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Dank Cannabis-Geld und Armstrong Ex-Doper Landis ist zurück im Radsport

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Floyd Landis (r.) bringt nun sein eigenes Team an den Start.

imago/Belga

Er war ein großer Betrüger und gibt sich nun reuevoll. Floyd Landis kehrt in den Radsport zurück - mit einem drittklassigen, jungen Team. Und mit einem Budget, dessen Zusammensetzung manch einen die Nase rümpfen lässt.

Nein, es ist kein Witz, aber ja, es könnte durchaus einer sein. Floyd Landis ist zurück im Radsport - und mit ihm Einnahmen aus dem Verkauf von Cannabis sowie eine hohe Geldsumme von Lance Armstrong. Doch der Reihe nach. Floyd Landis - dieser Name stand für eines der großartigsten Comebacks der Tour-de-France-Geschichte. Am 19. Juli 2006 war der US-Amerikaner als Gesamtführender auf der 16. Etappe noch eingebrochen, verlor in den Alpen das Gelbe Trikot und fiel auf Platz elf zurück. Er habe keinerlei Erklärung, außer dass er eben einen schlechten Tag erwischte habe, meinte Landis anschließend.

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Aus Teamkollegen wurden Rivalen: Lance Armstrong und Floyd Landis (v.r.) 2004 bei der Tour de France.

(Foto: picture alliance / Bernard Papon)

Tags darauf, am 20. Juli 2006, war er auf der 17. Etappe von Saint-Jean-de-Maurienne nach Morzine nicht zu stoppen, krönte seine Alleinfahrt über 120 Kilometer durch die Alpen mit einem deutlichen Sieg. Im US-Fernsehen sagten viele, dass über "diesen Ritt in vielen Jahren noch gesprochen" werde. Sie sollten recht behalten. Denn die meisten, die an den heute 42-Jährigen denken, haben diese unglaublichen Bilder von damals vor Augen. Allerdings hat Landis' Leistung einen Haken: Er war gedopt. Wie sich am 27. Juli 2006 herausstellte, hatte der Profi des Schweizer Phonak-Teams Testosteron genommen. Sein Ergebnis wurde annulliert und Landis somit zum ersten Profi der Radsportgeschichte, dem der Tour-de-France-Gesamtsieg aberkannt wurde.

750.000 US-Dollar von Armstrong für neues Team

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Es folgten jahrelange Kämpfe und Klagen vor Gericht - und 2010 dann der Hammer: Landis räumte endlich Dopingmissbrauch ein und belastete zugleich Lance Armstrong schwer. Er gab an, gesehen zu haben, wie sein einstiger US-Postal-Teamkollege illegale Mittel genommen habe. Landis, dieser einst so treue Helfer, wurde zum Whistleblower - und die US-Staatsanwaltschaft hellhörig. Es waren letztlich Landis' Aussagen, die ein erstes Ruckeln verursachten, das dann zu einem wahren Beben wurde und schließlich den scheinbar unantastbaren Armstrong vom Sockel stieß. Der Radsportweltverband UCI sperrte den Texaner auf Lebenszeit und erkannte seine sieben Tour-de-France-Siege ab.

Es war ein wenig Genugtuung für Landis, der nach seinen Anschuldigungen über viele Jahre hinweg von Armstrong beschimpft und beleidigt wurde. Im April dieses Jahres folgte der nächste Etappensieg: Armstrong willigte ein, fünf Millionen Dollar Strafe an die US-Behörden zu zahlen, um so einem möglichen Schadensersatzprozess zu entgehen. Dieser hätte für ihn bis zu 100 Millionen Dollar teuer werden können. Kläger war neben der US-Regierung auch Landis, dem letztlich 1,1 Millionen Dollar zugesprochen wurden. Abzüglich Anwaltskosten blieben ihm rund 750.000 US Dollar. Die will er nun in ein Radsportteam investieren.

Landis ist nicht nur Gründer und Gönner, sondern mit seiner Firma "Floyds of Leadville" auch Namensgeber. Das Unternehmen - da rümpfen manche die Nase - produziert und vertreibt Cannabis-Produkte. Es hat seinen Sitz in Colorado, wo Anbau und Vertrieb von Hanf für medizinische Zwecke vor sechs Jahren von der Regierung legalisiert wurden. Neben Landis ist auch Dave Zabriskie in die Firma involviert. Der heute 39-Jährige fuhr einst mit Landis zusammen für US Postal - und ist ebenfalls ein geständiger Doper.

Landis war jahrelang Cannabis-Konsument

"Wir haben Erzeugnisse, die Menschen mit einem aktiven Lebensstil helfen, nach dem Training besser zu entspannen", betont Landis. Bei chronischen Schmerzen wirke Cannabis ebenfalls lindernd. Er selbst habe jahrelang an chronischen Hüftschmerzen gelitten und daher Cannabis konsumiert. Und er hat erfahren, dass seine Produkte immer noch mit einem "sozialen Stigma" behaftet sind. "Aber sie helfen und sie sind völlig legal", so Landis.

Sein neues Radsportteam hat eine Continental-Lizenz erhalten, wird somit drittklassig sein und darf nur bei Rennen in Nordamerika starten. Er wolle mit seinem Schritt versuchen, Vertrauen in der Radsport-Gemeinde zurückgewinnen, so Landis. Und deshalb übernimmt er unter anderem Fahrer von Silber Pro - einem kanadischen Team, das am Jahresende abgemeldet wird. Zudem möchte er jungen US-Pedaleuren eine Chance geben, deren Mannschaften aufgrund des Rückzuges von Sponsoren keine Zukunft mehr haben. Die Heimat von "Floyds of Leadville" wird Kanada sein. Denn zum US-Radsport-Verband hat Landis immer noch ein schwieriges Verhältnis.

Quelle: n-tv.de

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