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Atlanta vor dem Kick off Das Epizentrum der Super-Bowl-Emotionen

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Das Super-Bowl-Fieber grassiert in Atlanta. Die Außentemperaturen passen dazu.

(Foto: imago/UPI Photo)

Eine Stadt im Ausnahmezustand. Atlanta feiert und freut sich auf das Finale der Football-Saison zwischen den New England Patriots und den Los Angeles Rams. Zehntausende Fans sind gekommen - und auch jede Menge Promis aus der Musikbranche.

Sie schlängelt sich langsam durch die Hochhaus-Schluchten von Downtown Atlanta. So wie immer. Und dennoch sieht Atlantas Straßenbahn, die Marta, derzeit etwas anders aus. Die Waggons sind mit speziellen Aufdrucken versehen. Es sind die Vereinslogos der New England Patriots und der Los Angeles Rams. Beide bestreiten heute Nacht in Atlanta Amerikas wichtigstes Finale des Jahres: den Super Bowl. Und beide machen somit Atlanta zu Amerikas größter Party-Zone. Mehr noch: die Hauptstadt Georgias ist derzeit das Epizentrum der Emotionen.

"Sind bereit, den besten Super Bowl aller Zeiten auszurichten"

Atlanta lacht. Atlanta feiert. Und Atlanta freut sich auf einen Football-Festtag. "Wir sind bereit, den besten Super Bowl aller Zeiten auszurichten", sagt der Geschäftsführer des Host Committee's, Brett Daniels. So sind sie nun mal, die Amerikaner. Größer, höher, weiter - und wenn es um den Super Bowl geht, immer noch ein bisschen gigantischer als im Jahr zuvor.

Allerdings könnten die Unterschiede zum Endspiel vor zwölf Monaten größer kaum sein. Im Februar 2018 wurde das Football-Finale 1800 Kilometer weiter nördlich ausgetragen, in Minneapolis. Drinnen, im überdachten U.S.-Bank-Stadium, war es zwar gemütlich, doch draußen herrschten Minus-Temperaturen im zweistelligen Bereich. Die Fans vertrieben sich die Tage bis zum Super Bowl vor allem in der Mall of America - dem meistbesuchten Einkaufszentrum der Welt.

Frühlingswetter zum Football-Fest

In Atlanta hingegen wird drinnen und draußen gefeiert. Pünktlich zum großen Spiel ist das Wetter großartig geworden. Sonne und frühlingshafte 17 Grad Celsius waren es gestern, für heute sind 13 Grad und einige Wolken vorhergesagt. Das sorgt für kollektives Aufatmen in Atlanta. Denn zu Wochenbeginn waren für den Dienstag noch Schneefälle angekündigt worden, was die Stadtoberen für kurze Zeit etwas in Panik versetzte. Erinnerungen wurden wach an den Super Bowl im Jahr 2000. Damals herrschte nach zwei Eisstürmen in den Tagen vor dem Endspiel ein einziges Chaos.

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Pudelmützen sind diesmal unnötig.

(Foto: dpa)

Die Flocken blieben diesmal letztlich aus, doch Frost und frischer Wind sorgten dafür, dass Schals und Pudelmützen das Stadtbild mindestens so sehr prägten, wie die Super-Bowl-Banner an den Straßenlaternen. Doch nun ist es wärmer - und vor allem wuselig. Im Centennial Olympic Park, dem Herzstück der Sommerspiele von 1996, drängeln sich Tausende Football-Anhänger durch das Fan-Dorf. Auf den Straßen und Bürgersteigen drumherum geht es ebenfalls nur langsam voran. Hype und Hysterie sind spürbar - und vor allem jede Menge Football-Fieber.

Fast drei Jahre Warten sind vorbei

Seit der offiziellen Ernennung zum Gastgeber von Super Bowl LIII am 24. Mai 2016 durch die NFL-Klubbesitzer hatten sie sich in Atlanta auf dieses Februar-Festwochenende gefreut. Nun ist der größte Wanderzirkus der Welt endlich da - und unübersehbar. Die 42 Gondeln des fast 70 Meter hohen Riesenrades am Eingang des Centennial Olympic Parks sind in den Vereinsemblemen der 32 NFL-Klubs lackiert. Direkt dahinter ist auf der Glasfassade von Atlantas höchstem Hotel in roten Buchstaben "Super Bowl LIII" zu lesen, darunter prangt eine überdimensionale Vince-Lombardi-Trophy. Wenige Meter rechts davon ist auf einem anderen Wolkenkratzer ebenso riesig der blaue Ritter des Super-Bowl-Biersponsors zu sehen, der einen Football in seiner linken Hand hält.

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Hier steigt das Spektakel.

(Foto: dpa)

Seit Freitag sind Zehntausende Fans angereist. Sie stimmen sich in Bars und Restaurants gemeinsam auf den Saison-Höhepunkt ein. Auch Patriots-Anhänger und Rams-Sympathisanten feiern zusammen. Menschen in Tom-Brady-Trikots trinken und quatschen mit Landsleuten in Todd-Gurley-Jerseys. Der Super Bowl ist zweifelsohne der Gipfel der US-Sports - aber er ist eben auch so viel mehr als nur ein rund drei Stunden andauerndes Football-Spiel.

Cola-Kontrahenten werden zu vorübergehenden Freunden

Das wird auch in der 121 Baker Street deutlich. Hier ist die "World of Coca Cola". Der Softdrink-Konzern gehört zu Atlanta wie der Sender CNN - nur eben schon sehr viel länger. John Pemberton hatte 1886 das weltberühmte Getränk hier kreiert. Seine Bronze-Statue steht vor dem Museum. Und sie steht dort nicht alleine. Seit Mittwoch gibt es eine ebenso große Statue von Cale Bradham, dem Erfinder von Pepsi. Die beiden Getränke-Gründer prosten einander zu. Ausgerechnet Coca Colas Kontrahent ist einer der größten Super-Bowl-Sponsoren - und in Atlanta überall auf Werbetafeln zu sehen.

Auch musikalisch wurde reichlich auf den Super Bowl eingestimmt. In den vergangenen zehn Tagen gab es 7392 Konzerte. Von regionalen Größen über Rockstars bis hin zu Rappern. Ludacris, Aerosmith, Tiësto, Foo Fighters, Bruno Mars, Snoop Dogg, Lil Wayne, Cardi B - alle sind da. Denn wer was von sich hält, ist derzeit einfach in Atlanta. Und wer es sich leisten kann, denn die Preise haben sich verdreifacht. Laut "Wall Street Journal" liegen die durchschnittlichen Kosten in Atlanta für eine Nacht am ersten Februarwochenende bei 90 Dollar. Diesmal sind es 271. Und viele Hotels bestehen auf einer Mindestaufenthaltsdauer von drei Nächten. Doch den Sonntag der Superlative gibt es bekanntlich nur einmal im Jahr. Deshalb scheint nichts zu teuer zu sein. Die günstigsten Finaltickets kosteten derzeit mehr als 2000 Dollar.

Lebenstraum Super-Bowl-Besuch

Die meisten der etwas mehr 70.000 Zuschauer erfüllen sich mit dem Super-Bowl-Besuch einen Lebenstraum. Und sie werden ein Finalduell der Gegensätze sehen. Zum einen die Rams mit ihrem erst 33 Jahre alten Trainer-Phänomen Sean McVay und dem 24-jährigen Spielmacher Jared Goff. Auf der anderen Seite steht mit Tom Brady und Bill Belichick, die erfolgreichste Quarterback-Coach-Kombo der Super Bowl-Geschichte. Sie können zum sechsten Mal Meister werden - ausgerechnet gegen die Rams. Die hatten sie auf den Tag genau vor 17 Jahren im Finale von New Orleans 20:17 besiegt und somit erstmals den Super Bowl gewonnen - damals mit einem jungen Brady in seinem ersten Finale.

Quelle: n-tv.de

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