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WM-2018 in Russland EU erwägt Boykott, Fifa drückt sich

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Fifa-Präsident Blatter und Russland-Präsident Putin in Harmonie bei dem Thema der WM 2018.

(Foto: dpa)

Die Kämpfe zwischen Russland und der Ost-Ukraine nehmen kein Ende - und trotzdem soll 2018 in Russland die WM stattfinden. Die EU erwägt nun einen Boykott des Sportereignisses. Die Fifa hingegen verpasst, sich politisch zu positionieren - wieder einmal.

Der Fußball-Weltverband Fifa und sein Präsident Joseph S. Blatter ducken sich einmal mehr weg. Ein Boykott der WM 2018 in Russland aufgrund des Krieges in der Ost-Ukraine komme für den 78-jährigen Schweizer nicht infrage, das habe schließlich "noch nie etwas gebracht". Damit war die Sache vom Tisch - genauso wie die nächste Chance des Weltverbandes, sich gemäß des politischen und wirtschaftlichen Einflusses zu positionieren.

Bei der Europäischen Union gehört ein WM-Boykott offenbar durchaus zu einem möglichen Maßnahmenkatalog. Laut Medienberichten erwägen die Staaten eine solche Vorgehensweise, die im Rahmen der Ukraine-Krise gegen das Land zum Tragen kommen könnte. Es sei "später eine Möglichkeit, nicht im Augenblick" wird eine anonyme Quelle zitiert. Die Boykott-Idee sei in einem Arbeitspapier verankert. Zudem könnten russische Sportler und Vereine von anderen Veranstaltungen wie Formel-1-Rennen oder Fußball-Klub-Wettbewerben ausgeschlossen werden.

Putin kann sich sicher sein

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Ein Boykott "habe noch nie etwas gebracht", sagt Fifa-Präsident Blatter.

(Foto: dpa)

Dass die Fifa nicht auf die Populismus-Zug vieler Politiker aufspringt und überhastete Entscheidungen trifft, kann Blatter allerdings ohnehin nicht vorgeworfen werden. Zwischen Boykott oder Entzug und dem Ausstellen eines Freifahrtscheins findet das milliardenschwere Unternehmen keinen Mittelweg. "Wir sind im Moment in der Situation, in der wir den Organisatoren der WM 2018 und 2022 unser Vertrauen aussprechen", lässt die Fifa vermelden.

Nach den Aussagen des Schweizer Fifa-Bosses im "Camp Beckenbauer", dem hochkarätig besetzten Sportforum in Kitzbühel, kann sich Russlands Präsident Wladimir Putin, selbst mit riesigem Einfluss in der Sportwelt, seines Turniers in vier Jahres sicher sein. Komme, was wolle. Ob es einen Punkt der russischen Aggression gibt, an dem auch Blatter reagiert, steht in den Sternen.

Der Wachsweich-Kurs bleibt offenbar

Ein Ende dieses Wachsweich-Kurses ist nicht in Sicht. Nachdem Uefa-Präsident Michel Platini in der vergangenen Woche seinen Verzicht auf eine Kandidatur angekündigt hatte, wird die Präsidentschafts-Wahl des Weltverbandes im Mai 2015 zur großen Blatter-Show. Im Beckenbauer-Camp witzelte der Schweizer, er würde sehr gern wieder kommen, "vielleicht habe ich ja im nächsten September viel Zeit". Seine Wiederwahl im kommenden Jahr ist aber nur noch Formsache.

Bemerkenswert waren die Aussagen von DFB-Präsident Wolfgang Niersbach, eigentlich großer Platini-Unterstützer, der auf einmal weitere Gespräche innerhalb der Uefa über das Verfahren mit Blatter ankündigte. Vor der WM in Brasilien hatte der Kontinentalverband noch geschlossen gegen den Fifa-Boss gestürmt, Platini bekräftigte am vergangenen Donnerstag, Blatter stünde in Europa alleine da. Und dann kam Niersbach.

Eine Chance bleibt den Blatter-Gegnern

Die letzte Hintertür der Blatter-Gegner bleibt nun der "Garcia-Bericht", in dem durchaus über Korruption und Schmiergeld bei der doppelten WM-Vergabe nach Russland und Katar (2022) im Dezember 2010 berichtet werden könnte. Chef-Ermittler Michael J. Garcia, US-Anwalt und nach außen bislang so etwas wie der "Unbestechliche" im ganzen Fifa-Schauspiel, lässt sich allerdings nicht hetzen - der Bericht kann morgen, aber auch erst innerhalb der nächsten Wochen an die Fifa-Spruchkammer mit dem deutschen Richter Hans-Joachim Eckert weitergeleitet werden.

Blatter selbst bekräftigte, "wir warten den Bericht der Ethikkommission ab", meinte damit aber nur die WM in Katar. Ob und was Garcia zu Russland ermitteln konnte, erscheint dadurch fraglich. Angesicht der jüngsten Entwicklungen wäre das aber auch hinfällig - eine womöglich unsaubere russische Bewerbung vor vier Jahren wäre derzeit der unwichtigste Grund, dem WM-Gastgeber die Grenzen aufzuzeigen.

Quelle: n-tv.de, Jan Mies, sid

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