Sport

All-Star-Weekend in der NBA Dennis Schröder spielt die große Show

55793850.jpg

Dennis Schröder gehört mit seinen 1,86 m eher zu den kleinen NBA-Spielern, aber Experten trauen ihm eine große Karriere zu.

picture alliance / dpa

Fast zehn Jahre nach Dirk Nowitzkis erster Teilnahme am All-Star-Game schickt sich der junge Braunschweiger Dennis Schröder an, der nächste deutsche NBA-Star zu werden. Beim anstehenden Giganten-Duell spielt er in der Weltauswahl. Die Fachpresse ist begeistert.

Für Dennis Schröder muss es sich teilweise noch immer wie ein Traum anfühlen. Es war ja auch ein rasanter Aufstieg, vom in Deutschland ausgezeichneten Nachwuchsspieler zum respektierten Mitglied des derzeit besten NBA-Teams. Die NBA, diese sportgewordene Traumfabrik, sie steht für Fans und Spieler noch immer für Basketball von einem anderen Stern. Die großen Jungs mit den schnellen, filigranen und stets lässigen Bewegungen faszinieren Basketball-Freunde rund um den Globus - spätestens seit 1992, als das US-amerikanische "Dream Team" mit Michael Jordan, Magic Johnson und Larry Bird bei den Olympischen Spielen zauberte. Dennis Schröder ist jetzt auch einer der Besten. Die Belohnung: Eine Nominierung für das All-Star-Weekend. Dort darf er sich mit den stärksten Jungprofis der NBA messen.

*Datenschutz

Der 22-jährige Braunschweiger, Sohn einer gambischen Mutter und eines deutschen Vaters, spielt seine zweite Saison bei den Atlanta Hawks und wie sein Team hat auch Schröder zu einem Leistungssprung angesetzt. Die Hawks führen ihre Division unangefochten an und sind mit 41 Siegen bei neun Niederlagen zur Zeit das beste Team der NBA. Und somit natürlich zu einem Titelfavoriten geworden. Schröder Anteil am überraschenden Aufschwung der Hawks ist dabei sehr beachtlich – erst recht für sein Alter. Die statistikverliebte NBA weist für den Spielmacher 48 Spiele aus, bei denen er durchschnittlich 18 Minuten auf dem Platz stand und dabei respektable 8,4 Punkte pro Spiel erzielte. Gute Werte. Noch gehört Schröder bei den Hawks nicht zur "Starting five", also den fünf Stammspielern, sondern ist erster Ersatz für den etablierten Spielmacher Jeff Teague. Dass er mittelfristig dessen Rolle einnehmen will und auch das Zeug dazu hat, zeigte Schröder einen Tag vor Heiligabend. Ausgerechnet gegen die Dallas Mavericks mit dem deutschen Superstar Dirk Nowitzki. Teague war verletzt und Schröder nutzte seine Chance: Mit 22 Punkten führte er seine Hawks zum Sieg.

Ungewöhnlich späte Leistungsorientierung

Dass Schröder das Zeug zum NBA-Spitzenspieler hat, war lange nicht klar. Entdeckt wurde er mit zehn Jahren auf einem Streetball-Platz in Braunschweig vom damaligen Jugendtrainer des hiesigen Bundesligaklubs, Liviu Calin: "Er war eins von vielen Talenten. Doch wenn ich heute zurückblicke, irgendwie war es auch Schicksal", erklärte der Coach im Gespräch mit n-tv.de. Zwar haben ihm seine Anlagen schon früh den Weg in diverse Auswahlmannschaften geebnet, doch fiel Schröder auch immer wieder durch Undiszipliniertheiten auf, wie geschwänztes Training oder herablassende Bemerkungen über weniger talentierte Mitspieler.

Schröder musste nach dem Tod seines Vaters schon früh Verantwortung innerhalb seiner Familie übernehmen, die Mentalität eines Profis entwickelte der begeisterte Skateboarder jedoch erst später. Mit unüberhörbarem Stolz erzählt Calin: "Nach einigen Eskapaden, zwischenzeitlich hatte er mit dem Vereinssport sogar schon aufgehört, kam er mit 16 zu mir und sagte: 'Trainer geben Sie mir noch eine Chance für den Leistungsbereich'. Ich sagte okay und war in der Folge strenger mit ihm, als mit anderen. Es hat sich ausgezahlt, er hat sich in einem Jahr entwickelt, wie andere in zwei oder drei." 

Von da an ging es Schlag auf Schlag für Schröder, einigen Einsätzen in der 2. Basketball-Bundesliga folgte schon bald die Berufung in den Braunschweiger Bundesligakader: "Er ist sehr intelligent, lernt schnell und passt sich höherem Niveau an, er war schon immer eine selbstbewusste, starke Persönlichkeit, ein wenig Glück gehört natürlich auch dazu", so Calin. Doch Schröders Weg sei alles andere als normal, so Nachwuchstrainer Calin: "Man kann nicht auf einen Nowitzki oder Schröder warten. Das kommt nur alle zehn bis zwölf Jahre vor. In der Nachwuchsausbildung im Basketball muss sich in Deutschland einiges ändern, die Bundesligaklubs schielen viel zu sehr auf kurzfristige Erfolge und kümmern sich zu wenig um Nachwuchsspieler."

Degradiert und wieder aufgestanden

Nach einigen Vorschusslorbeeren, die er sich mit seinen Leistungen in der Bundesliga und bei einem Nike-Turnier für die besten Nachwuchsspieler weltweit erworben hatte, meldete sich Schröder 2013 zum NBA-Draft an und wurde an 17. Stelle von den Atlanta Hawks unter Vertrag genommen. Wie für viele ausländische Talente gestaltete sich das erste Jahr schwierig. Durchwachsenen Leistungen folgte eine Degradierung in die Reservemannschaft der Hawks. Schon viele hochgehandelte Spieler haben es nach einer solchen Degradierung nicht mehr geschafft, sich in der NBA durchzusetzen.

Umso überraschender wirken das Selbstbewusstsein und die Konstanz von Schröders Leistungen im zweiten Jahr. Schröder zeigt sich dabei ausgesprochen lernwillig: „Coach Mike Budenholzer redet sehr viel mit mir", verriet er. "Der war 19 Jahre bei den San Antonio Spurs und hat Tony Parker (Anm. d. Red.: französischer NBA-Star) und dessen Entwicklung gesehen, Man hat mir gesagt, dass ich so viel Potential habe wie Parker. Und dass sie mit mir so arbeiten wollen." Es heißt, Schröder komme zum Training als Erster und gehe als Letzter. Eine Entwicklung, die sein Entdecker mit Genugtuung verfolgt: "Klar schaue ich mir Zusammenfassungen seiner Spiele an, es ist eine andere Welt in der er jetzt ist, er ist selbständig."

Deutsches Nationalteam soll profitieren

Dass in der Öffentlichkeit und im Umgang mit Fans, Medien und sozialen Netzwerken Professionalität und eine Vorbildfunktion von ihm erwartet wird, ist der Nummer 17 der Hawks klar. Auf der Social-Media-Plattform Instagram hat er mittlerweile 20.000 Anhänger. Bei Facebook sind es 50.000, viele davon aus Deutschland. Hierzulande wird der Weg des Supertalents natürlich genau verfolgt. Schröder soll, als Nachfolger Nowitzkis, das prägende Gesicht der deutschen Nationalmannschaft im kommenden Jahrzehnt werden.

Kürzlich war Bundestrainer Chris Fleming zu Besuch in Atlanta und äußerte sich sehr zufrieden über die Entwicklung Schröders: "Bei ihm hat es einfach 'klick' gemacht". Im Sommer steht die Basketball-EM an, es geht auch um die Qualifikation für Olympia 2016. Die Hoffnung beim Deutschen Basketball-Bund (DBB): Eine Stabübergabe des Altmeisters Nowitzki an Schröder während der EM im Sommer. Es wäre, mit den zwei All-Stars sowie Center Chris Kaman von den Portland Trailblazers (ebenfalls NBA), wohl die stärkste deutsche Nationalmannschaft aller Zeiten. Darauf angesprochen, sagte Schröder: "Ich hoffe, dass er die Kraft haben wird und mit mir die nächsten beiden Jahre in der Nationalmannschaft spielen wird."

Nowitzki selbst hat sich übrigens bereits als Fan des schmächtigen Braunschweigers geoutet. Er traut dem 14 Jahre jüngeren Schröder eine große Karriere zu. So sagte er nach dessen Glanzauftritt gegen Dallas vor Weihnachten: „Er hat eine tolle Entwicklung genommen, toll, was er im zweiten Jahr zeigt.“ Schröders Antwort: „Das ist eine super Ehre für mich, dass gerade er das sagt. Dirk ist schließlich eine Legende."

Kennengelernt haben sich beide im Sommer 2013, als Schröder bei diversen NBA-Klubs vorspielte. "Dirk hat mir seine Nummer gegeben und gesagt, ich könne ihn jederzeit anrufen." Seitdem stehen beide regelmäßig in Kontakt. An diesem All-Star-Wochenende werden sie sich begegnen. Nowitzki spielt bei den ganz Großen, Schröder bei denen, die die Nachfolge anstreben. Dennis Schröder steht am Anfang seiner Karriere – doch das Ziel ist klar.

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema