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Verreisen per Mausklick Neue Ideen vom Online-Markt

Bisher werden vor allem Flüge, Hotels oder Mietwagen online gebucht. Bei Pauschalreisen hat sich das noch nicht durchgesetzt.jpg

Bisher werden vor allem Flüge, Hotels oder Mietwagen online gebucht. Bei Pauschalreisen hat sich das noch nicht durchgesetzt.

Viele Kunden schätzen am Reisebüro die Beratung. Genau deshalb buchen sie nicht online. Aber Veranstalter setzen verstärkt aufs Internet. Neu ist dabei die Idee, die Vorteile des Reisebüros mit denen der Online-Welt zu verbinden.

Wer ein Hotelzimmer braucht oder einen Flug, bucht oft gleich im Internet. Bei Pauschalreisen sieht es noch anders aus, da geht der Kunde lieber ins Reisebüro. Viele Veranstalter sind hin- und hergerissen, wie sie damit umgehen sollen.

Die Tui will im Online-Geschäft nun im großen Stil mitmischen. Auf Tui.com lassen sich bisher nur Reisen aus dem eigenen Hause buchen. Das soll nicht so bleiben. "Unser Hauptziel ist, uns stärker an den Kundenbedürfnissen auszurichten", erklärt Kerstin Hartmann von der Tochterfirma Tui Interactive. Dafür soll Tui.com mehr Auswahl erhalten als bisher und auch Angebote anderer Veranstalter umfassen.

Beratungskompetenz der Reisebüros geschätzt

"Bisher werden vor allem einzelne Reiseleistungen wie Flüge, Hotels oder Mietwagen online gebucht", sagt Prof. Torsten Kirstges von der Jade-Hochschule in Wilhelmshaven. "Bei den Pauschalreisen haben sich Online-Buchungen noch nicht durchgesetzt." Das hat vor allem einen Grund: "Weil die Kunden die Beratungskompetenz in den Reisebüros so schätzen."

Hinzu kommt, dass die Pauschalreisen, die bei Buchungsplattformen wie Expedia.de zu haben sind, nach geltender Rechtslage keinen Cent günstiger sein dürfen als im Reisebüro. Wer nicht sowieso schon genau weiß, was er buchen will, nutzt deshalb lieber die Vorteile des sogenannten stationären Vertriebs. Und das ist zuallererst die Möglichkeit, ein direktes Gegenüber mit Fragen zu löchern.

"Mit den Reisebüros den Markt umkrempeln"

Die Tui will jetzt Online- und stationären Vertrieb verknüpfen. Mitarbeiter der Tui und von Reisebüros können sich künftig als Experten registrieren lassen und online ein Profil erstellen. Sie können Tipps schreiben, etwa über Ägyptens beste Tauchreviere oder den neuen Robinsonclub auf Kreta. Und man kann ihnen Fragen stellen - per E-Mail. "Wir wollen gemeinsam mit den Reisebüros den Markt umkrempeln", sagt Kerstin Hartmann. In fünf Jahren soll Tui.com zu den Top Five im Online-Reisemarkt gehören.

Für Michael Buller, Vorstand des Verbands Internet Reisevertrieb (VIR), sind die Pläne der Tui ein Zeichen dafür, dass der Umgang mit dem Netz immer normaler wird: "Durch eBay und Amazon haben die Leute gelernt, dass man online auch einkaufen kann, und durch Facebook gibt es noch mal einen Schub." Ohnehin sei das alles nichts Neues, betont Mathias Brandes, Sprecher von Thomas Cook . Den Ansatz, auf einem Online-Marktplatz Reisen mehrerer Veranstalter anzubieten, verfolge Thomascook.de schon lange.

Anteil der Online-Buchungen bisher gering

Solche Pläne gibt es bei den Baustein-Veranstaltern der Rewe-Touristik Dertour, Meier's Weltreisen und ADAC Reisen nicht: Der Anteil der Online-Buchungen über die eigenen Internetseiten liegt laut Geschäftsführer Michael Frese bei gerade vier Prozent - und bei zwölf Prozent, wenn alle übrigen Online-Buchungsmöglichkeiten eingeschlossen werden.

Dass die Beratungskompetenz der klassischen Reisebüros nun mit den Möglichkeiten der Online-Welt kombiniert werden soll, findet Buller "sehr smart". Das 08-15-Geschäft werde sich dadurch kaum ändern. "Aber wann brauche ich Beratung? Wenn es kompliziert wird." Gerade bei spezielleren Themen, wenn es nicht nur um Strandurlaub geht, sei der Ansatz spannend.

Auch Prof. Kirstges findet das vielversprechend. Viel hänge allerdings von der Qualität der Beratung über die Experten ab. "Spezialisten zum Beispiel zum Gleitschirmfliegen in der Provence finde ich ja auch per Google. Wo ist da der große Vorteil von Tui.com?" Und die Nutzerfreundlichkeit sei entscheidend - Unübersichtlichkeit, lange Wartezeiten und technische Probleme gingen Kunden schnell auf die Nerven.

Quelle: n-tv.de, dpa

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