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Andere Länder, andere Sitten So feiert die Welt Weihnachten

Immer mehr Menschen zieht es über Weihnachten in den Süden: Bei 30 Grad unter Palmen entspannen, den Blick über blaues Meer und wolkenlosen Himmel schweifen lassen ist für sie attraktiver, als bei Kälte zu Hause zu bleiben. Auf liebgewonnene Weihnachtsbräuche wollen viele dabei aber nicht verzichten. Wie können Urlauber auch im Süden gewohnte Rituale zelebrieren? Und welche Bräuche pflegen andere Völker?

Kanarische Inseln: Palmen und Tannen

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Weihnachtsbaum vor dem Rathaus in Las Palmas de Gran Canaria.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Oh Palmenbaum oder oh Tannenbaum - auf den Kanaren geht beides. Traditionell schmücken die Canarios an Weihnachten eher Palmen oder Gummibäume. Urlauber, die nicht auf einen Tannenbaum verzichten möchten, werden zumindest in den Touristenzentren fündig. Neben Plastikbäumen sind inzwischen sogar importierte Nordmanntannen erhältlich, die oftmals bereits fertig geschmückt sind. Wer seinen Baum selbst dekorieren möchte, findet ab Anfang Dezember eine reichhaltige Auswahl an Weihnachtsschmuck.

In den Touristenzentren bieten deutsche Bäckereien auch bei 25 Grad im Schatten Leckereien wie Lebkuchen oder Zimtsterne. Viele Hotels haben sich auf ihre deutschen Gäste eingestellt und weihnachtlich geschmückt, bieten Plätzchenbacken für Kinder und ein festliches Weihnachtsessen mit Lichterglanz und Weihnachtsliedern.

Italien: Bescherung am 25. Dezember

Die Italiener lieben Weihnachten als Familienfest – und feiern es gleich drei Mal. In den Alpen macht das Nikolaus-Fest den Auftakt. Das eigentliche Weihnachtsfest wird landesweit am 25. Dezember gefeiert – mit einer Bescherung für die Kinder am frühen Morgen. Das Finale findet am 6. Januar statt, wenn die gute Hexe La Befana nochmals die Kinder beschert: Brave Kinder bekommen Geschenke, unartige immerhin Süßes. Bereits am Vorabend wird allerdings vorgesorgt: Kinder hängen ihre Strümpfe an Kamin oder Fenster und stellen etwas zu Essen für La Befana bereit.

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Gleich mehrere Befanas, hier in Venedig: sie bringt am 6. nochmals Geschenke.

(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Beim Schmuck ist das christliche Land geteilt: Entweder steht ein Tannenbaum oder eine Krippe im Wohnzimmer. Zudem lauscht das Land der traditionellen Weihnachtsbotschaft des Papstes in Rom mit seinem Segen ,urbi et orbi´ (Der Stadt und der Welt).

Island: 13 freche Trolle kommen

Die Weihnachtszeit beginnt in Island 13 Tage vor Heiligabend: Bis zum 24. Dezember kommt dann jeden Tag ein sogenannter Weihnachtsgeselle. Der Tradition nach sind sie für ihre Unarten bekannt – jeder der 13 Weihnachtsgesellen steht für einen anderen Streich. So stiehlt der Legende nach Kertasníkir am Heiligabend das Kerzenlicht. Aber die Trolle bringen den Kindern auch kleine Geschenke mit, wenn sie brav waren. Die unartigen Kinder hingegen bekommen nichts oder nur eine rohe Kartoffel. Wie beim deutschen Nikolaus werden die Geschenke in Schuhen versteckt.

Heiligabend gedenken die Isländer zuerst der Verstorbenen bei einem Besuch auf dem Friedhof. Um 18 Uhr läuten die Kirchenglocken die Weihnachtsnacht ein. Nadelbäume als Weihnachtsbäume gibt es übrigens erst seit den 1960er Jahren – mangels Tannen wurden früher Holzgestelle grün angemalt.

Mexiko: Mit verbundenen Augen die Todsünden schlagen

Die Weihnachtszeit beginnt hier am 16. Dezember mit den ,Posadas´ - neun Abende, die für die Schwangerschaft der Gottesmutter Maria und die Herbergssuche mit Josef stehen. Typisch bei diesen Feiern mit Familie und Freunden ist die Pinata, eine Figur aus Pappmaché, gefüllt mit Süßigkeiten, Früchten oder auch kleinem Spielzeug. Jeder schlägt mit einem Stock darauf. Heiligabend ist die neunte Posada: Man geht in die Kirche, dann ist Abendessen und Bescherung.

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Pinatas gibt es in allen möglichen Formen - Hauptsache bunt.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Traditioneller Schmuck ist der Weihnachtsstern (Nochebuena). In der Ferienregion Cancun/Playa del Carmen ist der US-Einfluss zu spüren: Santa Claus und Weihnachtsbeleuchtungen sind überall zu sehen. In den Hotels werden echte Weihnachtsbäume aufgestellt, nur die Schneemänner draußen sind aus Plastik. Auch der Tag der Heiligen drei Könige am 6. Januar (Reyes Magos oder Santos Reyes) wird noch groß gefeiert.

Australien: Public Singing statt Public Viewing

In Australien fällt Weihnachten in den Frühsommer: Kein Wunder, dass es dem Weihnachtsmann oft zu warm ist und er gelegentlich die Badehose bevorzugt. An manchen Stränden kommt er auf Wasserskiern oder auf dem Surfbrett zur Bescherung. Die Australier verbringen die Weihnachtszeit hauptsächlich unter freiem Himmel – mit Cricket oder Schwimmen. An Heiligabend verlegen viele Familien den Festschmaus, traditionell Putenbraten und Plumpudding, in den Garten und am ersten Weihnachtsfeiertag zieht es viele zum Picknicken oder Grillen an den Strand - ausgestattet mit aufblasbaren Weihnachtsbäumen.

Doch auch Freunde von Lichterglanz und Co. kommen auf ihre Kosten: Städte sind festlich beleuchtet, Hausbesitzer wetteifern um die  schönste Weihnachtsdekoration und die Zutaten für Weihnachtsplätzchen sind problemlos erhältlich - ebenso wie Erdbeeren, die gerade Saison haben.

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Weißer Sand statt weißem Schnee: Weihnachten am Strand - hier in Bondi Beach, Sydney.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Die meisten Städte und Gemeinden organisieren abendliche Treffen mit Konzerten und dem gemeinsamen Singen von Weihnachtsliedern – Public Singing statt Public Viewing. Die größte Veranstaltung findet in Melbourne statt: Tausende Menschen versammeln sich in der City, sitzen auf Decken, zünden Kerzen an und singen Weihnachtslieder. Statt auf den Santa Claus warten die Kinder auf "Father Christmas" - viele am Strand, weil er gerne auf einem Surfbord kommt.

Als heimischer Schmuck ist ein "Weihnachtsbusch" typisch. Zur Auswahl stehen verschiedene Pflanzen, Tradition ist, dass sie in Australien gewachsen und rote oder weiße Blüten tragen sollten. Neben Weihnachtsbaum und Socken am Kamin darf süßes Gebäck nicht fehlen. Im Weihnachtspudding findet sich eine Münze – zu Zeiten des Goldrausches vor etwa 160 Jahren war es ein Goldstück.

Südafrika: Weihnachtsbäume aus Plastik oder Draht

Auch in Südafrika kommt der Weihnachtsmann bei hochsommerlichen  Temperaturen ganz schön ins Schwitzen. Der Vielvölkerstaat wartet mit einer Vielzahl an Weihnachtsbräuchen auf, von denen viele deutschen Reisenden vertraut sind. Weihnachtsbäume sind weit verbreitet, wobei statt Tannen eher Affenbrot- und Baobab-Bäume oder Plastik- und  Drahtbäume zum Einsatz kommen. Kunstvoll werden sie mit europäischem Christbaumschmuck oder Figuren aus Glasperlen geschmückt. Auch für viele Südafrikaner darf ein Festessen im Kreis der Familie zu Weihnachten nicht fehlen. Dabei haben sie die Wahl zwischen einem traditionellen Festschmaus in der guten Stube, zum Beispiel Truthahn, oder einem Barbecue am Strand.

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Ein Straßenverkäufer in Johannesburg mit Weihnachtsbäumen aus Draht und Weihnachtsmannmasken.

(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Doch Südafrika beherbergt viele andere Kulturen. Die vier "Haupt-Kulturen"sind die Zulus, Xhosas, Cape Malay und Afrikaans. Bei den Zulus heißt Weihnachten Ukrisimusi. Der Dorfchef schlachtet am 24. Dezember einen Ochsen oder ein Schaf. Das Tier wird von den Frauen zubereitet, das ganze Dorf feiert dann am 25. Dezember. Jeder bringt Salat oder Milli-Pap (Maisbrei) mit. Getrunken wird selbst gebrautes Bier.

Auch die Xhosa schlachten am Weihnachtstag (Ikresmesi) Schafe, Schweine oder Hühner. Die Kinder gehen von Tür zu Tür und bitten um Süßigkeiten – wie an Halloween. Am 25. Dezember ist das eigentliche Weihnachten: Die Leute stehen vor dem Morgengrauen auf und begrüßen den Tag vor ihrer Tür mit einem lauten "Happy Christmas". Gastgeber gehen von Tür zu Tür und laden Nachbarn, Freunde und Familie zu einem großen Fest ein.

In der Cape Malay Kultur ist im Dezember Frühjahrsputz angesagt: Das Haus bekommt innen wie außen einen neuen Anstrich, Vorhänge werden ausgewechselt, neue Kleidung und Bettbezüge gekauft. Am 24. Dezember schmücken die Leute nach dem Kirchgang den Weihnachtsbaum, Geschenke gibt es am 25. Dezember. Als Hauptessen gibt es Weihnachtsschinken und zum Nachtisch Früchtekuchen.

Die Afrikaans beschenken sich schon am 24. Dezember, der eigentliche Weihnachtstag ist der Folgetag. Gefeiert wird gerne draußen beim Grillen. Die Frauen haben an diesem Tage frei und die Männer kümmern sich um das - von den Frauen vorbereitete - Essen.

Indien: Riesige Krippen und Kokosnuss-Gebäck

Weihnachten feiern vor allem Katholiken, die in Indien einen Anteil von etwa 30 Prozent ausmachen und meist in der Region Goa wohnen. Zwei Wochen vor dem Fest gehen die Kinder mit Weihnachtsmützen auf dem Kopf durch die Dörfer und singen Jingle Bells. Das klingt mehr schlecht als recht, ist aber immer witzig. Sie wünschen per Handschlag "Merry Christmas" und erbitten Kleingeld oder Süßigkeiten.

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Sadhu und Weihnachtsmann am Ganges in Allahabad.

(Foto: ASSOCIATED PRESS)

In vielen Dörfern werden Krippen gebaut, in denen es leuchtet und funkelt und in denen sich Dinge bewegen – bis hin zu kleinen Wasserläufen. Manche sind riesig, man kann hineingehen. Enthüllt werden die Kunstwerke, die auch kritische Themen wie Abfallentsorgung aufgreifen, aber erst am 24. Dezember nach der Mitternachtsmesse. Die schönsten drei Bauwerke erhalten einen Geldpreis, die Menschen fahren übers Land, um sie zu bestaunen.

Einen Tag vor Weihnachten werden drinnen beleuchtete Sterne und draußen bunte Lichterketten aufgehängt. Ein farbenfroher Anblick in den sonst kaum beleuchteten Straßen. Zum Naschen gibt es frittiertes Süßes aus Kokosnuss, Mehl und Zucker. Diese "Niorios" und "Kormolas" werden auch an Verwandte und Freunde verteilt.

Feiern wie zu Hause

Dank der Globalisierung werden heute fast auf der ganzen Welt Geschäfte weihnachtlich geschmückt und rund um den Globus  erschallt "Jingle Bells". Auch wer in einem Land ohne eigene  Weihnachtstradition wie zum Beispiel in Thailand unterwegs ist, muss  meist nicht auf einen Hauch der vertrauten Weihnachtsatmosphäre  verzichten. Wer hier jedoch ganz wie in Deutschland feiern möchte,  der sollte Zimtsterne, Weihnachtsbaum und -schmuck von zuhause  mitbringen. Unterstützung gibt es von manchen Fluggesellschaften, die anbieten, Weihnachtsbäume kostenlos zu befördern.

Tipp für Reisende mit weihnachtlichem Gepäck: Damit der Weihnachtsbaum und alle Leckereien tatsächlich am Ferienort ankommen, sollten Urlauber sich vor Reiseantritt über die Einfuhrbestimmungen am Ziel informieren. In einigen Ländern ist nämlich die Einfuhr von Lebensmitteln verboten oder streng begrenzt.

Quelle: n-tv.de, abe/ots/TUI

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