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100. Museums-Geburtstag Monaco feiert mit Damien Hirst

Es gibt wohl keinen Künstler, der besser in ein naturhistorisches Museum passt: "Cornucopia" heißt die Hirst-Ausstellung, mit der das Museum für Meereskunde in Monaco Geburtstag feiert.

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Damien Hirsts Skulptur "The Virgin Mother" in Monaco. Im Hintergrund das Ozeanographische Museum.

Es gibt wohl keinen Künstler, der besser in ein naturhistorisches Museum passt als Damien Hirst. Würden sein berühmter in Formaldehyd eingelegter Weißer Hai nicht "The Immortal" heißen, sondern Carcharodon carcharias und sein Hammerhai Sphyrnidae statt "Fear of Flying", wären sie fast mit den Raubtierpräparaten des Ozeanographischen Museums in Monaco zu verwechseln. "Cornucopia" heißt die Damien-Hirst-Ausstellung, mit der das monegassische Museum für Meereskunde seinen 100. Geburtstag feiert. Die an diesem Freitag beginnende Werkschau des britischen Künstlers, der einer der teuersten weltweit ist, hat sich das Museum rund zwei Millionen Euro kosten lassen.

Medienwirksamer Name

Mit der bis zum 30. September 2010 dauernden Ausstellung feiert das Museum, das am 29. März 1910 von Fürst Albert I. nach elfjährigen Bauarbeiten eingeweiht wurde, nicht nur seinen Geburtstag. "Cornucopia", die erste zeitgenössische Ausstellung in dem imposanten Steinbau auf dem Fürstenfelsen, soll auch eine neue Ära einläuten. Das Museum verzeichnet seit rund fünf Jahren einen Besucherschwund und will nun mit Konzerten und regelmäßigen Ausstellungen attraktiver werden. Mit Hirst hat der Museumsdirektor Robert Calcagno auf einen medienwirksamen Namen gesetzt. Seine Erfolgserwartungen sind dementsprechend hoch: "Ich denke, die Ausstellung wird nicht nur die bedeutendste in Monaco sein, sondern auch weltweit", meinte er.

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Die Skulptur "Temple" vor dem Museum.

(Foto: dpa)

Hirst hat kein Werk für die Ausstellung geschaffen, sondern zeigt seine alt bewährte spektakuläre Kunst, darunter seine in Formaldehyd eingelegten Tierkadaver, seine auf Leinwand geklebten schimmernden Schmetterlinge, seine "Drehbilder" und seine riesigen anatomischen Skulpturen, die sich unter die Sammlungen des Museums mischen. Seine blau schimmernden Schmetterlinge hängen über den mit Fischpräparaten gefüllten Glasvitrinen und seine farbenprächtige Acryl-Drehscheibe steht neben einem Taucheranzug aus dem Jahr 1841. Den Ehrenplatz nimmt sein Weißer Hai ein, der mit weit aufgerissenem Maul den Besucher empfängt. Für das 33 Tonnen schwere Werk musste eigens der Boden des herrlichen Säulensaals im Erdgeschoss des Museums stabilisiert werden.

Prominent auch in Monaco

Hirst ist kein Fremder in Monaco. Er kennt Fürst Albert II. persönlich und weilt mindestens einmal pro Jahr in dem kleinsten Staat am Mittelmeer, nicht um ins Kasino zu gehen. "Ich komme regelmäßig zum Grand Prix", sagte der Künstler in einem Gespräch mit der dpa und anderen Medienvertretern. Bei dieser Gelegenheit ginge er mit seinen beiden Kindern immer das Ozeanografische Museum besuchen. Er liebe solche Museen, erklärte er.

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Große Skulptur "Hymn" vor dem Museum.

(Foto: AP)

Der Künstler ist nicht nur wegen seiner eingelegten Kälber und mit Diamanten besetzten Totenschädel umstritten, sondern auch wegen seiner Kommerzialität. Doch gegen Kritik jeglicher Art scheint der Millionär immun. Heute gehe Kunst einher mit Geld, das sei nicht mehr wie noch vor hundert Jahren, erklärte der Schlossbesitzer. Und die schlechte Kritik zu seinem jüngsten Versuch, sich mit klassischer Malerei zu profilieren, lässt ihn ebenfalls kalt. Er könne als Maler nur besser werden, außerdem sei er Kritik ja gewöhnt. "Alles, was ich bisher gemacht habe, wurde polemisiert, ich brauche da nur an den Skandal zu denken, den meine eingelegten Kälber ausgelöst haben", sagte er.

"Zeremonie der Vergangenheit"

Warum er keine Werke für die Ausstellung geschaffen habe? "Schauen Sie sich doch das Museum an. Hier wird die Vergangenheit konserviert und aufbewahrt. Das ist eine Zeremonie der Vergangenheit", erzählte Hirst. Tatsächlich wirkt das Museum mit seinen herrlich bunten Glasfenstern, Jahrhundert alten Parkettböden und ebenso alten Ausstellungsvitrinen wie aus einer anderen Zeit. Ein kleines Schmuckstück, dessen Lüster an die 20er Jahre erinnern, und das zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten des Fürstentums gehört, auch wenn die Besucherzahl in den vergangenen Jahren zurückgegangen ist.

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Für "The Immortal" musste der Boden des Säulensaals im Erdgeschoss stabilisiert werden.

(Foto: AP)

Die Ausstellung wird sicher ein Ereignis. Hirst ist ein Publikumsmagnet, und seine Werke passen wie maßgeschneidert in diesen Tempel der Meereskunst. "Das Museum wertet die Kunst von Damien Hirst auf", sagte der Museumsdirektor. Für Besucher jedoch, die nach dem Unterschied zwischen Kunst und Wissenschaft suchen, könnte auch das Gegenteil der Fall sein.

Quelle: n-tv.de, Sabine Glaubitz, dpa

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