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Zu große Sorglosigkeit Fernreise-Impfschutz muss sein

Viele Urlauber sind sich der möglichen Gesundheitsrisiken an ihrem Reiseziel nicht bewusst und starten ohne ausreichenden Impfschutz. Reisemediziner warnen vor möglichen schweren Folgen einer zu großen Sorglosigkeit.

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Unsauberes Trinkwasser ist in manchen Ländern häufig die Ursache für Erkrankungen.

Fernreisen liegen stark im Trend: Reiseveranstalter erwarten in diesem Jahr eine Rekordzahl von Übersee-Reisenden aus Deutschland von rund fünf Millionen. Viele Urlauber sind sich der möglichen Gesundheitsrisiken an ihrem Reiseziel nicht bewusst und starten ohne ausreichenden Impfschutz. Experten für Reisemedizin warnen vor möglichen schweren Folgen einer zu großen Sorglosigkeit und empfehlen, sich vor jeder Fernreise reisemedizinisch beraten zu lassen.

Ungewohnte klimatische Bedingungen, fremdartige Speisen, mangelnde Trinkwasserhygiene und andere Risikofaktoren können die Gesundheit von Reisenden gefährden. Die häufigsten Reiseerkrankungen sind Infektionen, die über verunreinigte Nahrungsmittel aufgenommen werden, allen voran der Reisedurchfall, von dem etwa jeder Dritte betroffen ist. Bis zu 80 Prozent aller Durchfallepisoden werden von bestimmten Bakterien, so genannten Enterotoxin-bildenden Escherichia coli-Stämmen (ETEC) ausgelöst. Auch bei Einhaltung elementarer Hygiene-Regeln wie "Koch es, schäl es oder verzichte darauf" ist die Vermeidung dieser Infektion auf Reisen schwierig.

Cholera-Schluckimpfstoffe enthalten die rekombinant hergestellte B-Untereinheit des Choleratoxins (CTB). Da diese dem Toxin von ETEC strukturell, funktionell und immunologisch ähnlich ist, können nach Impfung Antikörper gegen CTB über eine Kreuzreaktion auch gegen das E. coli-Toxin schützen. Darauf wies Prof. Thomas Weinke hin, Leiter der Abteilung Gastroenterologie und Infektiologie am Klinikum Ernst von Bergmann in Potsdam. Erkrankungsgeschehen und Zusammensetzung der von den Erregern gebildeten Toxine seien bei ETEC und Cholera ähnlich. "Dadurch kommt die Kreuzprotektion zustande", so der Experte. Dies habe eine neuere Studie gezeigt. "Die Impfung ist sehr patientenfreundlich, denn sie wird oral eingenommen und ist gut verträglich. Das heißt, jeder Reisende kann die Impfung bei richtiger Aufbewahrung zuhause einnehmen."

Eine weitere Infektion, die sich Fernreisende infolge verunreinigter Nahrung zuziehen können, ist Typhus. "Die Impfung ist insbesondere für Reisende sinnvoll, die unter einfachen hygienischen Verhältnissen unterwegs sind", so die Empfehlung von Prof. Weinke, "doch belegen Fallberichte, dass auch im Fünf-Sterne-Hotel Typhus-Infektionen erworben werden können". Zur aktiven Immunisierung steht zum Beispiel eine gut verträgliche Schluckimpfung zu Verfügung, die zu Hause eingenommen werden kann. Diese kann laut Prof. Weinke zusätzlich vor Paratyphus A und B schützen.

Tollwut-Risiko ernst nehmen

Unterschätzt werde häufig die Tollwut-Gefahr auf Fernreisen, sagte Prof. Gerd Burchard, Leiter der Sektion Tropenmedizin am Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf. Weltweit sterben 40.000 - 70.000 Menschen nach Tierbissen an der immer tödlich verlaufenden Infektion, die meisten in den Hauptverbreitungsgebieten China, Indien, Südostasien und Afrika. Auch Urlauber sind laut Prof. Burchard gefährdet: "Das Risiko eines Tierbisses während eines Aufenthalts im Ausland ist höher als oft angenommen", so der Tropenmediziner. Bei Schweizer Entwicklungshelfern fand sich eine Häufigkeit von 1,9 pro 1.000 pro Jahr.

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Tollwut auf Bali: Impfung eines Hundes (Dezember 2009).

(Foto: picture alliance / dpa)

"Ein Tollwut-Ausbruch auf Bali in jüngster Zeit demonstriert, dass auch in Touristengebieten mit der Erkrankung zu rechnen ist", warnte Burchard. Gefahr gehe dabei insbesondere von streunenden Hunden und auch Tempelaffen aus. Untersuchungen zeigen laut Prof. Burchard, dass selbst Risikoreisende häufig unzureichend informiert sind. Eine vorbeugende Impfung empfiehlt Burchard Reisenden in Tollwut-Verbreitungsgebiete, die Tierbisse erleiden könnten, vor allem bei Langzeitaufenthalten, Trekkingtouren und Höhlenbesuchen. Die in Deutschland verfügbaren Tollwut-Impfstoffe sind gut verträglich und schützen wirksam, zum Teil auch vor nicht klassischen Fledermaus-Tollwutvirusstämmen, wie eine neuere Untersuchung zeigt.

Impfung gegen Japanische Enzephalitis für Asienreisende

Potentiell gefährlich ist auch die in Asien weit verbreitete Japanische Enzephalitis (JE). In Asien ist JE so bekannt wie bei uns die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME). Beide Viren gehören zur selben Familie und verursachen ähnliche Krankheitsbilder, gegen die es keine Therapie gibt. Die JE wird im Gegensatz zur FSME von Stechmücken übertragen. Die Infektion kann eine schwere Gehirnerkrankung auslösen. "Den besten Schutz gegen eine Erkrankung an Japanischer Enzephalitis bietet eine vorbeugende Impfung", sagte Dr. Tomas Jelinek vom Berliner Centrum für Reise- und Tropenmedizin.

In Deutschland steht seit April 2009 ein gut verträglicher Impfstoff gegen die Infektion zur Verfügung. Wie Jelinek berichtete, empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Tropenmedizin die Impfung allen Langzeitreisenden und Risikoreisenden in Südostasien, insbesondere bei Aufenthalt in ländlichen Gebieten. Was viele Reisende nicht wissen: Auch die FSME ist in einigen Regionen Süd-Ost-Asiens endemisch, beispielsweise in China und der Mongolei.

Wer in den Tropen Urlaub macht, sollte laut Warentest eine Mückenschutz mit dem Wirkstoff DEET einpacken.jpg

Die Japanische Enzephalitis wird durch Stechmücken übertragen.

Zusätzlich zu den Urlaubsreisen finden in Deutschland pro Jahr 1,5 - 1,8 Millionen arbeitsbedingte Fernreisen statt. Um beruflich Reisende zu schützen, haben die Berufsgenossenschaften einen Grundsatz erlassen - den G35 -, der arbeitsmedizinische Untersuchungen und Beratungen vor einem Arbeitsaufenthalt im Ausland unter besonderen klimatischen und gesundheitlichen Belastungen festlegt. Diese Untersuchungen sollten ernst genommen werden, sagte Dr. Christian Feldhaus, Leiter der Arbeitsmedizin bei der RWE AG in Essen, denn: "Die intensive ärztliche Betreuung von Auslandseinsätzen stellt nicht nur eine moralische und rechtliche Verpflichtung des Arbeitgebers dar, sondern sichert auch die Einsatzfähigkeit von Mitarbeitern und damit den ökonomischen Erfolg von internationalen Projekten". Die Kosten für die auf Dienstreisen benötigten Impfungen trägt in der Regel der Arbeitgeber.

Quelle: n-tv.de, abe/ots

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