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Mit Geniestreich ins Halbfinale DHB-Team erfüllt Auftrag tiefenentspannt

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Die deutschen Handballer ziehen ungeschlagen ins WM-Halbfinale ein - Kapitän Uwe Gensheimer gefällt's.

(Foto: REUTERS)

Bei der Heim-WM schlagen Deutschlands Handballer auch Europameister Spanien. Damit sind sie nur noch zwei Schritte von ihrem Traum entfernt, das Wintermärchen von 2007 zu wiederholen. Nun wartet mit Norwegen ein Gegner, den niemand auf die leichte Schulter nimmt.

Plötzlich standen die Handball-Helden von einst auf dem Parkett der Kölner Arena. Kurz nachdem bei der Partie der deutschen Nationalmannschaft gegen Spanien die Sirene zur Halbzeitpause ertönte, zogen die DHB-Spieler von 2007 in die Halle ein und wurden von fast 20.000 Zuschauern frenetisch abgefeiert. "Wenn nicht jetzt, wann dann?" und der ewige kölsche Gassenhauer "Viva Colonia" schallten Markus "Schorsch" Baur, Christian "Blacky" Schwarzer, Pascal "Pommes" Hens und ihren Mitstreitern entgegen. Die Handball-Granden von damals hatten jede Menge Spaß, es gab ja an diesem Abend auch genügend Muße, in schönen Erinnerungen an den Gewinn des Titels bei der Heim-WM vor zwölf Jahren zu schwelgen. Schließlich ging es für die Nachfolger, die sich anschicken, das Kunststück zu wiederholen, um nicht mehr allzu viel.

Das Halbfinale in Hamburg war längst erreicht, daran änderte das Resultat der dritten Hauptrundenbegegnung gegen die spanischen Europameister Spanien nichts mehr. Und so erlebte die deutsche Nationalmannschaft einen schwungvollen Abend ohne jeglichen Druck, der auch noch von einem 31:30 (17:16)-Sieg gekrönt wurde.

Deutschlands Sieg gegen Spanien im Ticker zum Nachlesen.

Auch in der achten WM-Begegnung vor eigenem Publikum blieben die Deutschen damit ohne Niederlage, Bundestrainer Christian Prokop hatte schon am Morgen des Spiels die "gelöste Stimmung" genossen und fand ein martialisches Bild. Es sei wohltuend, "wenn du mal nicht das Messer am Hals hast".

"Hatten hier noch einen Auftrag"

Tatsächlich wirkten sämtliche Protagonisten des Wintermärchens Reloaded tiefentspannt. Dem deutschen Team stellte sich die gleiche Aufgabe wie schon beim Vorrundenspiel gegen Serbien. Das hatte ebenfalls kaum noch eine Bedeutung, weil die Deutschen bereits weiter waren, während es für den Gegner nur noch um die Goldene Ananas ging. Die Mission lautete, möglichst kräfteschonend zu agieren, sich nicht weh zu tun und dabei der euphorischen Kulisse und Millionen Zuschauern vor dem Fernseher trotzdem eine gute Show zu liefern.

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So etwas gleicht immer einem Drahtseilakt, wobei Rückraumschütze Steffen Fäth die Wahrscheinlichkeit, Dienst nach Vorschrift zu leisten, mit nahelegend null bezifferte: "Wir sind einfach keine Mannschaft, die sich hängen lässt. Das passt nicht zu uns." Sein sportlicher Vorgesetzter lobte die Spieler dafür ausdrücklich. Natürlich habe "der ein oder andere schon im Kopf, sich nicht zu verletzen", sagte Prokop, "aber wir hatten hier auch noch einen Auftrag." Und zwar den, sich vom euphorischen Kölner Publikum mit einer anständigen Vorstellung zu verabschieden.

Die deutschen Handballer spielten über 60 Minuten seriös und engagiert - auch wenn das ganz große Feuer, das sie zu entfachen vermögen, wenn es um alles geht, nicht entzündet wurde. "Man hat schon gemerkt, dass die Abwehr heute nicht bei 100 Prozent war", sagte Torhüter Silvio Heinevetter. Doch wer mochte dem deutschen Team daraus ernsthaft einen Vorwurf machen? Die wichtige Aufgabe wartet am Freitag (ab 20.30 Uhr im Liveticker bei n-tv.de), wenn Kapitän Uwe Gensheimer und Co. in Hamburg im Halbfinale auf Norwegen treffen.

Geniestreich mit Suton

Bevor Trainer Prokop mit seiner Belegschaft den Weg in die Hansestadt antrat, durfte Prokop noch einige Erkenntnisse sammeln. Die wichtigste war, dass Tim Suton auf der Position des Spielmachers funktioniert. Der Bundestrainer hatte den für den TBV Lemgo auflaufenden Deutsch-Kroaten für Martin Strobel nachnominiert, der sich im Spiel gegen die Kroaten eine schwere Knieverletzung zugezogen hatte. Und siehe da: Suton spielte munter drauflos und erzielte bei seiner WM-Premiere vier Tore. Der 22-Jährige habe sich "ohne ein Training eingefügt und sofort wohlgefühlt", sagte Prokop mit einem Lächeln. Für den Kollegen Fäth war das keine Überraschung: "Wir wissen alle, dass Tim ein sehr guter Handballer ist. Er wird uns auch in den kommenden Spielen helfen."

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Vor allem auch, weil Suton noch frisch und ausgeruht ist. Für den Rest der Mannschaft gilt es, auf der Zielgeraden einer langen und kräftezehrenden WM die restlichen Körner gut einzuteilen. Mannschaftsarzt Kurt Steuer weiß ziemlich genau, was bei der Vergabe des Titels am Ende den Ausschlag geben wird: "Wer am besten regeneriert, wird Weltmeister." Das ist der Konkurrenz natürlich auch bewusst, und deshalb tat Frankreich bei der 20:23-Niederlage gegen Kroatien nur das Nötigste. Wenn überhaupt.

Nun bekommt es der Titelverteidiger mit Olympiasieger Dänemark zu tun, während sich die Deutschen mit den starken Norwegern messen dürfen. Auch auf dem Weg zum EM-Titel 2016 waren die Skandinavier im Semifinale der Gegner, damals benötigte das DHB-Team jede Menge Glück und Beharrungsvermögen, um sich in der Verlängerung durchzusetzen. Wenn man Steffen Fäth von den Rhein-Neckar Löwen Glauben schenkt, haben sich die Vorzeichen seitdem nicht großartig verändert: "Das ist nach wie vor eine sehr starke Mannschaft", sagt der 28-Jährige: "Die Aufgabe wird für uns in Hamburg nicht einfacher."

Quelle: n-tv.de

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