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Video-Handball-Held Heinevetter "Es war ein glücklicher, ein dreckiger Punkt"

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Silvio Heinevetter hat den Verstoß der Slowenen als Erster bemerkt.

(Foto: imago/Heuberger)

Silvio Heinevetter war der Erste, der reagierte. Nach Ende des Handballkrimis gegen Slowenien lief der Keeper der deutschen Mannschaft wild gestikulierend auf die Schiedsrichter zu und veranlasste die beiden litauischen Referees, sich die letzte Szene des nervenaufreibenden EM-Matches noch einmal per Video anzuschauen. Da stand es noch 24:25 aus deutscher Sicht. Nach sieben endlosen Minuten entschieden die Referees dann auf Siebenmeter für Deutschland und ermöglichten so den glücklichen Ausgleichstreffer durch Tobias Reichmann zum 25:25-Endstand. Im Interview mit n-tv.de erklärt Heinevetter, warum er so gedankenschnell reagieren konnte und wie er sich als deutscher EM-Held fühlt. Außerdem hat er Verständnis für den heftig kritisierten slowenischen Trainer.

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n-tv.de: Nachdem der Protest der Slowenen gegen die Wertung des Spiels abgeschmettert wurde, freut sich heute ganz Deutschland über Ihre erstaunliche Regelsicherheit ...

Silvio Heinevetter: Das ist eine gute Sache, dass wir den Punkt behalten können. War aber klar. Man sollte halt schon Ahnung haben von einer Sache, die man professionell betreibt. Und dass ich von hinten manchmal eine gute Sicht auf das Spiel habe, ist sicher auch nicht schädlich.

Haben Sie in den hektischen Schlusssekunden wirklich sofort begriffen, was da los war?

Erst einmal habe ich mich kurz geärgert, weil ich mit dem Fuß ja noch am Ball war. Dann habe ich den letzten Strohhalm ergriffen und den Ball zu Drux an den Mittelkreis geworfen. Den Regelverstoß der Slowenen aber habe ich sofort registriert.

Der gegnerische Trainer offenbar nicht. Veselin Vujovic sagte im Interview mit der ARD, dass ihm diese Regel so nicht bekannt sei und sorgte damit für heiteres Erstaunen.

Ich kann ihn verstehen. Die Handball-Regeln ändern sich ständig und sind national und international nicht einheitlich. Da kannst du nicht immer alles wissen. Natürlich war es aber auch glücklich, dass sich die Schiedsrichter nach meinem Protest die Bilder noch einmal angeschaut haben. Andererseits hätten wir sonst Vujovic nicht im Tor stehen sehen.

Das war schon unsportlich, was der slowenische Coach da veranstaltet hat, oder?

Ich mag den Typen. Das ist ein Hitzkopf, ein Verrückter. Aber wenn man mit ihm redet, ist der total sympathisch. Er hat eben versucht, seinen Standpunkt klarzumachen. Er hat ja gesagt, dass er die Sache nicht mehr ernst nehmen könne, wenn die Schiedsrichter sie auch nicht mehr ernst nähmen.

Umso erstaunlicher war dann die Ruhe und Abgezocktheit von Tobias Reichmann beim entscheidenden Siebenmeter.

Wie der den Ball nach gefühlten zehn Minuten Hektik versenkt hat, das war nervenstark.

Hätten Sie den Mut gehabt, diesen Siebenmeter zu werfen?

Klar, aber mir hat ja keiner den Ball gegeben. Ich weiß gar nicht, warum?

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In den Foren der sozialen Netzwerke werden Sie nun als der Held gefeiert, der der DHB-Auswahl den einen Punkt gerettet hat. Wie fühlt sich das an?

Hab ich auch gehört, gelesen habe ich nichts. Aber, bitte, hängt das jetzt nicht zu hoch. Letztlich war es ein glücklicher, ein dreckiger Punkt, der aber noch immense Bedeutung für uns bekommen kann.

Seltsam ist aber doch, dass Sie bei den Füchsen nur von den eigenen Fans gemocht werden, in der Nationalmannschaft aber Everybody's Darling sind. Das klassische Oliver-Kahn-Phänomen?

Ist doch gut so. Schauen Sie sich doch bitte mal die Fans von Schalke und Dortmund an. Da ist doch manchmal blanker Hass. Aber wenn die Nationalmannschaft spielt, stehen sie zusammen und sind die besten Freunde.

Nun geht es gegen Mazedonien. Bundestrainer Christian Prokop sprach bereits von einem Endspiel. Sehen Sie das auch so?

Es ist ein Endspiel um den Gruppensieg. Aber nicht nur. Es geht auch darum, sich eine gute Ausgangsposition für die Hauptrunde zu schaffen.

Prokop traf in der Nacht nach dem Slowenien-Spiel eine Entscheidung, die auch Sie als Keeper betreffen muss. Er tauscht Abwehrspieler Bastian Roschek gegen Finn Lemke aus und verändert die Deckung nachhaltig. Eine richtige Entscheidung?

Eine wichtige Entscheidung, aber niemand sollte nun den Fehler machen, Lemke als Heilsbringer zu betrachten. Der hat heute erst einmal eine Hammer-Anreise von zwölf Stunden und mehr vor sich. Das morgige Spiel wird er schon durchstehen, aber entscheidender sind erst mal Patrick Wiencek und Hendrik Pekeler im Mittelblock. Die werden sicher anfangen und müssen den Laden hinten zusammenhalten.

Fühlen Sie mit Roschek?

Für den ausgemusterten Basti ist es sicher schade, dass er nicht mehr im Kader ist. Aber letztlich steht der Mannschaftserfolg über allem.

Um den Kopf zwischen den Spielen freizubekommen, spielen Sie mit Ihren Teamkollegen Dart-Turniere. Es heißt, Sie seien im Kreise der Auswahl der Champion. Stimmt das?

Weiß ich nicht. Ich gehöre wohl zu den Top Drei, allerdings ist das stark von der Tagesform abhängig.

Schon mal die 180 geworfen?

Ich bin eher der Triple-19-Spieler.

Mit Silvio Heinevetter sprach Arnulf Beckmann

Quelle: n-tv.de

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