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Michael van Gerwen klagt an Darts-WM? "Eine große Corona-Bombe"

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Michael van Gerwen muss nach positivem Corona-Test weiter auf seinen vierten WM-Titel warten.

(Foto: picture alliance / empics)

Michael van Gerwen hat in der Geschichte der Darts-WM schon fast alle geschlagen, doch gegen das Coronavirus ist auch er machtlos. "MvG" ist nach einem positiven Test raus. Für die Infektion macht der Niederländer die laxen Regeln des Ausrichters verantwortlich.

Die Darts-Weltmeisterschaft verliert eines ihrer Zugpferde. Der dreifache Champion und langjährige Dominator Michael van Gerwen ist nach einem positiven Corona-Test kampflos ausgeschieden. Eigentlich hätte "MvG" am Dienstagabend gegen den Engländer Chris Dobey seine zweite WM-Partie bestreiten sollen, doch das Virus macht dem Niederländer die Titel-Träume zunichte. Außenseiter Dobey zieht kampflos ins Achtelfinale ein.

Schon am Montag hatte für van Gerwen das Zittern begonnen. Der Schnelltest seines besten Freundes und Trainingspartners Vincent van der Voort, der am Montagabend gegen James Wade hätte antreten sollen, spuckt ein positives Ergebnis aus. Der "Dutch Destroyer" wird aus dem Turnier genommen, Wade erhält ein Freilos. "Von dem Moment an, als ich positiv getestet wurde, habe ich ihm gesagt, dass er mir nicht zu nahe kommen soll", hatte van der Voort am Montagabend in einem Telefoninterview mit dem niederländischen Fernsehsender RTL 7 hinsichtlich van Gerwen gesagt. Das Duo hatte sich an Heiligabend mit dem Weltranglisten-17. Dirk van Duijvenbode zum gemeinsamen Weihnachtsessen getroffen.

"MvG" teilt gegen Veranstalter aus

Doch die Isolation des 46-Jährigen kommt für seinen Kumpel van Gerwen zu spät. "Mighty Mike" unterzieht sich am Montagabend drei Schnelltests, einer davon ist positiv. Daraufhin veranlasst der dreifache Weltmeister bei der Profidartorganisation PDC einen PCR-Test.

Am späten Dienstagnachmittag kommt das Ergebnis: positiv. Michael van Gerwen ist ausgeschieden, muss sich im Spielerhotel in London in Quarantäne begeben. "Ich habe das nicht kommen sehen", äußert sich van Gerwen am Dienstagabend gegenüber dem niederländischen Portal "AD Sportwereld".

PDC hält sich an alle Regeln, aber ...

Van Gerwen holt danach zu einer Generalkritik aus. Die PDC habe nicht genug unternommen, um Infektionen zu verhindern. "Die PDC wird immer sagen, dass sie sich an die Regeln der Regierung gehalten hat, aber sie hätte mehr machen können. Die Kontrollen waren nicht stark genug. Es ist jetzt einfach eine große Corona-Bombe."

Ergebnisse - Tag 11

Runde 3 (Weltranglistenplatz in Klammern)

(52) Steve Lennon 0-4 Mervyn King (21)

(15) Ryan Searle 4-2 Danny Noppert (18)

(13) Joe Cullen 3-4 Martijn Kleermaker (50)

(11) Rob Cross 4-3 Daryl Gurney (22)

(2) Peter Wright 4-2 Damon Heta (31)

Tatsächlich hält sich die PDC an alle von der britischen Regierung auferlegten Infektionsschutzmaßnahmen. Der Austragungsort im Alexandra Palace erlaubt pro Session bis zu 3000 Zuschauer, das ist die Maximalkapazität. Es können also genauso viele Dart-Fans in die Halle wie vor Corona. Im "Ally Pally" gilt die 3G-Regel - geimpft, genesen, getestet. Zuschauer sollen die Maske nur am eigenen Platz abnehmen.

So gut oder schlecht die Regeln in der Theorie sind, bei der praktischen Anwendung hapert es gewaltig. Die PDC scheint wenig dafür zu tun, dass die Regeln eingehalten werden. So sind nur sporadisch Fans mit Maske zu sehen. Und selbst die Impf-, Genesenen- oder Testnachweise am Einlass werden laut eines Berichts der "Welt" kaum oder nur unzureichend überprüft.

"Ich hätte alle täuschen können"

Für die 96 WM-Teilnehmer gilt: Sie dürfen sich frei bewegen, im Spielerhotel, in der Stadt. Beim Walk-On soll auf "High Fives" mit den Zuschauern verzichtet werden, genauso auf das übliche Abklatschen mit dem Gegner vor Matchbeginn. Am jeweiligen Spieltag müssen die Akteure zudem einen negativen Corona-Test nachweisen.

Das Brisante: Nach ntv.de-Informationen reicht ein handelsüblicher Selbsttest, dessen Ergebnis die Spieler vorzeigen. Eine Kontrolle, ob der Test korrekt angewandt wird, findet offenbar nicht statt. Theoretisch bietet dieses Vorgehen die Möglichkeit zum Betrug, indem man einen negativen Test einer anderen Person als den Eigenen ausgibt. Michael van Gerwen hat das in den niederländischen Medien bestätigt: "Ich hätte alle täuschen können. Aber ich möchte mir selbst in den Spiegel schauen können. Corona tötet Menschen, also habe ich das nicht gemacht. Das ist meine moralische Pflicht." Die PDC ließ eine Anfrage von ntv.de zum Testablauf unbeantwortet.

Nach dem unfreiwilligen Aus des Weltmeisters von 2014, 2017 und 2019 zittern niederländische Dart-Fans bereits um ihre nächste Turnierhoffung. Dirk van Duijvenbode, der zusammen mit "MvG" und van der Voort Weihnachten verbracht hatte, trifft am Mittwochabend auf Gerwyn Price. Ein negatives Testergebnis ist Voraussetzung dafür, dass er überhaupt antreten kann.

Bleibt zu hoffen, dass auch tatsächlich ein korrektes Ergebnis ausgewiesen wird. Die zuverlässigere PCR-Testung ist für Kontaktpersonen von Infizierten in Großbritannien nicht vorgesehen. Es wird lediglich "dringend empfohlen, sieben Tage lang oder bis zu zehn Tage nach dem letzten Kontakt mit der positiv getesteten Person, täglich einen Corona-Schnelltest durchzuführen", heißt es im Corona-Regelwerk der britischen Regierung.

Schärfere Corona-Regeln "wären praktisch gewesen"

Van Gerwen sagt, er sei "sehr vorsichtig gewesen". Van der Voort und er hätten beispielsweise "den Frühstücksraum gemieden, weil wir es dort zu voll fanden." Auch vor dem besagten Weihnachtsessen mit van Duijvenbode und van der Voort hätten sich alle Beteiligten getestet. "Wir waren alle negativ. Ich weiß nicht, wo ich es mir eingefangen habe."

Für den Superstar der Szene ist jedenfalls klar, dass die Organisation der Weltmeisterschaft Schuld an dem Corona-Chaos trägt. Die PDC hätte jeden Tag kontrollieren müssen, wer im Spielerhotel ein und aus geht, kritisiert der 32-Jährige. "Das haben sie nicht getan. Laut britischer Regierung müssen sie das auch nicht. Aber zum Schutz der eigenen Organisation und der Weltmeisterschaft wäre es praktisch gewesen."

Angesichts dieser Eindrücke ist die PDC mit der Austragung der Darts-WM offensichtlich sehenden Auges ins Corona-Chaos geschlittert. Nicht alle teilen die Einschätzung. Im Teilnehmerumfeld etwa gehen die Einschätzungen zum Teil weit auseinander. Einzelne Stimmen berichten von "sehr strengen Kontrollen" seitens der PDC, andere wiederum von kaum existenten Schutzmaßnahmen, was eher die Aussagen von Michael van Gerwen stützt. Jedoch sind auch Berichte zu hören, wonach unter anderem die Gäste der niederländischen WM-Teilnehmer im Hotel extrem unvorsichtig gewesen sein sollen.

WM für Gerwyn Price jetzt "abgewertet"

Fakt ist, dass die PDC einen hohen Preis gezahlt hat. Dafür, dass sie sich dagegen entschieden hat, auf die kaum vorhandenen Corona-Schutzmaßnahmen der britischen Regierung von Beginn an eigene Verschärfungen aufzusatteln. Der Ausrichter hätte das Turnier wie im Vorjahr in einer sogenannten "Bubble" austragen können. Die Spieler hätten dann das Hotel nicht verlassen dürfen, Kontakte mit der Außenwelt wären so zumindest in der Theorie nicht mehr möglich gewesen und das Ansteckungsrisiko wäre minimiert worden.

Immerhin: Da alle WM-Starter mindestens zweifach geimpft sind, ist die Hoffnung auf weitgehend symptomfreie Verläufe der Infizierten groß und berechtigt - wenn nicht Omikron einen Strich durch die Rechnung macht. Doch die Qualität und der Reiz des Turniers leiden durch das Aus des Topstars massiv. Die WM werde "abgewertet", schrieb der Weltranglistenerste und Titelverteidiger Gerwyn Price bei Instagram. "Ich spiele lieber gegen die Besten, um der Beste zu sein. Traurig, dass manche Spieler wegen Covid ausscheiden."

Quelle: ntv.de

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