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Federer und Nadal reagieren hart Djokovic spaltet jetzt die Tennis-Profis

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Novak Djokovic hat mit einer neuen Spielergewerkschaft viel vor. Doch mit seinen Plänen stößt er nicht auf ungeteilte Begeisterung.

(Foto: imago images/Pixsell)

Sportlich hat Tennis-Dominator Novak Djokovic derzeit keine Konkurrenz, also macht der Serbe ein neues Spielfeld auf: Der Weltranglisten-Erste probt nicht weniger als eine Revolution, zwei Tennislegenden reagieren deutlich.

Der überraschende Angriff von Novak Djokovic hatte es in sich, doch der scharfe Konter von Roger Federer und Rafael Nadal ließ nicht lange auf sich warten. Obwohl Djokovic bei den US Open auf die sportlichen Duelle mit seinen beiden Erzrivalen verzichten muss, stieg schon vor Turnierbeginn der große Schlagabtausch der Superstars. Der Weltranglistenerste hat die Szene in Abwesenheit von Nadal und Federer mit der Gründung einer neuen Spielergewerkschaft in Aufruhr versetzt - in der New Yorker Tennis-Blase brodelt's gewaltig, die Tour ist zerrissener denn je.

"Es ist Zeit für Einheit, nicht für Spaltung", schrieb Nadal bei Twitter, nachdem Djokovics Pläne einer neuen Interessensvertretung in Konkurrenz zur Spielerorganisation ATP durchgesickert waren. Der Serbe will selbst als Präsident die Professional Tennis Players Association (PTPA) anführen. Federer sprang seinem sportlichen Dauerrivalen Nadal sofort zur Seite. "Dies sind unsichere und herausfordernde Zeiten", schrieb der Grand-Slam-Rekordchampion: "Aber ich glaube daran, dass es sehr wichtig für uns ist, als Spieler zusammenzustehen."

"Brauchen Zusammenarbeit"

Djokovic will aber die Revolution, sieht er doch die Interessen der Profis in der ATP nicht genügend berücksichtigt und ist unzufrieden über das Krisenmanagement während der Corona-Pandemie. Im siebenköpfigen Führungsgremium der ATP sitzen je drei Spieler- und Turniervertreter sowie Präsident Andrea Gaudenzi. Für Djokovic, der als Präsident des ATP-Spielerrates laut "New York Times" umgehend zurückgetreten ist, nicht genug. Ziel der neuen Organisation sei es, "die Interessen ihrer Spieler zu fördern, zu schützen und zu vertreten und die Zukunft des Tennis zu schützen''.

Und so kamen rund 50 Abtrünnige am Samstagabend in New York zum Gründungsfoto der neuen Gewerkschaft zusammen - und gingen damit auf Konfrontationskurs zu allen wichtigen Tennis-Organen, just bevor die US Open am Montag unter anderem mit den Matches der deutschen Spitzenspieler Angelique Kerber und Alexander Zverev beginnen. "Ziel der PTPA ist es nicht, die ATP zu ersetzen, sondern den Spielern eine Selbstverwaltungsstruktur zu bieten, die unabhängig von der ATP ist und direkt auf die Bedürfnisse und Anliegen der Mitglieder eingeht", heißt es in einem Brief an die Profis.

Schon zuvor hatten die ATP, die Damen-Tour WTA, der Weltverband ITF sowie die vier Grand-Slam-Turniere ein gemeinsames Statement veröffentlicht. "Jetzt brauchen wir mehr denn je Zusammenarbeit und starke Beziehungen, und wir unterstützen die ATP voll und ganz in ihrer Rolle, die besten Interessen der Akteure in diesem Prozess zu vertreten", hieß es darin: "Es ist eine Zeit für eine noch engere Zusammenarbeit, nicht für eine Spaltung."

Konsequenzen "nicht auf die leichte Schulter nehmen"

ATP-Präsident Gaudenzi wandte sich in einem Schreiben, das der "New York Times" vorliegt, mit eindringlichen Worten an die Spieler: Die Bildung einer konkurrierenden Spielerorganisation sei eine "existenzielle Bedrohung für die ATP". Die Gruppe dürfe nicht erwarten, von den Turnieren anerkannt zu werden. Die Spieler sollten die Konsequenzen nicht "auf die leichte Schulter nehmen", so Gaudenzi. "Ihr habt das, was andere Athleten in anderen Sportarten anstreben würden - einen Sitz am Vorstandstisch. Das ist es, wofür die Spieler bei der Gründung der ATP-Tour gekämpft haben. Es ergibt keinen Sinn, dass es besser für euch wäre, diese Rolle von innerhalb der Führungsstruktur nach außerhalb zu verlagern."

Den Zeitpunkt für den Vorstoß hatten Djokovic und seine Mitstreiter clever gewählt. Federer und Nadal gehören zu den gemäßigten Vertretern im Spielerrat der ATP, hatten sich zuletzt aber schon für eine gemeinsame Dachorganisation für Frauen und Männer ausgesprochen. Beide fehlen jedoch in New York. Federer erholt sich von einer Knieoperation, Nadal bereitet sich lieber auf die French Open Ende September vor. Und aus der Ferne haben sie nur begrenzt Einfluss.

Zverev ist "froh, dass Novak sich so beschäftigt"

Zusammen mit vier weiteren verbliebenen Mitgliedern des ATP-Spielerrates - neben Djokovic waren auch Vasek Pospisil (Kanada) und John Isner (USA) zurückgetreten - versuchten sie aber dennoch, auf die Kollegen auf der Tour einzuwirken. Eine neue Spielerorganisation könne "mit der ATP nicht koexistieren", heißt es in einer Mail an die Spieler.

Der dreimalige Grand-Slam-Champion Andy Murray bemängelte indes, dass die Damen in Djokovics Plänen außen vor sind. Zverev hofft hingegen "schon, dass sich ein paar Dinge ändern" und ist deshalb "froh, dass Novak und Vasek sich so beschäftigen", wie der Hamburger am Sonntag erklärte: "Weil Novak kann auch sagen: 'Ich bin die Nummer eins der Welt und habe andere Dinge zu tun.'"

Sportlich sucht Djokovic derzeit ernsthafte Gegner. Er ist in diesem Jahr noch ungeschlagen und der große Favorit bei den US Open. Abseits des Sportlichen lief es 2020 dagegen bisher weniger glücklich für ihn: Mit der von ihm initiierten und organisierten Adria Tour hatte Djokovic vor wenigen Wochen zahlreiche Negativschlagzeilen - und diverse positive Coronatests unter den teilnehmenden Tennisprofis produziert.

Quelle: ntv.de, ter/sid

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