Reise

Ist das schon ein Touristenboom? Birma zählt und hofft

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Touristen beim Reiseführer-Studium an der Shwedagon-Pagode in Yangon (Rangun).

(Foto: dpa)

Birmas Regierung erwartet - oder ersehnt - in diesem Jahr einen Tourismusboom. Das Land hat auch wirklich einige Schönheiten zu bieten und ist ein attraktives Ziel für Kulturtouristen. Dennoch ist das Reisen in dem Land vielen Beschränkungen unterlegen. Boomt es trotzdem?

Birma erwartet nach Angaben der dortigen Regierung für dieses Jahr einen Tourismusboom. Von Januar bis Juli 2011 hätten etwa 198.000 Touristen das Land besucht, davon etwa 40.000 aus Westeuropa und etwa 13.000 aus Nordamerika. Im gesamten vergangenen Jahr seien es etwa 295.000 Touristen gewesen, die meisten davon waren allerdings Geschäftsleute auf der Suche nach neuen Märkten. (Diese werden in der Statistik auch zu den Touristen gezählt, obwohl ihr Reisegrund kein touristischer ist.)

Aung Kyaw Myat, Vorsitzender des privat geführten Myanmar Tourism Promotion Board, sieht ein großes Potenzial für das Land, hinsichtlich einer weiteren Aufwärtsbewegung bei den Besucherzahlen. Hotelzimmer gäbe es genug, denn viele Hotels haben aufgrund der geringen Auslastung in den vergangenen Jahren ganze Etagen in Büroräume umgewandelt, das wäre rückgängig zu machen. Die brutale Niederschlagung buddhistischer Mönche im September 2007 und die Verwüstungen durch Zyklon "Nargis" im Mai 2008, durch den etwa 138.000 Menschen umkamen, hatten viele Urlauber vor dem Reiseziel Birma zurückschrecken lassen, es folgte eine regelrechte "touristische Austrocknung".

Langsame Erholung

Nun beginnt sich die Branche langsam zu erholen. Die politische Lage entspannt sich seit geraumer Zeit und auch die Hotelpreise sind vielerorts gesunken - ein Argument für Reisende, es doch mal mit Birma zu versuchen. Die Hoteliers, generell zuversichtlich wegen des Besucheraufschwungs, wagen es derzeit noch nicht, die Preise zu erhöhen, aus Angst, Gäste dadurch abzuschrecken.

Denn generell ist Birma kein billiges Reiseziel, der Transport im Land ist recht teuer (und zum Teil auch unsicher - beim Auswärtigen Amt (AA) in Berlin heißt es: "Die Sicherheit des zivilen Flugverkehrs innerhalb Myanmars kann im Einzelfall durch veraltetes bzw. mangelhaft gewartetes Fluggerät lokaler Luftverkehrsgesellschaften beeinträchtigt sein. Die deutsche Botschaft in Rangun rät ihren eigenen Beschäftigten seit Jahren, aus Sicherheitsgründen auf Flugreisen mit der staatlichen Inlandsfluggesellschaft Myanma Airways zu verzichten.")

Reisen nicht ganz einfach

Hinzu kommen staatliche Reisebeschränkungen für einige Landesteile. Reisen in diese Gebiete sowie Ein- und Ausreisen auf dem Landweg erfordern laut AA besondere Reisegenehmigungen. In der Regel muss die Ausreise zudem am selben Grenzübergang wie die Einreise erfolgen - für Rucksacktouristen, die eine Südostasientour machen, eine lästige Angelegenheit. Dem AA zufolge "liegen Berichte vor, dass Reisende trotz Reisegenehmigung von Sicherheitskräften festgehalten wurden. Ausländische Reisende, die ohne erforderliche Reisegenehmigung angetroffen werden, müssen mit Haftstrafen rechnen."

All das wirkt doch eher abschreckend. Aber Birma ist eigentlich ein attraktives Ziel für Kulturtouristen. Es hat eine mehr als tausendjährige Geschichte und Kultur, unzählige Buddha-Statuen und prächtige Pagoden und nicht zuletzt eine überaus freundliche Bevölkerung zu bieten.

Dennoch ist es in der Regel nicht Ziel einer langen mehrwöchigen Reise, sondern eher eines Abstechers von Südostasien-Reisenden. Die meisten Besucher verbringen ein oder zwei Nächte in Yangon (bis 2005 Haupstadt Birmas, danach wurde diese nach Pyinmana Naypyidaw verlegt), dann machen sie Ausflüge nach Bagan zur historischen Königsstadt, nach Mandalay, der letzten Hauptstadt des birmanischen Königreichs (von 1857 bis 1885) und zum Inle-See. Das war es dann meist schon wieder.

Aufgrund der genannten mangelnden Reisefreiheit für Besucher und anderer Einschränkungen sicher kein Wunder. Buddhas, Tempel und Pagoden kann man in den Nachbarländern auch - und einfacher - haben. Den ganz großen Tourismusboom erlebt Birma also derzeit sicher noch nicht. Dafür müsste sich noch einiges ändern.

Quelle: ntv.de, mit dpa