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Irgendwann "den Stecker ziehen" Becker plant Rückzug aus der Öffentlichkeit

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Dass Boris Becker die Öffentlichkeit wirklich aufgibt, darf bezweifelt werden.

(Foto: imago images/CHROMORANGE)

Boris Becker liebt die Schlagzeilen und umgekehrt. Nun verrät die Tennis-Legende aber, dass sie keine Lust mehr auf Öffentlichkeit habe, sich "instrumentalisiert" fühle und "den Stecker ziehen" wolle. Dass dies in einem eigens für Becker entworfenen Amazon-Podcast passiert, ist absurd.

Boris Becker spricht über Boris Becker: Die Tennis-Ikone erzählt derzeit Woche für Woche ihr Leben auf und neben dem Court nach. Im Amazon-Music-Podcast "Boris Becker - Der Fünfte Satz" geht es um die "Herausforderungen, Erfolge und Enttäuschungen" seiner Laufbahn. Gesprächspartner ist Johannes B. Kerner. In der ersten von fünf Episoden erzählte Becker nun davon, sich ständig auch mit privaten Dingen in den Schlagzeilen wiederzufinden - und verrät, wann er keine Lust mehr auf den Öffentlichkeitstrubel hat.

"Wie endet die Geschichte Boris Becker medial?", fragt sich die Tennis-Legende selbst. "Wie kann ich den Stecker ziehen?" Darüber habe er sich nun Gedanken gemacht. Seit seinem Wimbledon-Sieg vor über drei Jahrzehnten ist Becker in den Zeitungen, Magazinen und TV-Sendungen zu Hause. Dabei geht es schon lange nicht mehr um seine sportlichen Erfolge, sondern um seine Frauen und Ehen, seine Kinder oder zuletzt auch immer häufiger um unerfreuliche Themen wie seine finanziellen Probleme. Den 7. Juli 1985, der Tag an dem er als 17-Jähriger die Wimbledon-Trophäe zum ersten Mal in die Höhe stemmte, bezeichnet Becker im Gespräch mit Kerner trotzdem als "zweiten Geburtstag".

Ein wenig wundert er sich aber dennoch über die mediale Aufmerksamkeit: "Seit diesem Tag wird unglaublich viel über mich berichtet", sagt Becker. "Ich dachte, das hört irgendwann mal auf. Dass ich mit 53 immer noch so spannend bin, überrascht mich." Allerdings trägt Becker seit jeher nicht gerade wenig dazu bei, dass allseits über ihn berichtet wird. Im Gegenteil - immer wieder trägt er Themen selbst in die Öffentlichkeit: Affären, Samenraub, schmutzige Scheidungen, Steuerhinterziehung, Schulden, Privatfehden etwa mit Oliver Pocher, Bankrott.

Warum hat er den Stecker nicht längst gezogen?

"Ich war viel zu offen, viel zu blauäugig, viel zu nett, denn ich hatte nichts zu verbergen", sagt Becker nun. "Dass ich instrumentalisiert wurde über Jahrzehnte, habe ich erst vor fünf oder sechs Jahren wirklich kapiert." Bei Twitter ist die Tennis-Legende dennoch eifrig aktiv, gibt seine persönliche Meinung zu allen möglichen Themen preis und legt sich gerne mit dem australischen Tennis-Star Nick Kyrgios an.

Im Jahr 2020 richten sich die Scheinwerfer auf Boris Becker vor allem, weil er sich vor einem Londoner Strafgericht verantworten musste: In seinem Insolvenz-Verfahren soll er in 19 Fällen seiner Informationspflicht vor Gericht nicht nachgekommen sein und unter anderem Pokale, Medaillen und die Familienvilla in Leimen nicht angegeben haben. Das Haus steht derzeit im Internet zum Verkauf, auf den ehemaligen Tennis-Profi wartet im September 2021 in dem Verfahren noch ein Prozess vor einem Londoner Gericht.

Becker fühlt sich medial geächtet, sagt in dem Podcast aber auch, er wolle "berührbar bleiben". Letztendlich profitiert er durch die Aufmerksamkeit wohl finanziell wie kein anderer, was er derzeit gut gebrauchen kann. Deshalb auch dieser neue Amazon-Podcast, der ihn ja wieder in die Schlagzeilen trägt.

Irgendwann aber, sagt er, "werde ich in die Situation kommen, ich schwöre das, wo ich den Stecker ziehen werde und wo es die öffentliche Person Boris Becker nicht mehr gibt." Dies sei der einzige Weg. Warum die Tennis-Legende diesen Stecker aber nicht längst gezogen hat, da er doch wie jetzt selbst erklärt, seine Instrumentalisierung vor Jahren "kapiert" habe, verrät Boris Becker wohl nur Boris Becker. Aber Boris Becker liebt Boris Becker in den Schlagzeilen wahrscheinlich zu sehr, als dass er die Aufmerksamkeit einfach aufgeben wird.

Quelle: ntv.de

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