch hier konnten vor allem Grüne und AfD zulegen. Der Rest verliert leicht.

Bei den Bündnisgrünen engagierten sich zuletzt nach eigenen Angaben 1050 Sachsen-Anhalter. Das entspricht einem Plus von rund 20 Prozent. Zulauf habe es vor allem in den Großstädten Magdeburg und Halle gegeben, sagte Landeschef Sebastian Striegel. Auch der grüne Nachwuchs meldete die meisten Neumitglieder in den beiden Großstädten. Dabei habe der Klimaprotest der Bewegung Fridays for Future den jungen Grünen viel Aufmerksamkeit und Zulauf gebracht, sagte Schatzmeister Manuel Klein.

Die AfD hat im Land mehr als 1220 Mitglieder und legte damit im Vergleich zu Ende 2018 um ein Viertel zu. Nach der Kommunalwahl sei die Partei mit mehr Stadt- und Kreisräten sichtbarer, hieß es aus der Geschäftsstelle. Regionale Schwerpunkte gebe es nicht. Die Junge Alternative (JA) registrierte laut Landeschef Jan Wenzel Schmidt vor allem in der Altmark ein Wachstum. Dort sei eine ambitionierte Gruppe aktiv. Vor diesem Hintergrund wolle der AfD-Nachwuchs in diesem Jahr seine regionalen Strukturen ausbauen, so Schmidt.

Grüne Jugend und Junge Union verstärkten ihre Aktivitäten in den Kreisverbänden bereits voriges Jahr. Der CDU-Nachwuchs probierte laut Landeschefin Kreye zudem neue Formate aus. "Wir machen jetzt keine Arbeitsgruppen mehr, sondern Themenstammtische, zu denen wir Verbände einladen oder Unternehmen besuchen", sagte sie. Das komme gut an.

Die Jungen Liberalen wollen einen eigenen Kandidaten für die FDP-Liste für die Landtagswahl 2021 aufstellen. Vorstellungsrunden dazu gebe es Ende Januar, sagte Landeschef Kai Krause. Die Mutterpartei zählte zum Jahresstart rund 1260 Mitglieder. Das seien drei weniger als vor einem Jahr, sagte FDP-Chef Frank Sitta. Das liege nicht an mangelndem Zulauf: Es habe deutlich mehr Ein- als Austritte gegeben. Allerdings seien zwei Dutzend FDP-Mitglieder im Land gestorben.

Ähnliche Trends melden auch andere Parteien: Bei den Sozialdemokraten gab es 188 Eintritte und 152 Austritte. Die Gesamtzahl der Mitglieder sank wegen Wegzügen und Todesfällen trotzdem leicht um 50 auf gut 3570 zum Jahresstart. In die Linke traten 125 Sachsen-Anhalter ein, trotzdem sank die Zahl der Mitglieder binnen eines Jahres um 190 auf gut 3400. Das liege vor allem am hohen Altersdurchschnitt, hieß es. Die CDU als größte Partei hatte zuletzt rund 6320 Mitglieder - 270 weniger als Ende 2018.

Eine andere kleine Partei konnte hingegen im Kommunalwahljahr 2019 kräftig zulegen: Die Freien Wähler verdoppelten die Zahl ihrer Mitglieder bis jetzt binnen eines Jahres nahezu - von 85 auf 150. Darunter sind auch prominente Berufspolitiker: Kurz vor dem Jahreswechsel verkündete der Landtagsabgeordnete Jens Diederichs seinen Eintritt. Damit haben die Freien Wähler plötzlich einen Sitz im Landtag. Zudem stellen sie seit wenigen Tagen auch einen Bürgermeister: Der Osterburger Stadtchef Nico Schulz schloss sich nach seinem Austritt aus der CDU jetzt den Freien Wählern an. Überzeugt habe ihn vor allem, dass diese Partei die kommunalen Interessen an die erste Stelle setze.

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