Reise

Exportschlager Weihnachtsmarkt Auch Briten lieben Glühwein

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Direkt an der Themse, vor der Kulisse des Big Ben, schlendern Besucher über den Kölner Weihnachtsmarkt in London. (Archivbild von Dezember 2010)

(Foto: picture alliance / dpa)

Das Oktoberfest als deutscher Exportschlager ist weltweit bereits etabliert. Besonders die Briten stehen auch auf einen weiteren deutschen Brauch: Weihnachtsmärkte. Wer also zur Adventszeit nach London oder Birmingham, Leeds oder Manchester reist, muss auf diese schöne Sitte nicht verzichten.

Thüringer Bratwürste, Frankfurter Bethmännchen und fränkischer Entenbraten mit Klößen: In Großbritannien wird es weihnachtlich - und deutsch. In der vergangenen Woche öffneten in vielen britischen Städten "German Christmas Markets". Ob am quirligen Südufer der Themse mit Blick auf Big Ben in London, in Birmingham, Edinburgh, Leeds oder Manchester: Glühwein und Lebkuchenherzen ziehen Millionen Briten in ihren Bann.

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Karussell auf dem Londoner Weihnachtsmarkt "Winter Wonderland" im Hyde Park.

(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Während die Marktorganisatoren in Deutschland fast überall noch den Totensonntag abwarteten, klangen in Großbritannien schon am Wochenende süß die Glocken - und die Kassen. Im Londoner Hyde Park geht das Weihnachtstreiben sogar bis nach Silvester weiter. In Deutschland, wo insgesamt weit mehr als 2500 Weihnachtsmärkte mit zusammen über 150 Millionen Besucher in den nächsten Tagen ihre Stände öffnen, träumen die Standbetreiber von solchen Öffnungszeiten.

 "Frankfurter Weihnachtsmarkt" in Birmingham

"Eigentlich war das als einmaliges Projekt geplant", sagt Kurt Stroscher, Organisator des Frankfurter Weihnachtsmarktes. 1997 kam er einer Bitte der Partnerstadt Birmingham nach. Mit elf Ständen zog Stroscher gen England und zauberte ein bisschen deutsche Weihnachtsstimmung in die zweitgrößte britische Stadt, nördlich von London gelegen. "Das war absolute Pionierarbeit", sagt er über die Anfänge. Doch die Briten reagierten begeistert. Der Weihnachtsmarkt wuchs und wuchs. Heute organisiert Stroscher den Frankfurter Markt von Birmingham aus.

In den Ständen drehen sich die Spieße mit Haxen und Grillhähnchen, auf den Glühweinbechern steht: "Frankfurter Weihnachtsmarkt". Im vergangenen Jahr kamen 3,2 Millionen Besucher auf den Markt in der Millionenstadt - viel mehr als auf viele Märkte im Weihnachtsmarkt-Mutterland Deutschland. Insgesamt wurden die deutsche Märkte von sechs Millionen Briten besucht. Zum Vergleich: Zum Oktoberfest in München kamen 6,9 Millionen Menschen.

Alkohol geht am besten

Und die Geschäfte mit den Briten gehen gut. "Wenn ich den gleichen Umsatz in Deutschland hätte, wäre ich froh", sagt Marlies Löwenthal. Sie war schon 1997 mit ihren Ständen dabei. "Ich verkaufe alles, was Alkohol in sich hat", sagt sie. "Deutsches Weizenbier und Glühwein, das sind die Renner", beschreibt sie die Vorlieben der britischen Marktbesucher. Ihr gefällt es in England. Im vergangenen Jahr wurde sogar ihr Enkelkind während des Weihnachtsmarktes in Birmingham geboren.

Der große Absatz werde allerdings durch hohe Kosten wieder aufgefressen. "Ein Liter Glühwein kostet mich 1,70 Euro im Einkauf und obendrauf kommen 2,49 Pfund (2,91 Euro) britische Alkoholsteuer", sagt die Bremerin, die im Sommer mit einer Wildwasserbahn auf deutschen Rummelplätzen unterwegs ist. Hinzu kommt die Logistik. "Wir kommen mit 90 Leuten hier rüber, die müssen untergebracht werden", beschreibt sie die "logistische Meisterleistung", wie sie es nennt. Meisterliches will bezahlt werden: Der Becher Glühwein kostet mit 3,50 Pfund und die Bratwurst mit 3 Pfund ein bisschen mehr als in Deutschland.

Die Schwierigkeiten nimmt sie aber gern in Kauf. "Was mich hier motiviert, ist die unglaubliche Freundlichkeit der Leute", sagt die 56-Jährige. "Sogar wenn ich im Sommer hier bin, werde ich in der Stadt angesprochen", sagt sie. Die Leute würden es einfach genießen, im Freien einen Glühwein trinken zu können und sich gut zu unterhalten.

Quelle: n-tv.de, abe/dpa