Sport

Favoriten bei der Tour de France Buchmann lauert in Alaphilippes Schatten

20f33db9995886412ada19e6805095f8.jpg

Emanuel Buchmann (r.) scheint wieder einmal ein richtig starker Deutscher zu sein.

(Foto: dpa)

969,5 Kilometer sind es noch bis Paris. 969,5 Kilometer, in denen die Franzosen vom ersten Heimsieg seit 34 Jahren durch Julian Alaphilippe oder Thibaut Pinot träumen. Doch nur 2:14 Minuten trennen die Top Sechs - und auch der Deutsche Emanuel Buchmann mischt im Vorderfeld mit. Titelverteidiger Geraint Thomas hinterlässt dagegen keinen souveränen Eindruck. Die letzten 969,5 Kilometer der 106. Frankreich-Rundfahrt versprechen eine Menge Spannung. Der Sieger der wichtigsten Rundfahrt des Jahres dürfte aus diesem Sextett kommen:

43185dc0d079822957815c1dd5e4f630.jpg

Die Strapazen sind auch dem Tourführenden anzusehen.

(Foto: REUTERS)

Julian Alaphilippe (1. Platz): Der Franzose verblüfft die Radsport-Szene und lässt sogar Staatschef Emmanuel Macron von einem "historischen Tag" träumen. Erst auf der letzten Pyrenäen-Etappe büßte der 27-Jährige einige Sekunden ein. Doch was Alaphilippe bislang gezeigt hat, war beeindruckend - egal ob auf windanfälligen Flachetappen, im Zeitfahren oder im Hochgebirge. Schon zwei Etappensiege holte sich der Franzose, der am Dienstag den elften Tag in Gelb bestreiten wird. Dabei gehört er eigentlich gar nicht zu den Bergspezialisten. Inzwischen glaubt sogar Bernard Hinault, der letzte französische Tour-Champion, an seinen Landsmann: "Er ist in der Lage, den Weg zu Ende zu gehen."

Geraint Thomas (2.): Stark in den Vogesen, solide im Zeitfahren, aber deutliche Schwächen bei den Bergankünften in den Pyrenäen: Kann der walisische Titelverteidiger in den Alpen noch kontern? 1:35 Minuten liegt Thomas nur hinter Alaphilippe, doch dicht hinter ihm lauern starke Konkurrenten. Der Titelverteidiger hinterlässt keinen souveränen Eindruck. Kann er sich nicht steigern, ist sogar das Podium in Paris in Gefahr. Erschwerend kommt hinzu, dass sein Ineos-Team nicht so dominant wie in den letzten Jahren - damals noch als Team Sky - ist.

Steven Kruijswijk (3.): In den Bergen war er meist an der Seite der besten Kletterer. Sein großer Vorteil ist sein Jumbo-Visma-Team um Tony Martin, das ganz groß auftrumpft und Kruijswijk perfekt in Position bringt. Die bereits vier Tagessiege der niederländischen Mannschaft sind ein deutliches Zeichen. Schon 2016 stand Kruijswijk ganz dicht vor dem Gewinn des Giro d'Italia, ehe ein böser Sturz alle Träume platzen ließ. Nun trennen ihn nur 1:47 Minuten von Platz eins.

Thibaut Pinot (4.): Hätte der Franzose auf der Windkanten-Etappe nach Albi nicht 1:40 Minuten liegen gelassen, wäre er bis auf zehn Sekunden dran am Gelben Trikot. Pinot scheint in den Bergen aber der stärkste Fahrer zu sein, was ihm auf den drei Alpen-Etappen alle Chancen eröffnet. In der Vergangenheit hatte der 29-Jährige in der Vorbereitung auf große Rundfahrten immer wieder Fehler gemacht, dies scheint er abgestellt zu haben. Aber wie stark ist sein Groupama-FDJ-Team?

Egan Bernal (5.): Vor der Tour wurde der junge Kolumbianer von Radsport-Größen wie Eddy Merckx bereits zum Topfavoriten erkoren. Die Erwartungen waren vielleicht noch zu hoch für den erst 22-Jährigen, der in dieser Saison schon mit Siegen bei Paris-Nizza und der Tour de Suisse überzeugte. Doch mit Bernal ist zu rechnen. Schon im vergangenen Jahr präsentierte sich Bernal - damals als Helfer für Thomas und Chris Froome - in der dritten Tour-Woche in starker Verfassung. 2:02 Minuten Rückstand sind durchaus aufzuholen. Seine Zeit wird bei der Tour noch kommen, wenn vielleicht auch nicht in diesem Jahr.

Emanuel Buchmann (6.): 13 Jahre, seit dem dritten Platz von Andreas Klöden bei der Tour de France 2006, musste Radsport-Deutschland auf einen starken Rundfahrer warten, in Emanuel Buchmann scheint er gefunden zu sein. Der 26-Jährige lässt sich in den Bergen kaum abschütteln und hat sich auch in seiner großen Schwäche, dem Zeitfahren, stark verbessert. Die Vorbereitung war beim Ravensburger ganz auf die dritte Tour-Woche ausgelegt. "Ich bin begeistert! Er fährt mit Courage und taktisch sehr diszipliniert. Es kommen noch sehr schwere Etappen. Dass er sich jedoch so im Kreis der Favoriten hält und auch beim Zeitfahren seine Klasse beweist, zeigt, dass er das Zeug zu einem echten Champion hat", sagte Ex-Toursieger Jan Ullrich der "Bild". Nur 2:14 Minuten trennen Buchmann von Alaphilippe.

Quelle: ntv.de, Stefan Tabeling und Patrick Reichardt, dpa