Sport

"Halb Mensch, halb unglaublich" Carter knackt irren Langzeit-Rekord in NBA

RTS2WF3N.jpg

Er fliegt und fliegt und fliegt: Vince Carter.

(Foto: USA TODAY Sports)

Mit seinem ersten Einsatz im Jahr 2020 schreibt Vince Carter Basketball-Geschichte. Der 42-Jährige ist der erste Sportler, der in vier verschiedenen Jahrzehnten in der NBA auf dem Feld steht. Denn Carter gelingt etwas, woran viele Superstars scheitern.

Als Vince Carter sein erstes NBA-Spiel machte, war Bill Clinton noch US-Präsident. Damals, im Februar 1999, lief Carter erstmals in der besten Basketball-Liga der Welt auf. Nun, am 4. Januar 2020, hat der Flügelspieler Geschichte geschrieben. Denn mit dem Einsatz beim 116:111-Erfolg im Heimspiel seiner Atlanta Hawks gegen die Indiana Pacers wurde der 42-Jährige zum ersten Profi der NBA-Historie, der in vier Jahrzehnten auf dem Spielfeld stand: den 1990ern, den 2000ern, den 2010ern und den 2020ern. Eine einzigartige Bestmarke. "Ich finde das ziemlich cool", sagte Carter nach Spielende: "Es gibt nichts Schöneres, als so etwas zu Hause zu erreichen."

Dass er zuvor nur einen seiner sieben Würfe getroffen hatte? Geschenkt. Schon als er Mitte des ersten Viertels eingewechselt wurde, gab es stehende Ovationen für den 1,96 Meter großen Flügelspieler, der einst dank seiner überragenden Athletik den Spitznamen "Air Canada" erhielt. In seiner 22. NBA-Saison läuft Carter für Atlanta auf, seine ersten Jahre aber verbrachte der sprunggewaltige Basketballer bei den Toronto Raptors. Im Juni 1998 wurde Carter von den Golden State Warriors gedraftet und wechselte noch am selben Abend per Spielertausch nach Kanada.

Das wiederum ist so lange her, dass Helmut Kohl noch Bundeskanzler war und in Deutschland noch mit der Mark gezahlt wurde. Außerdem waren gleich vier von Carters heutigen Mitspielern noch nicht einmal geboren. Darunter auch der als künftiger Superstar geltende Trae Young, der die Hawks nun mit 41 Punkten zum erst achten Sieg im 36. Saisonspiel schoss.

"Father time" holt Carter langsam ein

Ein solcher Superstar war auch Carter, zunächst in Toronto, später dann bei den New Jersey Nets. Achtmal wurde er ins All-Star-Game gewählt, einen Namen machte er sich vor allem mit seinen außergewöhnlichen Dunks. Die brachten ihm außerdem den Spitznamen "Half Man, Half Amazing" ein - was frei ins Deutsche übersetzt so viel bedeutet wie "halb Mensch, halb unglaublich". Von New Jersey ging es für ihn nach Orlando und Phoenix, dann nach Dallas, bevor er über Memphis und Sacramento nach Atlanta kam. Über all diese Stationen gelang es Carter, woran viele Ausnahmeprofis scheitern. Er akzeptierte, dass seine Zeit als Topscorer und Anführer vorbei war und fügte sich in die Rolle des Bankspielers. Während alternde (Ex-)Stars trotz nachlassender Leistungen oftmals weiter auf ihre Privilegien pochen, tritt Carter einen Schritt zurück.

Die längsten NBA-Karrieren

1. Vince Carter 22 Saisons

2. Dirk Nowitzki, Kevin Willis, Kevin Garnett, Robert Parish je 21 Saisons

3. Kobe Bryant, Kareem Abdul-Jabbar je 20 Saisons

Aber zurück in den Juni 1998, als Carter wenige Minuten vor Dirk Nowitzki erfuhr, welches Trikot er künftig tragen würde. Nowitzki beendete im vergangenen Sommer seine Karriere nach 21 Saisons für die Dallas Mavericks, so viele Spielzeiten hatte zuvor noch kein Spieler für ein und denselben Klub gespielt. Carter dagegen hängte noch ein Jahr dran - und schloss nicht aus, auch über die laufende Saison hinaus weiterzumachen. Damit würde er zugleich einen weiteren Rekord ausbauen, den er seit Beginn der aktuellen Spielzeit hält: Als erster NBA-Profi überhaupt absolviert Carter seine 22. Saison, nur vier weitere spielten 21 Jahre lang, darunter eben auch Nowitzki.

Von 2011 bis 2014 spielten die beiden gemeinsam für die Dallas Mavericks, wie Nowitzki in den vergangenen Jahren spürt auch Carter langsam die Auswirkungen von "father time", wie die Amerikaner sagen. Also das unvermeidliche und ausweichliche Älterwerden. Kein Wunder, schließlich feiert er am 26. Januar seinen 43. Geburtstag. Die Wurfquote ist die zweitschwächste seiner Karriere, weniger als die im Schnitt knapp 16 Minuten in dieser Saison spielte Carter nie. Doch sein Wert geht längst über das Sportliche hinaus: Er gilt als vorbildlicher Arbeiter, als positiver Einfluss in der Kabine, als Veteran, der dem jungen Kader der Atlanta Hawks zeigt, wie das Leben in der NBA funktioniert. Schließlich war dort niemand länger aktiv als eben dieser Vince Carter.

Quelle: ntv.de