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"Das ist ein einmaliger Triumph" Der Mann, der für so viele Waldemars sorgte

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Waldemar Cierpinski ist einer der größten Marathon-Läufer der Geschichte. Und dazu der Vater vieler Waldemars.

(Foto: imago images/WEREK)

Seine Form schleift er im Duell mit einem Schulbus, schließlich wird er eine der großen Legenden der Leichtathletik - und der "Vater" zahlreicher "Waldemars". Später bremst ihn erst die Politik. Heute feiert Marathon-Olympiasieger Waldemar Cierpinski seinen 70. Geburtstag.

Waldemar Cierpinski lief 1976 zu Olympia-Gold im Marathon, auch vier Jahre später wiederholte der Unvergleichliche aus Halle an der Saale diesen Triumph. Wirklich berühmt, ja zu einer Legende, machten ihn aber die Worte des Fernsehreporters Heinz Florian Oertel beim Zieleinlauf in Moskau vor 40 Jahren.
"Liebe Zuschauer zu Hause, das ist ein einmaliger Triumph! Liebe junge Väter vielleicht, oder angehende, haben Sie Mut! Nennen Sie Ihre Neuankömmlinge des heutigen Tages ruhig Waldemar", rief Oertel am 1. August 1980 in sein Mikrofon: "Waldemar ist da!"

Nichts, was über Cierpinski gesagt oder geschrieben wurde, ist so vielen Menschen noch heute so präsent wie der Oertel-Spruch, der tatsächlich auf fruchtbaren Boden fiel. "Im folgenden Frühjahr kamen zwei junge Leute schüchtern auf mich zu und meinten, sie hätten ihr damals geborenes Söhnchen Waldemar genannt", sagte Cierpinski einmal dem Sportinformationsdienst.

In Moskau erreichte Cierpinski, was zuvor nur dem Äthiopier Bikila Abebe mit seinen Olympiasiegen 1960 und 1964 geschafft hatte. Dabei hatten die DDR-Funktionäre den gebürtigen Nienburger, der am Montag 70 wird, im Alter von 24 Jahren schon ausgemustert. "Ich hatte früh angefangen und ließ damals einige Dinge der Trainingslehre außer acht. Die Folge war, dass ich nahezu drei Jahre verletzt war und dann aus dem DDR-Kader flog", sagte Cierpinski, den alle "Waldi" nennen: "Nur mit Duldung des Klubs konnte ich noch Leistungssport treiben und bereitete mich unter diesen Voraussetzungen auf die Spiele in Montreal vor."

Gebremst nur vom Boykott

1976 war sein "schönster" Triumph und acht Jahre später hätte Cierpinski nur zu gerne noch einmal Geschichte geschrieben. Es hat ihn lange geschmerzt, dass er wegen des Ostblock-Boykotts 1984 in Los Angeles "in Topform" nicht nach einem dritten Gold greifen durfte. Im Erfolgsfall wäre er wohl für alle Zeiten der unerreichbare Marathon-Held gewesen.

Laufen war und ist das Leben von Waldemar Cierpinski, rund 250.000 Kilometer hat er bisher zurückgelegt. "Das schaffte kein Trabi, der war schon nach 100.000 Kilometern am Ende", sagt Cierpinski, dessen Sohn Falk auch ein guter Läufer wurde. Nur sein Sportgeschäft in Halle macht Cierpinski gerade etwas Sorgen, die Corona-Krise macht eben auch vor einem Olympiasieger nicht Halt.

Cierpinski, der 1983 zudem WM-Bronze holte und elf seiner 28 Marathonläufe zwischen 1974 und 1985 als Sieger beendete, ärgerte sich übrigens anfangs über den Kommentar von Oertel. Aber er grämte sich nur kurz, sie wurden später gute Freunde. Heute sagt Cierpinski: "Heinz Florian Oertel hat mich berühmt gemacht." An Oertels Worte vom Montreal-Triumph ("Jetzt kommen sie, die Heroen der Landstraße. Reißen Sie die Fenster auf! Und wenn man steht, ist die Verbeugung tiefer") erinnert sich kaum noch jemand.

Quelle: ntv.de, Kristof Stühm, sid