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Rückzug, Quarantäne, Titelchance DHB-Team muss trotz Chaos antreten - und nun?

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Lukas Zerbe wird gegen Spanien wieder fliegen.

(Foto: imago images/Laci Perenyi)

Das erste Hauptrunden-Spiel der deutschen Handballer bei der Europameisterschaft gegen Spanien findet wie geplant am Abend statt, der Antrag des Deutschen Handballbundes (DHB) für eine Verlegung der Partie wird abgeschmettert. Und nun? Zieht sich das DHB-Team zurück oder hat es sportlich noch eine Chance?

Zieht sich die deutsche Mannschaft aus der EM zurück?

Nein, zumindest vorerst nicht. Bei einer Krisensitzung zwischen Spielern, der Verbandsspitze des DHB und Ligavertretern wurde sich am Mittwochabend darauf verständigt, es im ersten Schritt mit weiteren Nachnominierungen zu versuchen. DHB-Vorstandschef Mark Schober beschrieb die Situation als "sehr dynamisch". Man werde die Lage täglich neu bewerten. Es könne durchaus sein, dass man bei neuer Faktenlage "wieder eine andere Entscheidung treffen" müsse, so Schober.

Wie ist die aktuelle Corona-Lage im Team?

Die deutsche Mannschaft hat aktuell zwölf coronabedingte Ausfälle zu verkraften. Elf der ursprünglich 17 für die EM nominierten Spieler fallen mittlerweile aus - dazu noch der nachträglich berufene Hendrik Wagner. Nach den drei weiteren positiven Befunden von Mittwoch wurden nun auch noch Lukas Stutzke, David Schmidt (beide Bergischer HC) und Tobias Reichmann (MT Melsungen) nachnominiert. Stutzke traf bereits am Mittwochabend im deutschen Teamquartier in Bratislava ein. Schmidt und Reichmann reisten am Vormittag an. Wenige Stunden vor dem Spiele gegen Spanien ist die Mannschaft von weiteren positiven Corona-Fällen verschont geblieben. Alle am Mittwochabend vorgenommenen PCR-Tests seien negativ ausgefallen, teilte der DHB mit.

Ist für die infizierten Spieler die EM beendet?

Nein. Alle zwölf von Corona betroffenen DHB-Spieler befinden sich in Isolation. Sie können sich mit zwei negativen PCR-Tests nach fünf Tagen freitesten und theoretisch im Laufe des Turniers wieder eingreifen. Bei Julius Kühn, bei dem die erste Infektion im deutschen Team während der EM aufgetreten war, könnte es Theorie bleiben. Obwohl er nach DHB-Angaben keinerlei Symptomatik zeigt, fiel der PCR-Test des 2016er-Europameisters am Mittwoch positiv aus - seine Rückkehr zum Team ist auf unbestimmte Zeit verschoben. "Er war negativ überrascht", sagte DHB-Sportvorstand Axel Kromer.

Wie viele Spieler sind spielfähig?

Durch das am Mittwoch nachnominierte Trio steigt die Zahl an DHB-Spielern bei dieser EM insgesamt auf 28. 13 von ihnen sind nach aktuellem Stand für den Hauptrunden-Start gegen Europameister Spanien am Donnerstagabend (18 Uhr in der ARD und im Liveticker bei ntv.de) einsatzfähig, zwölf befinden sich in Quarantäne. Einen negativen PCR-Test vorausgesetzt, dürfen gegen Spanien auch die drei Nachzügler auflaufen.

Ist das Risiko eines deutschen Rückzugs gebannt?

Nein. Im Angesicht der Omikron-Variante, die im deutschen Team wütet, kann es bei den durch den Ausrichter jetzt täglich angeordneten PCR-Testungen jederzeit zu neuen Fällen kommen. Bundestrainer Gislason hofft zwar inständig, "dass es nicht so enden wird, dass wir mit einem 50er-Kader nach Hause reisen". Doch inzwischen (Stand Donnerstagmorgen) musste der DHB elf Spieler zusätzlich einfliegen lassen. Viele mehr - wenn überhaupt - sollten es nicht werden. Zumal die HBL schon jetzt "starke Bauchschmerzen" angesichts der aktuellen Situation verspürt. "Unendlich mit Spielern aus der Bundesliga nachzuladen, macht keinen Sinn", hatte Ligapräsident Uwe Schwenker schon vor der letzten Nachnominierung gesagt.

Ist das Spanien-Spiel gefährdet?

Nein. Zwar hatte der DHB bei der Europäischen Handball-Föderation EHF einen formellen Antrag auf Spielverlegung eingereicht und eine Verschiebung auf Samstag oder Montag angeregt, dieser wurde jedoch abgelehnt. In den Regularien ist festgelegt, dass eine Mannschaft mit einer Mindestanzahl von fünf Akteuren spielfähig ist. Davon ist das deutsche Team (noch) weit entfernt.

Hat das Team sportlich überhaupt noch Chancen?

Ja. Und das ist das Verrückte an der Situation. Natürlich sind die vielen Ausfälle für Gislason total bitter. Doch der aktuelle Kader weist eine enorme Qualität auf, zudem können infizierte Top-Spieler durchaus noch zurückkehren. Mit dem nachnominierten Torhüter Johannes Bitter hat sich das DHB-Team gewiss nicht verschlechtert, und auch die Berliner Rückraumspieler Paul Drux und Fabian Wiede besitzen genauso internationale Klasse wie der nun zum Team gestoßene Tobias Reichmann. Sollte die Infektionskette allerdings nicht schleunigst unterbrochen werden, wird alle Qualität nichts nützen.

Quelle: ntv.de, dbe/sid

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