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Interview mit Heinevetter "Bei Gesichtstreffer vier Zähne abgesplittert"

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"Beim Match gegen Argentinien sind mir bei einem Gesichtstreffer vier Zähne abgesplittert": Silvio Heinevetter.

(Foto: imago/Agentur 54 Grad)

Der Berliner Torhüter Silvio Heinevetter ist mit seinen 34 Jahren der Routinier im WM-Aufgebot der deutschen Handball-Nationalmannschaft. Im Interview mit n-tv.de spricht er über die Kollegen, den Trainer, seinen Mitstreiter und Konkurrenten Andreas Wolff und warum kurz vor dem Turnier in Deutschland und in Dänemark zum Zahnarzt musste.

n-tv.de: Heute ist Ihr letzter freier Tag. Können Sie noch einmal Atem holen?

Silvio Heinevetter: Schön wäre es. Aber ich komme gerade vom Zahnarzt.

Was ist passiert?

Beim Match gegen Argentinien sind mir bei einem Gesichtstreffer vier Zähne abgesplittert. Gott sei Dank habe ich einen guten Zahnarzt, der mich heute morgen gleich dazwischen geschoben und das Frontalzahntrauma behandelt hat. Gott sei Dank hat diese Sache keinerlei Konsequenzen für die WM. Aber sicher: Es gibt schönere Momente als auf einem Zahnarztstuhl zu sitzen und dem Geräusch des Bohrers zu lauschen. Aber passt schon, auch wenn mein Zeitplan für heute ein wenig durcheinander gewirbelt wurde.

In den Vorbereitungsspielen gegen Tschechien und Argentinien präsentierten Sie sich in richtig guter Verfassung. Ist Silvio Heinevetter bereits in WM-Form?

Ich glaube, wichtiger ist, dass das Zusammenspiel zwischen Torhüter und Abwehr stimmt, weil wir so auf das Spiel Einfluss nehmen können: beim Gegenstoß und auch bei der zweiten Welle. Was das schnelle Spiel angeht, sind wir tatsächlich ganz gut in Tritt gekommen. Ich persönlich habe keine Probleme, mir geht es gut, ich sitze in den Startlöchern und freue mich darauf, dass es endlich losgeht.

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"Er ist deutlich offener geworden": Heinevetter mit Bundestrainer Christian Prokop.

(Foto: imago/Oliver Ruhnke)

Welche Zielsetzung haben Sie teamintern ausgegeben?

Wir haben keine konkrete Zielsetzung. Natürlich sind sowohl die Erwartungen als auch der Druck groß. Aber für mich zählt gegenwärtig nur das Auftaktspiel gegen Korea am Donnerstag in Berlin. Da wollen wir gewinnen. Auch, weil Eröffnungsspiele in einem Turnier immer ein wenig komisch sind. Man weiß nicht so richtig, wie man in die WM reinkommen wird. Erst danach schauen wir auf den zweiten Gegner. Aktuell weiß ich gar nicht, gegen wen wir danach spielen werden. Interessiert mich gegenwärtig auch nicht.

Wie ist denn die Stimmung im Team?

Sehr gut.

Spielt die verkorkste EM vor einem Jahr keine Rolle mehr?

Wir stehen unmittelbar vor einem großen Turnier. Da jetzt über das vergangene Jahr zu sprechen, ist komplett fehl am Platze. Klar, es wurden Fehler gemacht von allen möglichen Seiten. Wir haben uns damit ordentlich auseinandergesetzt. Aber die Zeit der Rumquatscherei ist nun endgültig vorbei. Der Fokus liegt nun zu 100 Prozent auf der Heim-WM. Und das ist auch gut so.

Bundestrainer Christian Prokop hat mehrfach beteuert, dass er sich geändert habe und die Spieler mehr in die Entscheidungsprozesse einbinde. Spürt man das in der gemeinsamen Arbeit?

Kann ich bestätigen. Er ist deutlich offener geworden. Aber eines ist auch klar: Wenn du gewinnst, ist immer alles superschick. Aber wenn es mal einen Rückschlag wie die EM gibt, ist es die große Kunst, daraus gestärkt zurückzukommen. Und da sind wir auf einem richtig guten Weg.

Mit 34 Jahren sind Sie so etwas wie der Routinier des Teams. Sind Sie auch Ansprechpartner für den Trainer und für Ihre Mitspieler?

Ja, klar. Aber ich dränge mich keinem auf. Ich bin der erfahrenste Spieler im Kader, aber das ist egal. Wenn wir auf dem Feld stehen, zählen alle gleichviel, auch wenn ich in meiner Zeit deutlich mehr Spielsituationen erlebt habe als andere. Am Ende aber zählt die Leistung.

Im Tor stimmte die Leistung in den letzten beiden Spielen. Gibt es für die Torhüter noch eine spezielle Vorbereitung im Hinblick auf das erste Spiel?

Mit Korea haben wir uns bislang noch überhaupt nicht beschäftigt. Der Fokus lag zuletzt allein auf uns. Wenn wir das abrufen, was wir können, dann müssen wir uns auch nicht zu sehr auf einen Gegner fixieren.

Gemeinsam mit Andreas Wolff bilden Sie ein Weltklasse-Torhütergespann. Sind Sie beide eher Konkurrenten, Freunde oder einfach nur Kollegen?

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"Und wenn Andy 60 Minuten super spielt und ich sollte deshalb auf der Bank sitzen, bin ich dennoch zufrieden": Konkurrent Andeas Wolff.

(Foto: imago/Beautiful Sports)

Andy will gewinnen, ich will gewinnen. Und wenn am Ende ein Sieg auf der Anzeigentafel steht, sind wir beide glücklich. Am wichtigsten ist der Mannschaftserfolg, der steht über allem. Und wenn Andy 60 Minuten super spielt und ich sollte deshalb auf der Bank sitzen, bin ich dennoch zufrieden. Da neidet keiner dem anderen eine gute Leistung, auch wenn ich nicht auf Andy schauen werde, und Andy nicht auf mich. Außerdem: Mit einem Torhüter allein wirst du nicht durch das Turnier gehen können.

Geben Sie sich gegenseitig Tipps?

Na klar, das ist doch völlig normal. Wenn ich auf der Bank sitze und mir irgendetwas auffällt, dann sage ich ihm das. Und umgekehrt ebenso. Manchmal hat man schon einen besseren Blick auf die Dinge, wenn man draußen sitzt.

Sie sind zwei höchst verschiedene Torwarttypen. Was unterscheidet Sie?

Andy ist mit seiner Größe und mit seiner Spannweite ein wenig stoischer als ich. Und ich bin vielleicht ein wenig mehr intuitiv. Aber es ist sehr schwer, über sich selbst zu reden.

Die Anspannung wird in den kommenden zwei Wochen riesig sein. Was machen Sie zwischen den Spielen, um auch mal ein wenig herunterzufahren?

Da wird sich die eine oder andere Freizeitgruppe zusammenfinden. Wir werden Darts spielen, oder wir werden auch mal eine Runde Skat spielen.

Sind Sie Skatspieler?

Das ist doch bekannt. Ich bin ein leidenschaftlicher Skatspieler. Aber leider gibt es immer weniger Leute, die Skat spielen können. Vor allem, die es gut können. Wenn einer das Reizen nicht beherrscht, dann muss ich mich erst gar nicht mit dem an einen Tisch setzen. Es muss ein gewisses Niveau vorhanden sein, um miteinander zu spielen.

Und was machen Sie nun mit dem Rest Ihres letzten freien Tages?

Wäsche waschen!

Mit Silvio Heinevetter sprach Arnulf Beckmann

Quelle: n-tv.de

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