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Festnahme als neuer Tiefpunkt Der nächste Kontrollverlust des Jan Ullrich

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Jan Ullrich stürzt immer weiter ab. Trauriger Tiefpunkt: Die Festnahme nach einem Zwischenfall auf dem Grundstück von Nachbar Til Schweiger.

(Foto: dpa)

Jan Ullrich ist erneut abgestürzt. Nach einem Zwischenfall auf dem Mallorca-Grundstück von Nachbar Til Schweiger wird der ehemalige Rad-Star vorübergehend festgenommen. Die Lebenskrise des einstigen deutschen Tour-Helden wird immer dramatischer.

Der frühere Radstar und einzige deutsche Tour-de-France-Sieger Jan Ullrich steckt offenbar erneut in einer schweren Lebenskrise. Die Fotos, die Ullrich nach einem Zwischenfall auf dem Grundstück seines Nachbarn Til Schweiger in Begleitung von Justizbeamten zeigen, zeichnen ein trauriges Bild des einstigen Tour-Helden. Mit nacktem Oberkörper stieg Ullrich nach seiner Festnahme aus einem Gefangenentransporter. Sein Kopf war entwürdigend mit einem Krankenhauslaken umwickelt, der Blick wirkte leer und verzweifelt.

Ullrich, augenscheinlich abgekämpft und in einem ziemlich besorgniserregendem Zustand, hat einen neuen Tiefpunkt erreicht. Wie die spanische Polizei mitteilte, wurde der 44-Jährige am Freitag wegen "gewaltsamen Eindringens und Bedrohungen" in Gewahrsam genommen. Ullrich wurde am Samstag von einem Richter befragt. Anschließend wurde er freigelassen und mit einem Kontaktverbot belegt, sagte eine Gerichtssprecherin.

Der "Bild am Sonntag" sagte Schweiger: "Er kam übers Tor [...]. Er ging sofort mit einem Besenstiel auf einen Freund von mir los. Ich habe die Polizei gerufen. Die kam dann auch, hat ihn in Handschellen abgeführt." Bevor die Polizei eingetroffen sei, habe er zu Ullrich gesagt: Von jetzt an bist du nicht mehr mein Freund. "Ich kenne Jan, seit er vor zwei Jahren nebenan eingezogen ist. Mein Tor war immer offen", so Schweiger. Doch dann sei regelrecht abgestürzt. Seine Freunde und er hätten oft auf ihn eingeredet, er müsse einen Entzug machen.

Alkohol am Steuer und Ehe-Aus

Es ist nicht Ullrichs erster Fehltritt, den Absturz leitete er schon während seiner aktiven Karriere ein. Gewichtsprobleme, private Eskapaden und schließlich seine endlos-unsägliche Dopinggeschichte - der schnelle Ruhm, der Ullrich nach seinem Tour-Sieg 1997 ereilte, überforderte ihn stets. Der junge Rostocker mit den Sommersprossen und den rotblonden Haaren war 1997 in den Serpentinen der Alpen und den Hängen der Pyrenäen zu mehr als dem Erfolg bei der Frankreich-Rundfahrt geklettert. Ullrich war durch den Erfolg plötzlich Kult, ein Popstar, der auf einer Stufe mit Boris Becker und Michael Schumacher stand.

Die Rolle gefiel ihm nie. Ullrich wollte eigentlich immer nur Radfahren, er suchte sich Ventile für den Druck - und verlor zunehmend die Kontrolle. 2002 verursachte er unter Alkoholeinfluss einen Autounfall, 2006 verließ er die Tour nach Aufdeckung der Fuentes-Affäre wie ein geprügelter Hund, 2007 folgte das Ende der tragischen Karriere. Die Doping-Vergangenheit arbeitete er nur unzureichend auf.

Die privaten Probleme blieben, nachdem er das Rad abgestellt hatte. Immer wieder sorgte Ullrich für Negativschlagzeilen. Etwa im Mai 2014: Wieder unter Alkoholeinfluss verursachte er im Schweizer Kanton Thurgau mit überhöhter Geschwindigkeit einen Unfall, bei dem zwei Personen leicht verletzt wurden. Die Folgen: 21 Monate Freiheitsstrafe, die auf vier Jahre zur Bewährung ausgesetzt wurde, 10.000 Franken (8700 Euro) Geldbuße - und weitere tiefe Kratzer am längst beschädigten Ruf. Zuletzt zerbrach die Ehe mit seiner Frau Sara. Nach 13 Ehejahren trennte sich das Paar, die drei gemeinsamen Söhne sind bei der Mutter im Allgäu. Nun folgte der Zwischenfall auf dem Grundstück von Schauspieler Schweiger.

Quelle: n-tv.de, tno/sid/AFP

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