Sport

"Wenn du in Spiegel schaust ..." Boris Becker ätzt gegen Zverev-"Verräter"

imago0046950684h.jpg

Boris Becker twittert wieder.

(Foto: imago images/Nordphoto)

Das ist ein Schlagabtausch abseits des Tennisplatzes: Boris Becker und Nick Kyrgios liefern sich bei Twitter ein hartes Duell. Der Grund heißt Alexander Zverev. Weil der gegen die Corona-Maßnahmen verstößt, kritisiert ihn Kyrgios. Das wiederum stößt Becker übel auf - und das Buchstaben-Spiel beginnt.

Nun, wahrscheinlich hat sich Alexander Zverev nicht allzu viel gedacht, als er zur Party in seiner Wahlheimat Monaco aufgebrach. Gemeinsam mit Modedesigner Philipp Plein und seiner Freundin Brenda Patea verbrachte der Tennisprofi eine ausgelassene Zeit. Scheinbar fernab von Corona-Krise und sonstigen Problemen. Doch dass das Virus längst nicht ausgerottet ist, musste der 23-Jährige schnell feststellen, als die Kritik an ihm laut wurde. Noch lauter als ohnehin schon nach seiner Teilnahme an der umstrittenen Adria-Tour, die der Weltranglisten-Erste Novak Djokovic organisiert hatte.

Doch nun schaltete sich Boris Becker ein. Und kritisierte seinen Nachfolger nicht etwa, sondern nahm ihn in Schutz. Verteidigte ihn gegen Nick Kyrgios, der das fahrlässige Verhalten von Zverev scharf verurteilt hatte. Er hatte in einem Instagram-Video gewettert: "Mann, wie egoistisch kannst du sein?" Und fügte an: "Das kotzt mich an." Der Head of Men's Tennis und damit auch Zverevs Leiter des Spitzentennis in Deutschland, Becker, ätzte nun via Twitter gegen den australischen Konkurrenten. "Ich mag keine Verräter", schrieb Becker. "Jeder, der andere Sportler beschimpft, ist kein Freund von mir! Wenn du in den Spiegel schaust, glaubst du dann, du bist besser als wir?"

Es sei ein Fakt, dass die Welt derzeit mit einer Pandemie umgehen muss, dass es um Menschenleben geht. Doch "Verräter" - er nutzte das englische Wort "rats" (deutsch: Ratten) müsse man nicht mögen, auch wenn man den Regeln folgt, so Becker weiter.

Eine Antwort ließ nicht lange auf sich warten. "Um Himmels willen, Boris", reagierte Kyrgios. "Es geht mir nicht um einen Wettkampf oder darum, jemanden den Haien zum Fraß vorzuwerfen. Wir haben eine globale Pandemie und wenn jemand so dämlich ist, das zu tun, was Alex getan hat, dann werde ich es benennen. So einfach." Die unfreundliche Bezeichnung "Verräter" wies er konsequent zurück. Das sei auch für einen Champion wie Becker eine "seltsame Art". Den ehemaligen Profi, den er im nächsten Post einen "Donut" nannte, kritisierte er noch nachträglich zynisch: "Er kann einen Volley schlagen, ist aber offensichtlich nicht das hellste Licht im Hafen."

Zverev muss jetzt in Quarantäne

Der 52-Jährige wiederum schlug zurück und fragte, ob er denn in Australien alle Regeln brav befolgt würde. Außerdem merkte er an, gebe es ein "unausgesprochenes Verständnis" im Sport, dass niemand über andere lästern würde. Die ehemalige Nummer eins griff noch weiter: Er würde sich wünschen, dass Kyrgios einen Grand Slam gewinnen könnte, sodass er zum Vorbild der Jugend der Welt werden würde, die sich mit den "Themen Gleichheit/Rasse/Erbe" befasst.

Der Schlagabtausch der beiden kommt durchaus überraschend. Kyrgios, der als "Bad Boy" des Tennis gilt, hatte bislang häufig Rückendeckung von Becker erhalten. Der frühere Weltstar hatte sogar damit geliebäugelt, Kyrgios zu trainieren. Doch nun, wo der Australier als mahnende Stimme der Vernunft auftritt, wendet sich das Blatt.

Der Angriff von Becker erzeugte in dem Sozialen Netzwerk viele Reaktionen, auch von Unbeteiligten. Einige werfen ihm vor, den Falschen in Schutz zu nehmen. Wer wie Zverev unüberlegt handele, gehöre kritisiert. Deutschlands Nummer eins kam glimpflich davon, hatte sich, anders als weitere Teilnehmer des Adria-Turniers, nicht mit dem Coronavirus infiziert. Reumütig hatte er danach erklärt: "Ich bitte vielmals um Entschuldigung bei allen, die ich möglicherweise in Gefahr gebracht habe, indem ich bei dieser Tour gespielt habe." Er wolle dennoch vorsorglich in häusliche Quarantäne gehen. Nur hielt diese offenbar nicht allzu lange an. Die Party kam dazwischen.

Will er aber tatsächlich am Turnier in Berlin teilnehmen, muss er sich nun zügig doch noch in Quarantäne begeben. Das bestätigte Barbara Rittner, Deutschlands Tennischefin. Das Turnier beginnt am 13. Juli, bis dahin werde Zverev noch einmal getestet und solle in der Isolation in Ruhe trainieren, schrieb Rittner vor. Pikant: Auch Kyrgios wird bei dem Turnier erwartet.

Quelle: ntv.de, ara