Reise

"Der Welt scheint es zu gefallen" Berlin weiter magnetisch

Brandenburger Tor, Museumsinsel, Reichstag, aber auch Kreuzberg, Prenzlauer Berg und das Gehege von Eisbär Knut: Berlin ist weltweit populär und zählt 2010 erstmals mehr als 20 Millionen Übernachtungen. Besonders bei Besuchern aus Israel ist das Interesse enorm gestiegen.

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Auch bei Schnee und Eis: Touristen vor dem Brandenburger Tor in Berlin.

(Foto: dapd)

Berlin ist als Tourismusziel weltweit so gefragt wie nie zuvor. Mit erstmals rund 20 Millionen Übernachtungen in diesem Jahr hat die Hauptstadt diese Marke fünf Jahre früher erreicht als ursprünglich errechnet. "Dies ist ein gigantischer Erfolg für die deutsche Hauptstadt", sagte der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit. Um zehn Millionen Übernachtungen im Jahr zu erreichen, habe Berlin 55 Jahre benötigt. "Die nächsten zehn Millionen haben wir in nur zehn Jahren geschafft."

Ganzjährig interessant

Den Tourismuswerbern von "Visit Berlin" zufolge kamen 2010 rund neun Millionen Gäste. Geschäftsführer Burkhard Kieker: "Die Berliner haben ihre Stadt neu erfunden und der Welt scheint es zu gefallen." Berlin sei mittlerweile international ein "Ganzjahresziel" geworden.

Wowereit fügte hinzu, Berlin habe besonders in den früher schwachen touristischen Zeiten des Jahres zugelegt, beispielsweise im November und Dezember. "Wir haben uns gefragt, warum die Leute zum Christmas-Shopping nach New York fliegen. Wo sie das doch auf Berliner Weihnachtsmärkten viel schöner erleben können."

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Auch vorm Schloss Bellevue steht ein Weihnachtsbaum.

(Foto: dpa)

Inzwischen lebten in der Stadt bis zu 250.000 Menschen, die in der Tourismus-Branche beschäftigt sind, sagte Wowereit. Die Gäste würden pro Jahr rund neun Milliarden Euro Umsatz in die Stadt bringen.

Tourismuschef Kieker nannte die Stadt für Touristen ein "Gesamtkunstwerk". Hier würden Trends für das Zusammenleben gesetzt, auch Tourismus in den Stadtteilen (Kiezen) finde immer mehr Anklang. Im Brennpunkt stünde nach wie vor das Interesse an der Geschichte Berlins, "im Guten wie im Bösen", sowie das große Kulturangebot.

Immer mehr junge Israelis entdecken Berlin

Von den rund 20 Millionen Übernachtungen sei etwa die Hälfte von deutschen Gästen gebucht worden. International ist Berlin besonders in Italien, Großbritannien, Spanien und den USA beliebt.

Besonders hohe Steigerungsraten gibt es in Berlin bei Reisenden aus Israel. "Das ist etwas, was uns sehr berührt", sagte Tourismus-Chef Burkhard Kieker. Von Januar bis Oktober besuchten 55.366 Gäste aus Israel die deutsche Hauptstadt. Im Vergleich zum selben Vorjahreszeitraum ist das ein Anstieg um 33,4 Prozent, wie "Visit Berlin" berichtete. Bei den 173.366 Übernachtungen lag das Plus bei 27,4 Prozent.

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit sagte: "Das freut uns besonders vor dem Hintergrund der Geschichte und schafft wunderbare Gelegenheiten, dass besonders die jungen Menschen aus beiden Ländern aufeinander zugehen."

Keine Angst mehr

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Auseinandersetzung mit der Vergangenheit: Touristen im Holocaust-Mahnmal.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Auch umgekehrt ist nach Angaben der Tourismus-Werber ein starkes Interesse besonders bei Jugendlichen auffällig. So würden immer mehr Berliner die Szene in Tel Aviv mit ihren Clubs und Bars entdecken. In Berlin schauten sich vor allem junge Menschen aus Israel um. Der Geschäftsführer von "Visit Berlin" sagte: "Deren Eltern hatten noch Ängste und mieden Berlin." Aber der heutige Berliner Lebensstil passe nicht mehr zu "üblichen Stereotypen über Deutschland und das vergangene Berlin".

Die nächtliche Szene, die vielseitige und experimentelle Kunst, auch der offene Umgang mit Homosexualität seien Anlass für junge Menschen, nach Berlin zu reisen. Die Gäste aus Israel seien auch "beeindruckt von der hiesigen Ernsthaftigkeit bei der Auseinandersetzung mit der Vergangenheit". Die meisten der Israel-Gäste würden etwa das Holocaust-Mahnmal mit seinem Stelenfeld oder die Anlage "Topographie des Terrors" aufsuchen.

Quelle: n-tv.de, abe/dpa